Talent oder Handwerk

15. Januar 2008 von Melanie Huber

Heute im Seminar “Schreibwerkstatt Pressemeldung” habe ich lange mit den Teilnehmerinnen darüber diskutiert, ob zum Schreiben Talent gehöre oder man das Verfassen guter Texte lernen könne. Ich bin überzeugt davon, dass Schreiben vor allem mit Erfahrung und Übung zu tun hat - besitzt man zudem noch Talent, ist man vielleicht ein extrem guter Texter oder Schrifsteller, doch diesen Anspruch stellen ohnehin die wenigesten an PR.

Wer selten liest oder vor allem verquaste Wissenschaftstexte, wird es schwer haben, sich einen gut lesbaren und angenehmen Stil anzueignen. Und Leute, die allein Präsentation und Charts erstellen, werden kaum ohne Weiteres einen Pressetext schreiben, der das Wesentliche auf den Punkt bringt und verständlich ist. Wer liest, schreibt besser. Und wer viel schreibt, schreibt noch besser. - Eventuell eine gewagte Theorie in Zusammenhang mit der andauernden Diskussion um die Qualität des Journalismus’ im Web. Immerhin schreiben viele Blogger deutlich mehr als klassische Journalisten… Es wäre spannend, mal zu vergleichen, wie viele Zeichen ein Durchschnittsblogger im Vergleich zu einem Redakteur pro Monat schreibt (nun ja, dazu müsste man erst “Redakteur” definieren - gehören die freien Journalisten dazu, die Schreiber in Anzeigenblättern, die Autoren der Firmenmagazine - aber das ist ein anderes Thema…).

Als besondere Herausforderung zeigte sich heute übrigens das werbefreie Verfassen von Pressetexten. Die Grenzen zwischen PR, Marketing und Werbung sind zum Teil verwässert, das ist nichts Neues, doch in einem Beitrag, der Journalisten zu Recherche und zum Schreiben animieren soll, hat Werbung nichts verloren (außer der Kunde besteht trotz Belehrung darauf und zahlt dafür, dann soll er es bekommen).

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