Die Weisheit der Vielen

21. Januar 2008 von Melanie Huber

Großartig war das Experiment angekündigt worden: Günther Jauch wollte gestern in seiner Show Die Weisheit der Vielen herausfinden, wer schlauer ist - der einzelne Experte oder die Masse. Klar habe ich erwartet, dass dies nicht streng wissenschaftlich erfolgt. Aber was dann gezeigt wurde, war wirklich unfassbar. Ein Ratespiel. Welches Rennpferd siegt, wie kalt war es gestern um 21 Uhr in 65 Metern Höhe am Kölner Dom, mit welchem der neun gezeigten Männer ist diese Frau verheiratet? - Als Expertin durfte beispielsweise Familienministerin Ursula von der Leyen drauf losraten: Wie viele Kinder wurden gestern bis 22 Uhr in Hamburger Krankenhäusern geboren?  Sonja Zietlow und Dirk Bach konnten sich als Dschungelcamp-Moderatoren ebenfalls als Experten einbringen - mit der Frage, wie viele Zähne der Alligator im Studio habe.

Doch nicht allein die fragwürdigen Experten und Aufgaben machten die Sendung zur Farce. Was soll man bitteschön mit dem Ergebnis anfangen, dass die Zuschauer auf 66 Zähne im Maul des Alligators tippten und Bach und Zietlow auf 62? Hätten sich die Zuschauer beraten können, diskutieren und ihr Wissen zusammenbringen, das wäre spannend gewesen. Dann hätte man zumindest einen kleinen Beweis der kollektiven Intelligenz. So bleibt nur ein Blick in das Web. Hier, wo wirklich Viele unterwegs sind und ihre Kenntnisse teilen, findet das Experiment Masse vs. Experte zu jeder Sekunde an den verschiedensten Stellen statt. Das Internet bietet die richtigen Tools, sich auszutauschen, zu debattieren und sich so der Wahrheit anzunähern. Vor der nächsten Wissenssendung sollten die Macher von RTL vielleicht mal ins Netz gucken und sich Anregungen holen, wie richtige Ergebnisse zustande kommen können. Hier die zu untersuchen wie die Weisheit der Vielen entsteht, das wäre spannend.

Kommentare zur Sendung gigt es auch im VisualBlog, in der FAZ, bei der Süddeutschen, beim RT Zapper und bei Stefan Niggemeier im Fernsehlexikon.

3 Reaktionen zu “Die Weisheit der Vielen”

  1. Frank

    Langweilig. Anders kann man die Sendung nicht bezeichnen. Ach ja, doch: Abkassieren. Sonst jedenfalls hatte die keinen Sinn.

  2. Rico

    Beratung innerhalb der Masse

    Der Beitrag ist sehr interessant und ich teile die Ansicht, dass die Show begrenzt wissenschaftlich war. Dennoch, ein kurzer Kommentar zur Beratung innerhalb der Masse. Der Clou in der Theorie von Surowiecki liegt genau darin, dass die Masse sich nicht beraten darf (!) und trotzdem auf ein Ergebnis kommt, dass genauso gut oder gar besser ist als dasjenige der Experten (Experten im Sinne von Surowiecki und nicht RTL). Dahinter steht die Argumentation, dass jeder einen Teil der Information bei sich trägt, um als Puzzleteil zur Wahrheit zu gelangen. Sinn und Zweck ist, dass die Zuschauer nicht im Internet die Antwort auf “Andenhorn” nachschlagen, sondern sich reflektieren und dann antworten sollten. Der Test war deshalb stark verfälscht. Wenn sich die Masse über Tools austauscht und sich dadurch gegenseitig beeinflusst, kommt, so Surowiecki, die Weisheit der Masse nicht zum Tragen. Meinungsführer würden andere zum Umentscheiden bewegen (wie Google, der allen dasselbe Suchresultat liefert).
    Die Masse kommt dann zu einem besseren Ergebnis, wenn sie vielfältig und dezentral ist und die/der Einzelne unabhängig entscheiden kann.

  3. Ruprecht

    alles nur Unterhaltung und man vertrödelt oft kostbare Zeit

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