Ratzefummel

22. Januar 2008 von Melanie Huber

In unserer Wortsammlung soll es heute um das Ratzefummel gehen, auch bekannt als Radiergummi. Das Wort ist in zweierlei Hinsicht interessant. Zum einen weil es kaum noch benutzt wird und bekannt ist, zum anderen weil auch der damit bezeichnete Gegenstand selbst an Bedeutung verloren hat. Ich habe gerade mein letztes Exemplar, einen knallbunten Fisch, entsorgt. Obwohl mein Mann dauernd neue Bleistifte anschleppt, benutze ich die nie und brauche somit auch kein Radiergummi. Wobei es wirklich schöne Bleistifte gibt, zum Beispiel die Bleistift-Verlängerer von Faber-Castell. Doch mir geht es mit Stiften so wie mit Notizbüchern. Hochmotiviert nehme ich mir regelmäßig vor, nie wieder Werbekulis und Schmierzettel mit zu einem Kundentermin zu nehmen und nur noch die eine ledergebundene Kladde und den Füller zu verwenden. Meist halte ich mich ein oder zwei Wochen an diesen Vorsatz, vergesse die Kladde, und alles ist vergessen.

Doch zurück zum Ratzefummel. Wieso Schüler in den 70ern und 80ern cool ihr Radiergummi als Ratzefummel bezeichnet haben, ist nicht geklärt. Mit “Fummeln” war und ist meist ohnehin etwas anderes gemeint… Und obwohl es manchmal sehr “fummelig” ist, etwas wegzuradieren, habe ich eine andere Theorie für die Herkunft des Wortes. Im Mittelhochdeutschen war das “f” ein “v” und das “vumen” ein “veimen”. Veim bedeutet Schaum, veimen war das Verb für abschäumen oder abfegen. Und schon sind wir beim Radiergummi, mit dem man den Bleistiftstaub wegfegt und das aus einer Art festem Schaum besteht. Nun ja, man kann sich seine Erklärungen auch herbeireden, und für diese übernehme ich keinerlei Gewähr. Fest steht: Ratzefummel ist ein schönes Wort. Es wäre schade, dies aussterben zu lassen.

2 Reaktionen zu “Ratzefummel”

  1. Andrea Vogler

    Als “Kind der 70er und 80er” finde ich diesen Beitrag mehr als erhellend - hat mich der Ratzefummel doch auch durch meine komplette Jugend begleitet.

    Eine Frage muss ich aber aufwerfen: ich kenne ausschließlich DEN Ratzefummel, also männlich. DAS Ratzefummel war mir bisher nicht geläufig. Gibt es dafür eine Erklärung oder kann es jeder nutzen, wie ihm gefällt - ähnlich wie bei DER, DIE oder DAS Nutella?

    Viele Grüße,

    Andrea.

  2. Ralf

    HAllo zusammen,

    meine Kollegin (Baujahr 78) rief mir heute im Büro zu: “Schmeiß mir mal nen Ratzefummel rüber”. Ich war total perplex da ich das Wort gefühlte 100 Jahre nicht gehört hatte und auch FAST aus meinem Wortschatz verschwunden war. Innerhalb von Sekunden zogen vor mein geistiges Auge viele schöne bruchstückhafte Erinnerungen an Schule, ausgefallene Ratzefummelsammeln, mit Ratzefummelstücken in der Mathearbeit schmeissen etc. Einfach herrlich !! Und das aufgrund eines Wortes.

    Bis neulich

    Ralf

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