Vom Lesen und dem Problem mit der Zeit

28. Januar 2008 von Melanie Huber

Eine Zuhörerin sagte einmal nach einem Vortrag über Blogs zu mir: „Wieso soll ich das alles lesen, da gehe ich doch lieber in den Wald und lese ein Buch.“ Eine Antwort darauf hatte ich nicht parat. Vielleicht waren meine Ausführungen einfach nicht klar genug gewesen. Niemand soll und muss lesen, was Blogger schreiben. Es geht ja gerade um Freiwilligkeit, beim Schreiben und auch beim Lesen. Man sucht sich die Angebote raus, die einen interessieren – aus privatem Interesse oder beruflichem, weil man sich im Augenblick mit einem Thema befasst oder einem einfach der Stil eines Autors gefällt.

Es ist natürlich etwas ganz anderes, ein Buch zu lesen. Wer ausschließlich Blogs liest, verpasst ebenso etwas wie jemand, der nur Romane schmökert. Es ist sicher kein Muss, neben Fernsehen, Radio und Tageszeitung auch noch im Internet nach Informationen zu suchen. Doch kann es ungemein bereichernd sein und das Gehörte ergänzen, vollkommen neue Perspektiven und Berichte bieten. Und wahrscheinlich würde es den eingefleischten Buch-Fans Spaß machen, sich mit anderen Leseratten über ein Werk auszutauschen. – Wenn es nicht gerade ein Beststeller war, wird man nur schwer Gleichgesinnte im Bekannten- oder Kollegenkreis finden. Da leisten Weblogs deutlich mehr. Journale wie Christians Bücherkiste, das literarische Blogtett oder Leseteufelchen listen zahlreiche Titel auf und laden zur Diskussion ein. Auch die Literaturwelt bietet einen guten Einstieg – mit zahlreichen Links zu Autoren mit eigenen Weblogs. Immer mehr „klassische“ Autoren betreiben Blogs, warum sollte dann ein Buch-Liebhaber nicht auch mal darin lesen? Okay, meist kommt dann das Zeitproblem als Argument. Ich kann mir schwer vorstellen, dass man nicht die 15 Minuten erübrigen kann, um ins Internet zu gehen und ein paar spannende Texte zu lesen.

Scheinbar haben viele Leute tatsächlich keine Zeit für das Internet. Das muss man akzeptieren. Auch wenn sie garantiert durch das Nutzen mancher Angebot im Web Zeit gewinnen würden. Was ich jedoch absolut nicht verstehen kann, sind PR- oder Marketing-Experten, die meinen, Blogs und andere Web 2.0-Anwendungen ignorieren zu können. Heutzutage ist es völlig unzureichend, allein mit klassischen Journalisten in Kontakt zu stehen und sich darauf zu konzentrieren, irgendwo abgedruckt zu werden. Immer mehr Verbraucher informieren sich (ausschließlich) online über Produkte und Dienstleistungen, diskutieren und bewerten hier. Vertreter von Unternehmen sollten dies zumindest zur Kenntnis nehmen, also lesen. Am Wochenende kann man dann mit dem Buch im Wald sitzen.

Eine Reaktion zu “Vom Lesen und dem Problem mit der Zeit”

  1. Klaus Eck

    Wenn die Bücher wenigstens wirklich gelesen würden, meistens landen sie doch nur im Regal…

    Ich habe manchmal den Eindruck, dass sich hinter der Frage “Wer soll das alles lesen” eine klare Überforderung verbirgt. Schließlich scheint es zumindest den meisten Kommunikatoren so, als wenn sie jetzt noch mehr tun müssten, um ihrer Rolle gerecht zu werden.

    Viel einfacher ist es natürlich, hierbei auf Abwehr zu schalten und zu behaupten, die Qualität der Blogs stimme nicht, deshalb muss ich mich auch nicht mit ihnen beschäftigen. Hinter der Ignoranz zeigt sich viel Angst vor dem Unbekannten, dem Neuen, das sich kaum richtig einschätzen lässt…

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