Was ist los im Second Life?
30. Januar 2008 von Melanie Huber
Über ein Jahr ist es schon her, da waren die Zeitungen voll mit Berichten über Second Life, die virtuelle Community aus den USA. Kein Tag verging ohne neue Berichte und kritische Kommentare über den Niedergang der Kultur, die sich in dem Spiel, das keines ist, zeige. Unternehmen und Agenturen sprangen mit auf den Zug und errichteten Filialen in der zweiten Welt und hielten virtuelle Pressekonferenzen oder andere Veranstaltungen ab – von Promotionaktionen, über Konzerte bis hin zum echten Pixel-Shop, die Phantasie kennt im Second Life kaum Grenzen. Doch wie sieht es heute aus im stark gehypten Online-Universum? Verdienen die vertretenen Firmen dort Geld, haben sich neue Zielgruppen erschließen lassen? Focus online und Tagesspiegel blicken zurück auf das vergangene Jahr im Second Life und sehen die Entwicklungen durchaus positiv. Zwar spielen die Aktivitäten in der Web-Community für die meisten Firmen eine eher untergeordnete Rolle, doch die Experimente mit neuen Marketing-Instrumenten gehen weiter und sind mehr als kreativ.
Rund 12 Millionen „Bewohner“ hat die zweite Welt inzwischen, und täglich kommen jede Woche loggen sich rund 500.000 neue Mitglieder ein hinzu (Nachtrag: Danke an den Hinweis von Dirk Ploss, dass ich an dieser Stelle die Zahl aus irgendwelchen Gründen falsch - und dummerweise ohne nachzudenken - zugeordnet habe. Seinen anderen Äußerungen kann ich jedoch nicht zustimmen, aber das ist Ansichtssache.). Das sind durchaus gute Zahlen, und es lohnt sich womöglich, über eine Kampagne im Second Life (SL) nachzudenken. Die Vorteile liegen auf der Hand:
- - Kampagnen, die in der realen Welt viel Geld kosten, können im SL recht günstig getestet werden.
- - Hier erreichen Sie auf einen Schlag sehr technikaffine und junge Zielgruppen.
- - Herkömmliche Maßnahmen haben an Wirkung verloren und fallen nur bedingt auf. Im SL haben Sie es mit weniger Wettbewerb zu tun.
- - Die Mitglieder sind sehr aktiv und oft bereit, sich zu engagieren und beteiligen – gute Ideen stoßen auf Resonanz und motivieren leicht freiwillige Helfer.
Doch trotz der durchaus positiven Bilanz sollte man nicht vergessen, dass noch immer nur eine kleine Zahl der Mitglieder aus Deutschland stammt. Wer sich allein auf diesem Markt tummelt, sollte sich gut überlegen, wie viel er in ein SL-Projekt investieren möchte. Zudem unterschätzen Firmen den Zeitaufwand. Es macht keinen Sinn, eine Filiale programmieren zu lassen und diese dann nicht zu besetzen. Das Second Life spielt sich rund um die Uhr ab, Öffnungszeiten sind hier nicht gefragt. Hinter jedem Avatar sollte ein echter Mensch stecken, der fundiert Auskunft geben kann. Verwaiste Inseln und Shopping-Malls zeugen von der Naivität der Firmen, die glauben, ein Auftritt in SL genüge, um eine Marke mit Leben zu füllen. Selbst wenn man für „nur” 10.000 Euro einen Showroom eingerichtet hat, ist das herausgeschmissenes Geld, wenn es keinen Anreiz gibt, diesen zu besuchen. Ob Partys, Geschenke oder lustige Spielereien – die Bewohner im SL wollen unterhalten werden. Ansonsten unterscheidet sich das Engagement dort nicht von klassischen Werbemaßnahmen, die einer dialogorientierten Gesellschaft kaum noch auffallen.
Einen guten Überblick zum Thema bietet Markus Breuer in seinen _notizen aus der provinz.
Am 14. Februar 2008 um 19:26 Uhr
[...] weiß ja nicht. Aber sei’s drum, darum geht’s momentan auch gar nicht. Sondern um diesen Beitrag hier auf dem Kilroy-Blog. Erschienen am 30. Januar und mit dem unspannendsten aller Themen Second [...]