Monatsarchiv für Januar 2008

Theorie und Realität der Bloggerei

Mittwoch, den 23. Januar 2008

Auf die Frage, wie man Kollegen und Mitarbeiter zum Bloggen bekommt, kenne ich tolle Antworten. Seien Sie ein Vorbild und zeigen Sie, wie viel Spaß es macht; sprechen Sie von den Vorteilen der Reputationsbildung; lassen Sie möglichst viel Freiraum bei der Themenwahl; loben Sie, involvieren Sie in Entscheidungen rund ums Blog. Und, und, und… Soweit die Theorie. Dieses Blog beweist, dass das trotzdem nicht so einfach mit der Motivation ist. Meine Mitautorinnen haben trotz Begeisterung für’s Medium und eindeutiger Zusage noch keine Zeile geschrieben. Das ist nicht schlimm, aber lustig. Und es beweist erneut, wie wenig Blogs steuerbar sind. Außer, man bucht eine Agentur, die gegen Bezahlung klar vereinbarte Beiträge verfasst. Das kommt für uns nicht in Frage.  Und so werde ich auch in Zukunft auf die kleinen Tipps zum Überzeugen von Autoren verweisen. Doch ich werde auch betonen, dass dies seine Zeit braucht.

Ein guter und ambitionierter Blogger fällt nicht vom Himmel. Freiwilligkeit ist ein Muss, Spaß am Medium die wichtigste Voraussetzung und Begeisterung entsteht nur, wenn man ganz von selbst in einer ruhigen Minute in das Tool hinein schnuppert, ein paar erste Sätze verfasst, vielleicht Feedback bekommt und dann… irgendwann süchtig wird. Und jetzt los, wann lese ich Euch endlich?

Stellenangebot für Texter

Dienstag, den 22. Januar 2008

Über das Jonet bin ich gerade auf eine lustige Stellenanzeige aufmerksam geworden. Die Wirkungsvoll GmbH hat sich auf Online-Marketing spezialisiert und sucht nun Texter. Die Aufgabenbeschreibung lautet:

  • “Recherche und das Erstellen von redaktionellen Inhalten
  • Schreiben von eigenen Artikeln”

Soso, eigene (!) Artikel sollen geschrieben werden - und keine fremden, oder wie? Das Beste ist das Gehalt: “Die Arbeit erfolgt von zu Hause aus und wird mit bis zu 5,00 € pro DIN A4 Seite vergütet.” Bitte wer recherchiert und schreibt einen Text von einer Seite Länge für 5 Euro - abgesehen davon, dass solche Angaben üblicherweise in Zeichen erfolgen? Selbst in meinen Anfangszeiten als freie Redakteurin gab es 30 Pfennig pro Zeile. Nehmen wir mal an, dass man mindestens eine Stunde recherchiert (was lächerlich wenig ist) und noch eine Stunde den Text runterschreibt (was man bei einer Stunde für einen Text nicht anders bezeichnen kann), dann bliebe ein Stundensatz von 2,50 Euro.  - Vermutlich will die Wirkungsvoll GmbH mit dieser Stellenanzeige aber nur die Wirksamkeit ihres eigenen Online-Marketings zeigen. Das wäre gelungen, denn die Aufmerksamkeit dürfte garantiert sein…

Als Referenz-Projekt hat die Firma übrigens den DSL-Butler angegeben. Hier grinst eine Blondine keck den Besucher an - dazu der Text: “Mein Name ist Alfred, ich bin Ihr persönlicher DSL Butler.” Alles klar.

Ratzefummel

Dienstag, den 22. Januar 2008

In unserer Wortsammlung soll es heute um das Ratzefummel gehen, auch bekannt als Radiergummi. Das Wort ist in zweierlei Hinsicht interessant. Zum einen weil es kaum noch benutzt wird und bekannt ist, zum anderen weil auch der damit bezeichnete Gegenstand selbst an Bedeutung verloren hat. Ich habe gerade mein letztes Exemplar, einen knallbunten Fisch, entsorgt. Obwohl mein Mann dauernd neue Bleistifte anschleppt, benutze ich die nie und brauche somit auch kein Radiergummi. Wobei es wirklich schöne Bleistifte gibt, zum Beispiel die Bleistift-Verlängerer von Faber-Castell. Doch mir geht es mit Stiften so wie mit Notizbüchern. Hochmotiviert nehme ich mir regelmäßig vor, nie wieder Werbekulis und Schmierzettel mit zu einem Kundentermin zu nehmen und nur noch die eine ledergebundene Kladde und den Füller zu verwenden. Meist halte ich mich ein oder zwei Wochen an diesen Vorsatz, vergesse die Kladde, und alles ist vergessen.

Doch zurück zum Ratzefummel. Wieso Schüler in den 70ern und 80ern cool ihr Radiergummi als Ratzefummel bezeichnet haben, ist nicht geklärt. Mit “Fummeln” war und ist meist ohnehin etwas anderes gemeint… Und obwohl es manchmal sehr “fummelig” ist, etwas wegzuradieren, habe ich eine andere Theorie für die Herkunft des Wortes. Im Mittelhochdeutschen war das “f” ein “v” und das “vumen” ein “veimen”. Veim bedeutet Schaum, veimen war das Verb für abschäumen oder abfegen. Und schon sind wir beim Radiergummi, mit dem man den Bleistiftstaub wegfegt und das aus einer Art festem Schaum besteht. Nun ja, man kann sich seine Erklärungen auch herbeireden, und für diese übernehme ich keinerlei Gewähr. Fest steht: Ratzefummel ist ein schönes Wort. Es wäre schade, dies aussterben zu lassen.

Die Weisheit der Vielen

Montag, den 21. Januar 2008

Großartig war das Experiment angekündigt worden: Günther Jauch wollte gestern in seiner Show Die Weisheit der Vielen herausfinden, wer schlauer ist - der einzelne Experte oder die Masse. Klar habe ich erwartet, dass dies nicht streng wissenschaftlich erfolgt. Aber was dann gezeigt wurde, war wirklich unfassbar. Ein Ratespiel. Welches Rennpferd siegt, wie kalt war es gestern um 21 Uhr in 65 Metern Höhe am Kölner Dom, mit welchem der neun gezeigten Männer ist diese Frau verheiratet? - Als Expertin durfte beispielsweise Familienministerin Ursula von der Leyen drauf losraten: Wie viele Kinder wurden gestern bis 22 Uhr in Hamburger Krankenhäusern geboren?  Sonja Zietlow und Dirk Bach konnten sich als Dschungelcamp-Moderatoren ebenfalls als Experten einbringen - mit der Frage, wie viele Zähne der Alligator im Studio habe.

Doch nicht allein die fragwürdigen Experten und Aufgaben machten die Sendung zur Farce. Was soll man bitteschön mit dem Ergebnis anfangen, dass die Zuschauer auf 66 Zähne im Maul des Alligators tippten und Bach und Zietlow auf 62? Hätten sich die Zuschauer beraten können, diskutieren und ihr Wissen zusammenbringen, das wäre spannend gewesen. Dann hätte man zumindest einen kleinen Beweis der kollektiven Intelligenz. So bleibt nur ein Blick in das Web. Hier, wo wirklich Viele unterwegs sind und ihre Kenntnisse teilen, findet das Experiment Masse vs. Experte zu jeder Sekunde an den verschiedensten Stellen statt. Das Internet bietet die richtigen Tools, sich auszutauschen, zu debattieren und sich so der Wahrheit anzunähern. Vor der nächsten Wissenssendung sollten die Macher von RTL vielleicht mal ins Netz gucken und sich Anregungen holen, wie richtige Ergebnisse zustande kommen können. Hier die zu untersuchen wie die Weisheit der Vielen entsteht, das wäre spannend.

Kommentare zur Sendung gigt es auch im VisualBlog, in der FAZ, bei der Süddeutschen, beim RT Zapper und bei Stefan Niggemeier im Fernsehlexikon.

Tricks der Verkäufer

Freitag, den 18. Januar 2008

Heute hat mir ein Kunde das Gleichnis vom sprechenden Wellensittich erzählt. Die Geschichte ist ganz interessant, und ich kannte sie bisher nicht. Sie geht so:

Ein Mann kommt in eine Zoohandlung und fragt nach den Preisen für Wellensittiche.  “Die kosten alle fünf Euro, nur dieser hier kostet 50 Euro”, sagt der Verkäufer. Darauf will der Mann wissen, wieso der eine Sittich so viel teurer ist als die anderen. Dieses Tier könne als einziges sprechen, klärt ihn der Zoohändler auf. darauf kauft der Interessent natürlich den Vogel für 50 Euro.

Am nächsten Tag kommt der Kunde in das Geschäft zurück und beschwert sich darüber, dass sein neues Haustier kein Wort gesagt habe. “Kein Wunder”, sagt der Verkäufer, “er hat ja niemanden, mit dem er reden kann. Sie sollten ihm einen Spiegel kaufen, dann denkt er, einen Gesprächspartner zu haben.” Der Spiegel wird gekauft. Doch am folgenden Tag steht der Mann wieder im Laden. Der Vogel habe trotz Spiegel nicht gesprochen. “Ja”, sagt der Zoohändler, “der Sittich hat einfach keine Bewegung. Sie sollten ihm ein Treppchen kaufen, dann ist er besser gelaunt.” Klar, dass die kleine Treppe gekauft wird.

Doch auch am nächsten Tag kommt der Mann in die Zoohandlung. Er sagt: “Mein Vogel hat immer noch nicht gesprochen. Heute lag er tot im Käfig. Aber er schaute mich so an als wolle er sagen ‘Hättest du mir doch bloß Futter gekauft’.”- So funktioniert geschicktes Verkaufen. Irgendwie erschreckend, aber wahr.