Monatsarchiv für Januar 2008

Talent oder Handwerk

Dienstag, den 15. Januar 2008

Heute im Seminar “Schreibwerkstatt Pressemeldung” habe ich lange mit den Teilnehmerinnen darüber diskutiert, ob zum Schreiben Talent gehöre oder man das Verfassen guter Texte lernen könne. Ich bin überzeugt davon, dass Schreiben vor allem mit Erfahrung und Übung zu tun hat - besitzt man zudem noch Talent, ist man vielleicht ein extrem guter Texter oder Schrifsteller, doch diesen Anspruch stellen ohnehin die wenigesten an PR.

Wer selten liest oder vor allem verquaste Wissenschaftstexte, wird es schwer haben, sich einen gut lesbaren und angenehmen Stil anzueignen. Und Leute, die allein Präsentation und Charts erstellen, werden kaum ohne Weiteres einen Pressetext schreiben, der das Wesentliche auf den Punkt bringt und verständlich ist. Wer liest, schreibt besser. Und wer viel schreibt, schreibt noch besser. - Eventuell eine gewagte Theorie in Zusammenhang mit der andauernden Diskussion um die Qualität des Journalismus’ im Web. Immerhin schreiben viele Blogger deutlich mehr als klassische Journalisten… Es wäre spannend, mal zu vergleichen, wie viele Zeichen ein Durchschnittsblogger im Vergleich zu einem Redakteur pro Monat schreibt (nun ja, dazu müsste man erst “Redakteur” definieren - gehören die freien Journalisten dazu, die Schreiber in Anzeigenblättern, die Autoren der Firmenmagazine - aber das ist ein anderes Thema…).

Als besondere Herausforderung zeigte sich heute übrigens das werbefreie Verfassen von Pressetexten. Die Grenzen zwischen PR, Marketing und Werbung sind zum Teil verwässert, das ist nichts Neues, doch in einem Beitrag, der Journalisten zu Recherche und zum Schreiben animieren soll, hat Werbung nichts verloren (außer der Kunde besteht trotz Belehrung darauf und zahlt dafür, dann soll er es bekommen).

Von Laufstraßen und Löffelschaum

Montag, den 14. Januar 2008

Werbung eignet sich bestens zum Aufspüren von Neologismen und Unsinn. Abgesehen davon, dass mir Barbara Schöneberger ohnehin zu laut und zu präsent ist, muss sie nun auch noch für Nescafé im TV-Spot „Schaumlöffler“ zum Kauf von Kaffee-Pads animieren. Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliche Kaffee-Pads, sondern um „Löffelschaumprodukte“. Löffelschaum für Schaumlöffler, was soll das bitte sein? Ein Löffel, der bei richtigem Löffeln Schaum schlägt? Jemand, der im Schaumbad gerne löffelt? Ein Restaurantgast, dem vor Wut über den Kellner der Schaum vorm Mund auf den Suppenlöffel tropft?

Ähnlich fragwürdig ist der Begriff „Laufstraßen“, der aktuell in einem Spot für einen Teppichreiniger fällt. Die geplagte Hausfrau ist verzweifelt ob der Laufstraße in ihrem Wohnzimmer. Bisher dachte ich, dass es sich dabei um die Fertigungsanlage in der Industrie handele; oder um eine Straße für Jogger. Vielleicht sind Parkett-Besitzer hier im Nachteil, aber ganz ehrlich, von Laufstraßen auf dem Teppich habe ich noch nie gehört.

Über meinen absoluten Favoriten der irrwitzigen Werbesprüche haben sich schon andere wie der Chaosblogger und das Aloha Weblog ausgelassen. Doch man muss sich die Werbung von Clearblue für einen Schwangerschaftstest einfach auf der Zunge zergehen lassen (oder besser nicht): „Erleben Sie die größte technische Revolution auf die ein Urinstrahl treffen kann!” Als Frau kann ich nur sagen: Pfui! Es geht um Babys, nicht gewollte oder gewollte. Wie egal kann es da sein, wohin man uriniert? Zumal sich der Test nur dadurch von anderen unterscheidet, dass ein „Schwanger“ statt einem Strich oder Kreuz erscheint. Wie revolutionär.

Der K(r)ampf mit den Pageimpressions

Montag, den 14. Januar 2008

Vor rund zwei Monaten ist das ambitionierte Portal der WAZ Der Westen an den Start gegangen - und bereits heute laufen die Diskussionen über den Rückgang der Seitenabrufe. Spiegel online verkündet gar, die Macher hätten einen “erheblichen Dämpfer” bekommen. Rund 25 Prozent weniger Seitenaufrufe have das Portal im Dezember 2007 verzeichnet als die Einzeltitel der WAZ noch im Jahr zuvor zusammen. Das ist natürlichenttäuschend, doch kein Grund für Fragen, wie sie Chefredakteurin Katharina Borchert bei turi gestellt werden. Ob sie noch “fest im Sattel” sitze, wieviele Klicks sie liefern müsse, um den Job zu behalten… Das sind Fragen, die nach gerade mal zwei Monaten nicht angemessen sind. Obendrein ist das Verfahren der IVW zur Messung von Zugriffszahlen arg umstritten, und Borchert erklärt den Rückgang zudem mit technischen Problemen. Die sind normal. Kaum ein Relaunch läuft ohne Verluste von PIs ab. Die Nutzer müssen sich erst an das neue Layout, eine neue Struktur oder neue Inahlte gewöhnen. Zudem spricht “Der Westen” völlig neue Leserinnen und Leser an als die einstigen WAZ-Auftritte. Die Leser müssen erst gefunden und an die Seite gebunden werden. Das dauert, länger als zwei Monate. Und ich persönlich habe (leider) noch nie einen Relaunch erlebt, bei dem die Technik von Anfang an so lief, wie ich mir das gewünscht hätte. Damit muss man sich - vermutlich - abfinden.

Niemand kann Borchert einen Vorwurf aufgrund der niedrigen Klickraten machen. Lediglich die Entscheidung, diese bereist jetzt zu veröffentlichen, ist zu hinterfragen. Aber vermutlich ging dies weder von der Chefredakteurin noch von anderen WAZ-Verantwortlichen aus. Ein solch engagiertes und teures Projekt ruft schlicht Neid hervor. Welcher Online-Redakteur würde es sich nicht wünschen, derart viel Geld Ressourcen zur Verfügung gestellt zu bekommen? Doch das ist die Ausnahme, und somit ein Leichtes, kritisch und auch ein wenig hähmisch zu berichten. Vielleicht auch mit der verborgenen Hoffnung, dass das mit dem Web 2.0 doch nicht ganz der richtige Weg der Medien sei. Warten wir es ab, ich wette, in einem halben Jahr sieht die Welt beim Westen schon ganz anders aus - sofern es gelingt, neue Leser zu mobilisieren und nicht zurück zu blicken.

Kilroy

Sonntag, den 13. Januar 2008

Wie versprochen soll es bei der Wörter-Sammlung in diesem Blog gleich zu Beginn um den Begriff “Kilroy” gehen, immerhin ist das hier der Kilroy Blog. Den meisten Menschen sagt der Kilroy weniger dem Begriff nach etwas, doch die ein wenig alberne Figur mit großen Augen und langer Nase kennt fast jeder. Ich selbst habe mit dem Männchen irgendwann zu Beginn der 80er Jahre meine Schulhefte und -bücher verziert. Doch woher kommen Begriff und Name?

Vermutlich stammt der Ausspruch “Kilroy was here” von Schiffsinspektor James J. Kilroy; er habe bei Kontrollgängen die Schiffsrümpfe mit dem Satz beschriftet, um so zu dokumentieren, welche Schiffswände ordnungsgemäß abgedichtet waren. Der Legende nach sei ein derart gekennzeichnetes Schiff bei einem Militäreinsatz den US-Soldaten aufgefallen. Doch die konnten nichts mit der Aussage anfangen. Sie wussten nur, dass Kilroy schon da war… Und trotzdem - oder gerade wegen des Mysteriums um den “Eroberer” - begann schnell ein kleiner Wettbewerb unter den Soldaten; es ging darum, den Kilroy als Erster anzubringen - an schwer zugänglichen oder gar unmöglich erreichbaren Orten.

Und so haben wir uns für Kilroy PR als Agenturnamen entschieden, etwas vermessen vielleicht, aber zumindest auch ein Ansporn, selbst schwierigste Ziele zu erreichen. Da es in diesem Journal zudem um das Entdecken von Wörtern geht, passt Kilroy Blog prima. Und damit soll es genug sein mit der Eigenwerbung.

Wikipedia hält zahlreiche weitere Infomationen zum Kilroy bereit.