Jobsuche und Entscheidungen treffen
13. Februar 2008 von Melanie HuberEs ist wirklich schwer, und ich bin mir unsicher, zu was ich raten soll. Der Sohn meiner (Lieblings-)Patentante hat mich um Hilfe bei seiner Bewerbung gebeten. An sich ist das kein Problem, doch ich habe ein schlechtes Gefühl bei der grundsätzlichen Berufswahl. Er hat seit Jahren recht erfolgreich Leistungssport betrieben, wir alle sahen ihn schon als neuen Star am Radsport-Himmel. Und nun will er sich bei der Gemeinde in seinem Dorf bewerben, in die Verwaltung. Soll man einem jungen Menschen raten, seine Träume zu verfolgen und daran festzuhalten? Muss man in heutigen Zeiten vernünftiger vorgehen und so eine Chance ergreifen? Ist es eine oder eher der erste Schritt bergab? Ich kann mir ihn nur schwer in einem aus meiner Sicht so langweiligen Job vorstellen. Es muss doch für Sportfans, die nicht studieren möchten, andere Möglichkeiten geben. Vielleicht würde es ihm ja auch gefallen in der Verwaltung, wer weiß.
Wer heute wie ich seiner Passion im Berufsleben folgt kann nur schwer verstehen, was es heißt, extrem wichtige Entscheidungen aus der Vernunft heraus zu fällen. Ebenso kann ich es nicht verstehen, Kommunikations-Maßnahmen zu beschließen, die nicht aufgrund absoluter Begeisterung entstehen - um so den Kreis zum eigentlichen Thema dieses Blogs zu schließen… Wer keine wahre Leidenschaft bei dem verspürt, was man tut, muss schon extrem gut schauspielern, um akzeptiert zu werden und erfolgreich werden. Ein Mensch, der den Kick beim Radrennen verspürt, kann nicht Formulare in der Gemeinde ausfüllen, das gleiche gute Gefühl wie auf dem Rad verspüren und ein Spitzen-Formular-Ausfüller werden. Und wer das Internet als Spielwiese von Freaks betrachtet, kann nicht zum Dialog motiviert werden und engagiert eine Community aufbauen.
Bin ich froh, nicht mehr 20 zu sein und mich bewerben zu müssen! - Ach ja, ich weiß, dass man über jeden Job glücklich sein sollte und es toll ist, einen Ausbildungsplatz zu finden. Aber könnte es nicht sein, dass es unserer Wirtschaft besser ginge, wenn man seine Leidenschaften mit dem Beruf verbinden könnte - statt die Stellen zu wählen, die so vernünftig klingen?
Am 15. Februar 2008 um 10:22 Uhr
Aus Ihrem Beitrag geht hervor, dass der junge Mann Sie um Hilfe bei der Zusammenstellung seiner Bewerbungsunterlagen gebeten hat. Er hat Sie nicht gefragt, ihn bei seiner Berufswahl zu beraten.
Vermutlich würde es ihm sehr helfen, wenn Sie ihn auf der Grundlage der eigenen Beruferfahrung beraten. Nur brauchen Sie dafür seine Erlaubnis. Denn sonst fehlt es an der Akzeptanz und alles was Sie sagen ist am Ende für die Katz.
Grundsätzlich sind alle Entscheidungen richtungsgetriebenes Handeln. Sie haben für sich bereits eine Vorstellung von dem, was Sie langfristig machen wollen und wo Ihre Talente liegen, Sie haben also eine Mission.
Gleichzeitig vermute ich, dass Sie auch eine langfristige Zielsetzung für Ihren Beruf oder gar für Ihr Leben haben, also eine Vision.
Das sind zwingende Voraussetzungen, um den ersten Teil (Richtung) zu erfüllen.
Bei jungen Leuten direkt vor einer Berufsausbildung ist genau diese Frage oft noch zu klären.
Ob eine Entscheidung gut oder schlecht ist, läßt sich eben nur daran messen, inwiefern sie dem Fortkommen auf das Ziel dient.
Die Frage ist nur, ob der junge Radfahrer sich vollständing dem Radfahren verschrieben hat oder noch andere Ziele im Leben verfolgt.
Für viele Sportler sind Jobs im öffentlichen Dienst oder bei Banken ideal, weil der Arbeitgeber entweder viel Verständnis aufbringt oder sogar eine Art Jobsponsoring für den Sportler betreibt. So kann er seinen Traum (zu einen gewissen Teil) leben und gleichtzeitig eine Familie gründen. Am Ende seiner Sportlerkarriere ist er dann auch wieder abgesichert und fällt nicht ins Leere.
Am 19. Februar 2008 um 20:01 Uhr
Etwas in dieser Richtung kam mir auch in den Kopf: Zwei Gipfelstürme auf einmal sind ein ein wenig viel. Mir stellte sich sofort die Frage, ob der junge Radsportler weiterhin seiner Leidenschaft nachgehen möchte. Dann denke ich, ist es sehr schwer, eine zweite voll im Berufsleben auszuüben und zu kultivieren. Eine Ausbildung als Verwaltungsangestellter wäre auch nicht meine Berufswahl gewesen. Aber ich nehme an, dass sie in geordneten Bahnen verläuft und genügend Raum für den Sport bietet.
Zum Anderen kann ich mir vorstellen, dass auch ohne weitere sportliche Karriere Menschen das Thema “Sicherheit” so wichtig ist, dass es die höchste Priorität hat. Die Träume können dann Platz in der Freizeit finden. Das finde ich vollkommen in Ordnung.
Meines Erachtens sollte sich nur jeder über diesen Kompromiss im Klaren sein und daraufhin eine Entscheidung für sich getroffen haben. Auch später ist ein Fazit nützlich, um ggf. noch einmal nach zu justieren und sich zu verändern.