Ein paar (ungeordnete) Gedanken zu Zoomer
19. Februar 2008 von Melanie HuberIch habe mir gestern wie viele andere ganz neugierig das neue Nachrichten-Portal Zoomer angeschaut. Und wollte eigentlich auch gleich einen Bericht über das Holtzbrinck-Angebot schreiben. Doch dann ist mir etwas passiert, das ich gar nicht kenne. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich dachte nur:
Hmm, komische Farben, so schlammig. Erinnert auch irgendwie an den Auftritt einer Kinokette – oder irre ich mich? Lauter Bilder, wohin soll ich nur klicken? Ah, hier schreibt Ulrich Wickert. Komischer Pullover, sonst sieht er irgendwie gesünder aus. Wer ist wohl noch dabei? Wow, das sind ja viele Leute. Ich dachte, die Inhalte kämen von den Nutzern? Wie wollen die das refinanzieren? Oder gibt es wieder so niedrige Gehälter wie bei News Frankfurt und Business News? Ich zähle mal nach. Also: 28 Redakteurinnen und Redakteure, 4 Medien-Redakteure (was ist das eigentlich?), 1 Chefredakteur, 1 CTO, 6 Chefs vom Dienst, 1 Geschäftsführer, 2 Herausgeber (wieso ist Herausgeber Lorenz Maroldt als einziger nur mit Vornamen und ohne Bild gelistet?). Okay, vielleicht muss man das positiv sehen. Schön, dass hier mal in Personal investiert wird. – Vor allem, wenn man die Ergebnisse der Medienspiegel-Umfrage Onlinejournalismus 2008 betrachtet. Demnach sind die Online-Redaktionen von Tageszeitungen mit durchschnittlich zehn Redakteuren (inklusive der freien Mitarbeiter) deutlich schlechter besetzt.
Aber ich wollte mir ja das Portal angucken und nicht die Macher. Was sind „Ansichtssachen“? Sieht aus wie meine Postkartensammlung. Nee, ist eine Bildergalerie, lauter schöne Bilder, ohne thematischen Zusammenhang. Brauche ich nicht. Wo ist jetzt der user generated content? Unter „Netz Zoom“ versteckt? Nein, das sind Texte der Redaktion zu Internet-Themen – immerhin mit Kommentaren der Nutzer versehen. Zurück zur Startseite. Die News aus dem Nachrichten-Zoom führt mich zu einem AFP-Text. Okay, die Webseite ist ja noch ganz frisch, vielleicht kommen die News der Nutzer noch, später. Ich brauche eine neue Strategie. Irgendwie komme ich dem Zoomer nicht näher.
An dieser Stelle habe ich gestern abgebrochen. Die Seite spricht mich nicht an. Aber ich gebe ihr heute noch ein Chance und registriere mich.
Klar, Zoomer benötigt Stichworte, um mich mit personalisierten, spannenden Inhalten zu beliefern. Ich tippe ein, was mich interessiert: Bücher, Internet, Reisen, Frankfurt, Promis. Speichern, fertig. Bin gespannt, wie „Mein Zoomer“ aussieht. Trostlos! Eine Auflistung von fitzeligen Teasertexten, ohne Bild und Auflockerung, thematisch sortiert über Reiter. Unter Bücher finde ich: einen Jugendmalwettbewerb, eine Museumsgründung, eine Autorin, die bei einem Redakteur abgeschrieben haben soll, einen „Superriecher“, ein Lese-Gewinnspiel im Saarland, Flecken an der Decke der Aula in Ostendorf (hier führt der Link nicht zum entsprechenden Artikel, sondern auf eine bunte Übersichtsseite) . Das ist alles zum Thema „Bücher“. Die Teaser führen zu den Webseiten von Donaukurier bis Kieler Nachrichten, kein Beitrag oder Tipp eines Zoomer-Lesers befindet sich darunter, noch kann ich die Beiträge kommentieren. Auf die anderen Themengebiete habe ich keine Lust mehr. Für heute reicht’s wieder mit dem Zoomer. Vielleicht besuche ich ihn morgen wieder, es kann ja nicht sein, dass so viele Redakteure kein spannenderes Angebot hinbekommen, oder?
Und hier noch ein paar Links zu Zoomer-Besprechungen der Kollegen:
Felix Schwenzel in wirres.net
Don Alphonso in der Blogbar
Ein Vergleich mit Blick.ch in der Journalistenschredder
Ein Vergleich mit Rivva in bwl zwei null
Kritische Tön im Medienblog
Marcel Weiß ebenso kritisch in neunetz.com
Chris Kurbjuhn über die Top-Platzierungen
Und ganz begeistert der Tagesspiegel (bekanntlich zum Holtzbrinck-Konzern gehörend…)