Monatsarchiv für Februar 2008

Engagierter PR-Nachwuchs

Montag, den 18. Februar 2008

Im Seminar vergangene Woche in München erzählte eine junge Frau, sie sei eigentlich Studentin, arbeite aber zwei (ganze) Tage in der PR-Abteilung einer Unternehmensberatung. Auf die Bemerkung, der anderen Teilnehmer, wie sie das zeitlich schaffe, sagte sie erstaunt: „Wieso, ich habe doch noch fünf Tage für mich.“ – Das ist eine sehr bewundernswerte Einstellung. Doch leider selten.

Die meisten PR-Berater, die ich erlebe, berichten unisono von ihrer Überlastung. Scheinbar kann man in diesem Beruf nicht genug arbeiten, und ich glaube, dass dies mit den oft nicht klar kommunizierten Zielen zu tun hat – ebenso wie mit den fehlenden Mitteln zur Erfolgskontrolle. Man weiß nie, ob man genug getan hat, genug erreicht hat. Klar werden die Clippings ausgewertet, doch darüber hinaus wissen die meisten PR-Experten selten, wo überall ihre Botschaften aufgegriffen wurden. Vor allem wenn es um die Verbreitung im Web geht. Da erstellt man beispielsweise kostenintensive Videos und weiß gar nicht, dass diese bereits in diversen Blogs oder Foren diskutiert oder gar weiterempfohlen werden. Kein Wunder, dass man dann immer mehr arbeitet und neue Maßnahmen entwickelt.

Viele PRler haben noch nie von www.technorati.com oder www.alexa.com gehört, können nicht einschätzen, ob 1.000 Views bei Youtube nun gut oder schlecht sind oder welche Relevanz eine private Produkt-Empfehlung bei Facebook hat. Doch wären die Kriterien und Mittel zur Bewertung von „Web-Clippings“ bekannter, könnten die PR-Berater viel besser und umfassender die Ergebnisse ihrer Arbeit aufzeigen – und müssten weniger arbeiten :-) Aber dazu muss man natürlich vorher etwas Zeit investieren… oder sich externe Hilfe holen.

Linktipps: Medien-Weblogs

Montag, den 18. Februar 2008

Heute gibt es für die weniger blog-erfahrenen Leser wieder eine kleine Linkliste. Diese Journale beschäftigen sich überwiegend mit Medien und bieten einen guten Überblick nebst Kommentaren zu neuesten Entwicklungen:

DWDL

Turi 2

Onlinejournalismus

Medienrauschen

Journalismus Darmstadt 

Stefan Niggemeier

Cyberjournalist 

Netzjournalismus 

Das Textdepot 

Kommentare moderieren oder nicht?

Donnerstag, den 14. Februar 2008

Heute beim Social Web Breakfast habe ich mit Klaus Eck und anderen darüber diskutiert, ob man Kommentare frei einstellen lassen sollte oder sie vorher checken sollte. Sie Meinung der meisten war eindeutig: Kommentare sollten sofort publiziert werden. Man könne sie ja im Nachhinein immer noch löschen, sollte etwas Gesetzeswidriges oder Spam enthalten sein.

Bisher hatte ich mich nicht dazu durchringen können – nicht aus Angst vor Kritik oder Falschaussagen, sondern wegen all der Spammer, die leider im Web ihr Unwesen treiben und auch vor Kommentaren keinen Halt machen. Zudem rate ich Kunden, die vor freien Kommentarmöglichkeiten zurückschrecken, diese kleine Schleife einzuführen. Somit wollten wir es hier ähnlich handhaben. Aber: Ich habe mich überzeugen lassen! Niemand soll mehr zwei Stunden darauf warten müssen, dass sein Beitrag freigeschaltet wird. Wer möchte, ist herzlich eingeladen zu kommentieren, und die Texte stehen sofort hier im Blog. Die Policy werden wir noch entsprechend anpassen. Es versteht sich von selbst, dass Beleidigungen, Hetzereien oder gar rechtswidrige Äußerungen hier keinen Raum finden. Mal schauen, was passiert… Lustigerweise ist gerade in dem Moment, in dem die Entscheidung fiel, ein Spam-Kommentar eingestellt worden. Ein Omen? – Ich hoffe nur dafür, dass wir uns um die technischen Voraussetzungen kümmern müssen, damit es Spammer künftig schwerer haben.

Jobsuche und Entscheidungen treffen

Mittwoch, den 13. Februar 2008

Es ist wirklich schwer, und ich bin mir unsicher, zu was ich raten soll. Der Sohn meiner (Lieblings-)Patentante hat mich um Hilfe bei seiner Bewerbung gebeten. An sich ist das kein Problem, doch ich habe ein schlechtes Gefühl bei der grundsätzlichen Berufswahl. Er hat seit Jahren recht erfolgreich Leistungssport  betrieben, wir alle sahen ihn schon als neuen Star am Radsport-Himmel. Und nun will er sich bei der Gemeinde in seinem Dorf bewerben, in die Verwaltung. Soll man einem jungen Menschen raten, seine Träume zu verfolgen und daran festzuhalten?  Muss man in heutigen Zeiten  vernünftiger vorgehen und so eine Chance ergreifen?  Ist es eine oder eher der erste Schritt bergab? Ich kann mir ihn nur schwer in einem aus meiner Sicht so langweiligen Job vorstellen. Es muss doch für Sportfans, die nicht studieren möchten, andere Möglichkeiten geben. Vielleicht würde es ihm ja auch gefallen in der Verwaltung, wer weiß.

Wer heute wie ich seiner Passion im Berufsleben folgt kann nur schwer verstehen, was es heißt, extrem wichtige Entscheidungen aus der Vernunft heraus zu fällen. Ebenso kann ich es nicht verstehen, Kommunikations-Maßnahmen zu beschließen, die nicht aufgrund absoluter Begeisterung entstehen - um so den Kreis zum eigentlichen Thema dieses Blogs zu schließen… Wer keine wahre Leidenschaft bei dem verspürt, was man tut, muss schon extrem gut schauspielern, um akzeptiert zu werden und erfolgreich werden. Ein Mensch, der den Kick beim Radrennen verspürt, kann nicht Formulare in der Gemeinde ausfüllen, das gleiche gute Gefühl wie auf dem Rad verspüren und ein Spitzen-Formular-Ausfüller werden. Und wer das Internet als Spielwiese von Freaks betrachtet, kann nicht zum Dialog motiviert werden und engagiert eine Community aufbauen.

Bin ich froh, nicht mehr 20 zu sein und mich bewerben zu müssen! - Ach ja, ich weiß, dass man über jeden Job glücklich sein sollte und es toll ist, einen Ausbildungsplatz zu finden. Aber könnte es nicht sein, dass es unserer Wirtschaft besser ginge, wenn man seine Leidenschaften mit dem Beruf verbinden könnte - statt die Stellen zu wählen, die so vernünftig klingen?

Schnorrer-Blogger wollen lesen

Montag, den 11. Februar 2008

Am Wochenende war ich auf der Jahrestagung vom AVP, dem Arbeitskreis der Verlagspressesprecherinnen und -sprecher e.V. Ich habe einen Workshop zum Thema „Kommunikation im Web 2.0“ gegeben, und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, innovative Ideen zur Lesergewinnung zu entwickeln. Es waren vor allem Vertreter aus den Buchverlagen dabei, die im Laufe der Veranstaltung ein ganz spezielles Problem angesprochen haben. Immer mehr Blogger bitten bei den Verlagen um Rezensionsexemplare, also kostenlose Ausgaben der neuesten Titel. Die Verlage können all die Anfragen durch Blogger scheinbar kaum alle bewältigen. Es ist bei der Menge nicht möglich, einzelne Blogs zu prüfen – ob sie überhaupt Rezensionen enthalten oder eine gewisse Leserschaft und Relevanz haben. Abgesehen davon gäbe es gar nicht so viele Freititel wie gewünscht.

Es gibt sicher zahlreiche Blogger, die tatsächlich Bücher rezensieren, doch leider sind viele Schnorrer unterwegs, die einfach nur ein kostenloses Buch abstauben möchten. Zur Ehrenrettung möchte ich erwähnen, dass sich auch die klassischen Journalisten ganz ähnlich verhalten. Ich selbst habe mich als Redakteurin immer über Bücher gefreut und nicht alle besprochen. Nur gibt es eben deutlich mehr Blogger als Journalisten und damit mehr Anfragen durch diese. Dabei kann sich doch tatsächlich jeder die zehn oder zwanzig Euro für ein Buch leisten. Zumal man sie ja auch wieder verkaufen kann. Aber scheinbar geht es gar nicht unbedingt ums billige Lesen. Bei Amazon & Co. werden so viele neue Bücher zum Verkauf angeboten, die noch gar nicht auf dem Markt sind, dass der Verdacht nahe liegt, die Rezensionsexemplare würden vor allem ungelesen weiterverkauft. Doch was können Verlage dagegen tun, ohne all die Blogger zu enttäuschen, die mit guter Absicht um ein Buch bitten?

Eine Möglichkeit wäre eine Art Wettbewerb. Blogger können sich beim Verlag als Rezensenten bewerben. Sie stellen ihr Weblog vor und reichen eine Buchkritik ein. Die zehn „besten“ Schreiber werden durch eine Jury oder eine Online-Abstimmung ermittelt und erhalten ein halbes Jahr lang alle Neuerscheinungen. Danach geht der Prozess erneut los, damit jeder die Chance auf den „Job“ bekommt.

Aber auch die Verlage müssen etwas tun, lernen, wie sich die Relevanz eines Blogs einschätzen lässt und wissen, welches gut besuchte Literatur-Blogs sind. Doch durch die Menge der Anfragen werden leider alle Blogger über einen Kamm geschert und im Zweifel erhält keiner ein Rezensionsexemplar. Dabei wäre eine Besprechung und einem Blog manchmal viel wichtiger als die Kritik in der Tageszeitung. Immerhin geht es vielen Verlagen darum, neue, junge Leser zu gewinnen und für das Medium Buch zu begeistern. In Blogs mit den Titeln vertreten zu sein, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel.