Wo sind die Grenzen der Berichterstattung?

3. März 2008 von Melanie Huber

Matt Drudge gehört zu den einflussreichsten Journalisten der Welt. Alles begann vor rund zehn Jahren, als der damals 31-Jährige die Affäre von Bill Clinton mit Monica Lewinsky öffentlich machte. In seinem Journal Drudge Report berichtete er über die Liaison und wurde quasi über Nacht zum Star der amerikanischen Bloggerszene. Drudge liebt es, prekäre und zugleich öffentlichkeitswirksame Themen aufzugreifen und scheut keine Kritik. Jetzt berichtete er exklusiv über Prinz Harrys Einsatz in Afghanistan und enttarnte den jungen Royal. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile, und es scheint, als habe ein Internet-Pionier mal wieder das übernommen, was an sich Aufgabe der klassischen Journalisten ist: Recherche und umfassende Information.

Doch ganz so eindeutig ist die Situation nicht. Vielen Redakteuren war seit Dezember vergangenen Jahres bekannt gewesen, dass Prinz Harry seinen Dienst in Afghanistan leistete. Und sie berichteten dennoch nicht darüber, hielten sich an eine Vereinbarung zwischen einzelnen Medien und dem britischen Verteidigungsministerium – um die Sicherheit des Prinzen nicht zu gefährden. Es wäre reine Spekulation zu behaupten, die Medien hätten sich auch ohne Absprache zurückgehalten. Doch Fakt ist, dass Matt Drudge sich die Top-Story nicht nehmen lassen hat. Nun hagelt es Vorwürfe. Ist ihm nichts heilig? Hat er auf Kosten des Prinzen Eigen-PR betrieben? Und wieso mischt ein amerikanisches Journal in britische Medienpolitik ein?

Die Empörung ist verständlich und wirft die Frage auf, ob ein Journalist über alles berichten muss und soll, was er weiß – egal ob es sich um einen Mitarbeiter klassischer Presseorgane oder einen Blogger handelt. Jeder weiß, dass man mit exklusiven, provokanten und spektakulären Geschichten Leser gewinnt – und damit sogar finanzielle Vorteile (Drudge fährt laut Telegraph einen teuren Mustang, hat eine Eigentumswohnung im Four Season in Miami, besitzt ein schickes Haus in der Biscayne Bay…). Auch hierzulande gilt: wer eine Story aufdeckt, ist der Held. Doch vielleicht sollten auch die Leser ab und an mitdenken und nicht jedem Autor huldigen, dem es an sich nur um die eigene Reputation geht. Recherche ist wichtig, und die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Information. Jedoch nicht, wenn die Berichterstattung auf Kosten (unschuldiger) Dritter erfolgt.

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