Monatsarchiv für März 2008
Lustiges Video mit Magdalena von Podolski
Montag, den 17. März 2008Die Schauspielerin und Moderatorin Magdalena von Podolski zeigt auf Zoomer, wie man einen Video-Kommentar wirklich schlecht einsprechen kann. Sie lispelt, nuschelt, spricht zu schnell und guckt total komisch. Das ist ziemlich witzig, und nach dem abrupten Ende des Videso bleibt einem einfach nur ein Stirnrunzeln. Denn auch das Thema ist eigentlich gar keines. Liebe Kunden, gucken Sie sich das an. Das passiert, wenn man mit vermeintlichen Profis arbeitet. Nicht jeder ist zum Vodcasting geboren.
Blogger dokumentieren die Unruhen in Tibet
Montag, den 17. März 2008Die blutigen Proteste in Tibet haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Die chinesische Regierung lässt Ausländer nicht mehr nach Tibet einreisen, Touristen wird nahegelegt, das Gebiet möglichst schnell zu verlassen. Seit Sonntag sei zudem der Zugang zu Youtube in China gesperrt. Und dennoch: Aus Tibet gelangen immer mehr Berichte und Videos über das Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte ins Netz. Auf zahlreichen Seiten veröffentlichen Augenzeugen ihre Eindrücke. Hier eine kleine Auswahl der wichtigsten Dokumentationen:
Hintergründe und Kommentare bei Mutant Palm.
DOLLA hat eigens für The worst horse eine Free-Tibet-Kampagne entwickelt. Weitere Einreichungen sind erwünscht.
Yeshe Choesang schreibt für den Tibet Express und bloggt in The Secret Tibet über die Ereignisse in Tibet.
Die Students for free Tibet dokumentieren und kommentieren in Tibet will be free.
In Tibetan uprising stellen Exil-Tibeter, die heute in Indien leben, News, Bilder und Filme vor.
Phayul bietet eine Zusammenstellung der Nachrichten über Tibet aus internationalen Medien.
Curta o Rio - News - Free Tibet stellt auf der Seite zahlreiche Videos zusammen. Der Autor stammt aus Brasilien und beobachtet die Entwicklungen in Tibet aus der Ferne.
Nachtrag: Hier ein Artikel zum Thema von der Deutschen Welle und ein Beitrag vom Deutschlandfunk.
Verlagsgeschichte hautnah
Freitag, den 14. März 2008
Buchverlage sind nicht unbedingt bekannt für ihre Innovationsfreude. Wie sich Tradition und Moderne vorbildlich vereinbaren lassen, zeigt jetzt Rowohlt mit einem virtuellen Rundgang durch das Verlagsgebäude. Der Besucher kann sich durch die einzelnen Räume bewegen und unterschiedliche Dokumente aus 100 Jahren Verlagsgeschichte entdecken. Das ist wirklich nett gemacht. Schade nur, dass man sich dort nicht mit anderen Buchfans treffen und austauschen kann.
Total durchgebimst
Donnerstag, den 13. März 2008Es ist faszinierend, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens häufig die gleichen Wörter verwenden; vor allem Begriffe, die Außenstehende kaum verstehen. Bei unserer Lieblings-Partner-Werbeagentur ist es: durchgebimst. „Der ist total durchgebimst“, heißt vermutlich etwas wie: ein wenig verrückt, aber nett und lustig, schräg, aufgeschlossen. Erst dachte ich, durchbimsen würde nur vom Chef verwendet, doch auch die Mitarbeiter finden so manch eine Idee oder Person durchgebimst. Bimsen hat an sich nur zwei Bedeutungen: Jemanden zu drillen oder schikanieren. Oder sehr angestrengt und intensiv zu lernen. Es kann natürlich sein, dass sich die Durchgebimstheit nach zu langem Lernen oder böser Schikane einstellt. Doch vermutlich dachten die Wortschöpfer eher an den Bimsstein, der hartnäckigen Schmutz entfernt. Die traditionellen Vorstellungen und geistigen Schranken sind der Schmutz, der weggeschrubbt wird; danach ist man durchgebimst. Oder ein Durchgebimster ist wie ein Bimsstein – mit porösen Stellen, die viel Freiraum für kreative Gedanken lassen.
Jungs, ihr seid echt durchgebimst.
Zwölf Tipps zum Nachtelefonieren in der PR
Mittwoch, den 12. März 2008Als ich noch ausschließlich Journalistin war, gab es kaum etwas Nervtötenderes als Anrufe von PR-Agenturen. Dabei war nicht der Anruf selbst das Problem, sondern vor allem der Anlass und die Person am anderen Hörer. 99 Prozent aller Telefonate waren völlig überflüssig. Eine meist weibliche, sehr junge und unsichere Stimme erkundigte sich ohne Umschweif, ob ich die Pressemeldung xy, die Einladung zur Pressekonferenz erhalten hätte. Und ich wusste es nicht. Darauf bekam ich regelmäßig erneut die Information geschickt, und ebenso regelmäßig löschte ich sie ein zweites Mal.
Heute finde ich das Nachtelefonieren noch immer ganz furchtbar, doch heute befinde ich mich (teilweise) auf der anderen Seite, auf jener der PRler. Und die werden dummerweise immer wieder von ihren Kunden gebeten nachzuhaken, nachzufassen oder wie auch immer man das Hinterhertelefonieren nennen möchte. Da der Kunde König ist und uns bezahlt, machen wir das auch. Doch es gibt einige Punkte, die einem die Aufgabe erleichtern. Und hier sind sie, die zwölf Tipps zum Nachtelefonieren in der PR:
1. Wer eine wirklich (!!) wichtige Information mit Nachrichtenwert oder eine Einladung zu einem spannenden Event versendet hat, braucht sich über der Rücklauf und die Berichte keine Sorgen zu machen. Und damit auch nicht hinterherzutelefonieren.
2. Vorausgesetzt, der Text ist verständlich und handwerklich einwandfrei verfasst worden und an die richtigen Empfänger gegangen, also an jene, die tatsächlich zuständig sind.
3. Sollte es eine Woche vor dem (sehr, sehr interessanten) Event noch immer keine Anmeldung geben, gilt es zunächst den Verteiler zu überprüfen: Sind wirklich die Redakteure angesprochen worden, die sich mit dem Thema befassen?
4. Nach dem Versenden einer Pressemeldung (also einer reinen Information, nicht einer Einladung) würde ich so gut wie niemals hinterhertelefonieren. Wenn der Inhalt gut und wichtig war, wird der Redakteur schon darüber berichten. Wenn er es nicht tut, hilft auch das Telefonat nicht. In den seltensten Fällen wird ein relevanter Pressetext übersehen.
5. Wenn alle genannten Punkte beachtet und geprüft sind, und das Telefonat wirklich ansteht, dann sollte es niemals, wirklich niemals von unerfahrenen PR-Volontärinnen durchgeführt werden. Ich weiß, dass man diese lästige Aufgabe gern wegdelegiert, doch es macht einen ganz unsäglichen Eindruck, wenn man mit piesiger, dünner Stimme, unsicher und ängstlich bei einem Redakteur anruft. Das Telefonat sollte auf Augenhöhe erfolgen. Und somit von einer erfahrenen Person durchgeführt werden. Vor allem von jemandem, der über das zu berichtende Unternehmen oder Produkt richtig Bescheid weiß und alle möglichen Fragen beantworten kann. Ein „Da muss ich erst meinen Chef fragen“ geht gar nicht. Natürlich müssen die Volontäre lernen, doch dies sollte anfangs nicht am “lebenden Objekt” ausprobiert werden, sondern lieber agenturintern.
6. Fragen Sie den Redakteur zu Beginn des Telefonats, ob Sie stören und ob er oder sie gerade einen Augenblick Zeit hat. Viele reden einfach drauf los, und der Journalist wird völlig überrumpelt. Das ist nicht die beste Voraussetzung, den Kontakt zu intensivieren.
7. Statt „Wir haben Ihnen vor zwei Tagen eine Information zum Thema xy zugeschickt, haben Sie diese erhalten?“ sollten Sie einen Mehrwert anbieten können – ein exklusives Interview, tolles Bild-Material, Studien, Expertenkontakte. Sie gehen also davon aus, dass Ihre brillant formulierte Meldung mit dem Nachrichtenwert gelesen wurde und der Redakteur nur noch einen winzigen Anstoß braucht, sich mit dem Thema zu befassen.
8. Idealerweise achten Sie vor dem Anruf auf die Tageszeit und auch den Wochentag – und das möglichst individuell für jedes Medium. Am Morgen ist der Tageszeitungsredakteur im Konferenzstress, wer ihn zwischendurch erwischt, muss schon ein wichtiges Anliegen haben. Der Magazinredakteur ist am Tag vor dem Erscheinen des Blattes am ehesten in der Stimmung, sich mit neuen Themen zu befassen, und in den Tagen zwischen den Jahren ist es in vielen Redaktionen so ruhig, dass sich der Journalist womöglich richtig über Ihren Anruf freut.
9. Telefonieren Sie niemals hinterher um zu erfahren, ob denn auch etwas zum Thema veröffentlicht wurde… Dafür gibt es Clipping-Dienste und Online-Archive. Wer eine Zeitung als Zielmedium definiert hat, sollte sie lesen (oder hier recherchieren) und nicht den Redakteur als Auskunft „missbrauchen“.
10. Sollte es nicht gelungen sein, genügend Anmeldungen für ein geplantes Event zu erhalten, sagen Sie es lieber ab. Es macht keinen Sinn, wild in der Gegend rumzutelefonieren, um den ein oder anderen noch zu begeistern. Wer sich darauf einlässt und nicht von Anfang an die Notwendigkeit sah, dies zu besuchen, wird ohnehin vermutlich nicht darüber berichten. Und das ist rausgeschmissenes Geld.
11. Seien Sie ehrlich zu Ihren Kunden und machen Sie Ihnen klar, dass es in den meisten Fällen wenig Sinn hat, nachzutelefonieren. Er muss Ihre Arbeitszeit bezahlen und hat an sich keinen Mehrwert von der Telefon-Aktion.
12. Sollte der Redakteur tatsächlich Interesse während des Telefonats zeigen und beispielsweise um weitere Informationen bitten, dann müssen Sie diese liefern. Machen Sie keine Versprechungen, die Sie nicht halten können – beispielsweise einen attraktiven Gewinn für eine Verlosung oder einen Expertenkontakt.
Einige Blogger haben sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt, zum Beispiel:
Peter Bütikofer über Faktoren, die die Kontaktaufnahme beeinflussen
Die Internet-Zeitung über Anrufe ganz allgemein
Am Ende des Tages über Call Center, die PR-Aufgaben übernehmen
Das Texter-Blog fordert von den Journalisten, bei den PRlern nachzuhaken
Aberglaube bei PR-Leuten
Nachtrag: Andrea hat die Liste mit Tipps hier ergänzt.