re:publica - Web 2.0 in Unternehmen
2. April 2008 von Melanie HuberEs ist re:publica in Berlin, und wir sind dabei. Eine wirklich gelungene Konferenz mit vielen spannenden Vorträgen. Momentan sitze ich mit Andrea in einer Präsentation zum Thema Web 2.0 in Unternehmen. Peter Schuett von der IBM Software Group hält diese Keynote. IBM nutze Web 2.0 als viruelles Marketing und sieht darin einen großen Mehrwert.
Für Schuett ist das spannendste am Web 2.0 die interne Nutzung – im Unternehmen oder mit Partnern. Die Vorzüge laut Schuett:
- Der schnelle Zugriff auf Informationen, auch auf solche, die nur in den Köpfen der Kollegen stecken und an die man nur kommt, wenn man mit ihnen einen Kaffee trinken geht.
- Es wird mehr Informationen auffindbar, auch über Blogs und Tagging.
- Beziehungen aufzubauen, auch global.
- Es ist kostensparend.
- Völle neue Möglichkeiten, mit dem Kunden zu agieren. Man bekommt so auch Ideen, die man allein nicht hatte und bindet den Kunden an das Unternehmen.
- Kunden mögen digitalen Content. Er ist schneller, mache keine räumlichen Probleme wie der gedruckte Brockhaus. Doch erst 23 Prozent der großen Unternehmen und nur 17 Prozent der Start Ups in Deutschland würden sich mit diesem Thema befassen.
- Möglichkeit, die eigene Reputation zu steigern - beispielsweise über Social Sharing: eine Präsentation Kollegen anzubieten, sich mit ihnen darüber auszutauschen, sie gemeinsam weiterzuentwickeln und auf Schwachpunkte hingewiesen zu werden.
- In einer Community in einem Unternehmen können Leseempfehlungen getauscht werden, in Wikis gesucht werden, über Mitgliederlisten “in den Köpfe der Kollegen” nach Expertenwissen gesucht werden.
Schon lange gibt es bei IBM ein Intranet. Regelmäßig wurden seit der Einführung Befragungen durchgeführt, woher der Mitarbeiter seine Informationen über IBM-Interna beziehe. 1997 wurde noch der Chef als wichtigster Informationsgeber genannt. Heute ist es das Intranet. Das könne man aber nur schaffen, wenn die Mitarbeiter schreiben können, was immer sie möchten, ohne dass jemand aufpasst und kontrolliert. Tipps und Hinweise kämen laut Schuett besonders gut in der internen Kommunikation an, Empfindungen und Meinungen (”…mein Chef ist blöd…”) hingegen weniger.
Der Mensch als Wissensträger
Bei IBM wird auch Bookmark-Sharing betrieben, es seien hier Leseempfehlungen, die den Kollegen zur Verfügung gestellt werden und primär dem Wissenstransfer dienen. „Ich bin deutlich besser informiert, wenn ich schaue, was mein Kollege, den ich schätze, so liest“, sagt Schuett.
Die große Herausforderung für Unternehmen, Mitarbeiter zu involvieren, sei die Veränderung der Rolle der Gatekeeper. So habe er selbst einst einen Artikel für das Intranet angeboten und wurde gleich gefragt: „Für wie viele Mitarbeiter ist das interessant?“ – „Für 20.“ „ Wir sind aber 370.000…“ Das war es mit dem Thema. Und so könne es nicht laufen. Auch kleine Gruppen sollen im Intranet die Chance haben, über ihre speziellen Wissens- und Interessensgebiete zu schreiben.
Ein Wiki ist ein Service
Ein Unternehmen könne zahlreiche Wikis betreiben, zu den unterschiedlichsten Themen. Selbst eine Konferenz könne sich über Wikis organisieren lassen. Es habe keinen Sinn, Anfahrtsbeschreibungen oder Restaurant-Tipps statisch vorzugeben, wenn sich einzelne Leute vor Ort viel besser auskennen.
Anders Innovation schaffen
Eine Studie durch IBM habe gezeigt, woher die Innovationen im Unternehmen kämen. Nicht die Forschungs- und Entwicklungsabteilung habe den ersten Platz belegt, sondern den sechsten, es seien die Mitarbeiter selbst, die Impulse geben. Sie treiben Innovationen im Unternehmen voran. Ideen einzusammeln lief einst so, dass Vorschläge über E-Mail an Experten ging, diese mit anderen diskutierten und sich eventuell damit befassten. Heute wird ein Vorschlag im Intranet allen vorgestellt und es müssen mindestens zehn Kommentare da sein, bevor sich die entsprechende Abteilung mit dem Thema befasst.
Abschließend stellt Schuett die Frage, was mit dem Wissen passiere, wenn die Älteren, die Wissensträger, das Unternehmen verlassen. Und er fasst die Eigenschaften des Unternehmens 2.0 zusammen:
- Es versteht, welche Herausforderung die Globalisierung bewirkt und welche Folgen die Umkehr der Alterspyramide hat.
- Auf die Anforderungen des Marktes wird reagiert - durch die Anpassung der Geschäftsmodelle.
- Allen Generationen wird die Möglichkeit geboten, ihre Lösungskompetenz voll einzubringen.
- Es nutzt das Wissen aus dem “langen Ende” effektiv.
Das war ein kurzweiliger Vortrag mit einigen interessanten und neuen Informationen. Weitere Notizen zu der Keynote gibt es bei Oliver Gassner im Blog.
Am 2. April 2008 um 16:38 Uhr
[...] Werth betont wie sein Vorredner die Bedeutung der einzelnen Mitarbeiter für die Innovation in Unternehmen – in Prozessen oder an [...]
Am 3. April 2008 um 21:14 Uhr
[...] von kilroyblog [...]