re:publica – Free Culture

3. April 2008 von Melanie Huber

Diskussion zu Open Source

Unser erster Workshop, den wir heute besuchen, befasst sich mit „Motivation und Engagement in Open Source Communities“. Thomas Dierschke (Wissenschaftler und Soziologe mit dem Schwerpunkt ehrenamtliches Engagement in Non Profit Organisationen), Kurt Jansson (Wikimedie Deutschland e.V., Redakteur Spiegel Wissen), Jürgen Neumann (Freifunk.net) und Andrea Goetzke bildeten das Podium. Andrea Goetzke stieg mit einer kurzen Definition ins Thema ein: „Es geht bei Open Source darum, dass sich verschiedene Menschen an der Produktion eines bestimmten Gutes oder Produktes beteiligen. Jeder ist frei, sich daran zu beteiligen.“

Die Frage der Motivation

Kurt Jansson beantworte die Frage, warum machen Leute bei einem Wiki mit? „Zu Beginn ist es die ideologische Motivation, ein Projekt zu starten“, sagt er. Gerade im Verlauf eines Projektes spiele der Spaß-Faktor eine größere Rolle für die Motivation. Thomas Dierschke stellte drauf die Frage, warum etwas Spaß mache: „Da steckt ja etwas dahinter.“ Ihn interessiert vor allem, ob es bei den Engagierten tatsächlich die Motivation gibt, sich zivilgesellschaftlich einzubringen, ob ein politischer Kern wichtig für die Glaubwürdigkeit ist. Beim Freifunk sei laut Jürgen Neumann die Motivation der Beteiligten so vielseitig wie die Mitglieder selbst.

Auch die Drecksarbeit erledigen

„Bei uns wird unglaublich viel diskutiert“, sagte Jansson. Daran teil zu haben, die eigen Reputation zu stärken und zu lernen sei unglaublich wichtig für die Community-Mitglieder. Interessant würde es, wenn es darum geht, die „Drecksarbeit zu machen, die niemand sieht“, beispielsweise neu zu kategorisieren, zu Inhalte überprüfen. Doch auch für die Aufgaben, die offensichtlich keinen Spaß machen, gäbe es bei Wikipedia Freiwillige.

Dierschke betonte hingegen die Vielfalt der Motivationen, sich in ein Open Source-Projekt einzubringen. Gerade bei den Leuten, die die Drecksarbeit erledigen, erkennt er häufig altruistische Motive: „Leute, die kleine Aufgaben übernehmen, aber nicht zum Kassenwart werden wollen“ seien hier vergleichbar. Man mache Dinge für andere und verbinde einen langfristigen Sinn mit der Aufgabe.

Doch beispielsweise Förderanträge auszufüllen sei eine der Aufgaben, für die sich selten Freiwillige fänden, sagte Jansson. Somit gibt es auch bei open Source Tätigkeiten, die tatsächlich niemand übernehmen möchte. Neumann meinte, es sei eben wichtig, möglichst verschiedene Leute mit unterschiedlichen Interessen zu gewinnen. Es funktioniere aber nicht grundsätzlich, Demokratie auf freie Projekte zu übertragen, sagte Jansson: „Die meisten Projekte sind eher konsens-geprägt.“ So nervig Diskussionen zu wiederholten Mal seien, so wichtig seien sie für die Motivation und Integration.

Wie organisiert man Open Source?

Dierschke betonte, wie wichtig Konsens und Organisation für Open Source seien: „Mitentscheiden kann nur, wer auch mitmacht.“ Die Community organisiere sich selbst, meinte Jansson. Je mehr Freiheit in einer Community gelassen wird, desto besser funktioniere die Selbstorganisation: “Es ist manchmal ein ziemlich chaotischer Selbstorganisations-Prozess.” Mit der Zeit würden Communities konservativer, was einerseits gut sei, andererseits schlecht für neue Mitglieder und Ideen.

Mein Fazit für den Erfolg eines Open Source-Projektes: Sprechen Sie möglichst viele verschiedene Leute mit unterschiedlichen persönlichen Motiven, sich zu beteiligen, an. Lassen Sie lange und wiederholte Diskussionen zu. Organisieren Sie persönliche Treffen. Geben Sie möglichst wenige Regeln vor. 

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