re:publica - mein Sammelsurium

8. April 2008 von Andrea Vogler

Für mich war es ein Erlebnis. Ich war zum ersten Mal auf der re:publica und kannte … eigentlich niemanden … zumindest persönlich, bis auf Melanie Huber und einen alten Studienkollegen. So kann man sich auch wieder treffen.

Ich war sehr überrascht - positiv, wie auch negativ. Ich habe tolle neue Anregungen gefunden. Besonders gefiel mir als Ex-Radio-Frau der Bürgerfunk im Netz 1000mikes Ich schwöre: bei der nächsten Privat-Vertonung von Germany’s next Topmodel bin ich dabei! Derjenige, der eine Sendung machen möchte, wählt sich einfach über sein Telefon - Festnetz oder Handy - ein und kann seine eigenen Live-Show gestalten, die der Hörer online direkt hören kann oder sich aus dem Archiv holt. Keine große Technik, kein Mikro ist mehr vonnöten.

Manko ist natürlich die Qualität von Telefonmikros. Interessanter Weise haben wir beim Funk gerne per Telefon Interviews aufgenommen, weil es sich einfach aktueller anhört. 1000mikes ist gerade erste gestartet, aber ich kann mir gut vorstellen, dass dort schnellsten viele kreative anzutreffen sind. Der Grund: nicht das Mikro ist entscheidend, sondern ein tolles Show-Konzept. Die Leute schauen sich auch zu Hauf pixelige Filmchen im Netz an … zumindest, wenn sie witzig gemacht sind.

Schade fand ich, dass sich einige Workshops in der Theorie anscheinend verloren oder in meinen Augen zu kurz griffen. Besonders fehlte mir der Ansatz, nicht-Web-affine Menschen zu begeistern. Viele von uns werden diese Schwelle aus dem eigenen täglichen, beruflichen Umfeld kennen. Viele Organisationen oder Unternehmen bewegen sich immer noch im Papier-, maximal E-Mail-Status. Ich glaube hier ist eine große Chance für alle, die wissen, wie via Blogs, Foren, Wikis und Chats sehr schnell an qualitativ hochwertiges Wissen heranzukommen ist und es gleichzeitig anderen vermitteln können. Der Vortrag über Wissensmanagement von Peter Schuett von IBM hat nicht nur beschrieben, dass es technisch funktioniert, sondern auch dass es von unternehmerischem und persönlichem Vorteil ist. Dennoch denke ich, haben es weniger technologie nahe Organisationen schwer. Die persönlichen Vorreiter fehlen häufig. Wie überzeugt man eine heterogene Menge von Mitarbeitern, sich interaktiv zu organisieren? Wie lässt sich ein Klima des Vertrauens schaffen, dass sich kein Intranet-Mobbing oder Flaming etabliert?

Eine Unternehmenskultur ist schwer zu fassen und meines Erachtens noch schwieriger nachhaltig zu ändern. Dennoch ist sie vor Implementierung der Technik nötig. Genau an diesem Punkt habe ich gemerkt, dass mir eine interdisziplinäre Betrachtung fehlte. Deswegen wünsche ich mir für die nächste re:publica einen Diskurs zwischen Entwicklern und Usern, aber auch zwischen Unternehmensberatern und -psychologen, zwischen Organisationen, die vielleicht gerade an der Schwelle zu interaktiven Angeboten und vor ganz handfesten Schwierigkeiten stehen. Dieser “offene Ansatz”, ganze Unternehemn zu begeistern, lässt sich meiner Meinung nach auch herunter brechen auf die ganz persönliche Ebene - wie eben bei 1000mikes - wo der “Normalo”, der sich nicht autodidaktisch mit Web-Technik auseinandersetz, sehr einfache Oberflächen und Lösungen in die Hand bekommt, um das Tor zum globalen Dorf einen Spalt weit zu öffnen.

Hier geht es zum Fazit von Melanie und zum Zwischenstand.

Eine Reaktion zu “re:publica - mein Sammelsurium”

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