Krisen-PR für Verona Pooth

10. April 2008 von Melanie Huber

Mitgehangen, mitgefangen oder in diesem Fall: Verheiratet, verdächtig. Seit gestern bewegt ein Thema Medien und Menschen nach meinem Geschmack etwas zu sehr. RTL2 will die Show „Engel im Einsatz“ nicht mehr mit der Moderatorin fortsetzen. Die Korruptionsvorwürfe gegen ihren Mann Franjo Pooth hatten den Sender zu dieser Entscheidung veranlasst. Mich verwundern in diesem Zusammenhang nur zwei Dinge: Warum der Entschluss nicht schon eher gefallen ist und wie Verona Pooth reagiert.

Zum Ersten: Man kann meines Erachtens doch nicht eine Frau zu Familien in tiefster Not schicken, während der Mann des „Engels“ gerade durch ein Insolvenzverfahren um die Rückzahlung von Millionen an zahlreiche Gläubiger rumkommt – während der „Engel“ kräftig weiterverdient. So ist die Rechtslage und die ist auch gut, doch hätten gute PR-Berater Verona Pooth längst geraten, ihre Arbeit bei RTL2 selbst niederzulegen oder zumindest anzubieten, Teile der Gage an die zu geben, bei denen ihr Mann bzw. die Firma ihres Mannes Schilden hat. Stattdessen argumentiert sie, ihr Job habe nichts mit den Problemen ihres Mannes zu tun. Das stimmt nicht.

Zum Zweiten: Wie gesagt, Verona Pooth hätte die Show bereits kurz nach Bekanntgabe der Insolvenz und spätestens bei den ersten Gerüchten über den korruptionsverdacht freiwillig verlassen sollen. Alternativ hätte sie mit dem Sender sprechen können, ob es nicht möglich wäre, ihr Engagement als „Engel“ ganz konkret als Reaktion oder gar Wiedergutmachung darzustellen. Dann hätte man sogar zu einem besonders geschädigten Gläubiger gehen können, um diesem unter die Arme zu greifen.

Doch dazu ist es zu spät. Vermutlich hatten Verona Pooth PR-Berater geraten, im Nachhinein so zu reagieren, wie wir es nun erleben dürfen. Sie gibt sich verletzt, enttäuscht und mit Unverständnis. Das ist eine übliche Form, Krisen-PR zu betreiben, doch in diesem Fall nicht angebracht. Dazu ist die Reaktion von RTL2 einfach zu verständlich, der Vorwurf gegenüber Franjo Pooths zu ernst, die Beziehung des Ehepaares zu intensiv. Was hätte Verona Pooth nach der Bekanntgabe der Beendigung der Zusammenarbeit mit RTL2 tun sollen?

Verständnis zeigen: Verona Pooth hätte sich einsichtig zeigen können und erklären können, sie habe selbst auch schon über eine Beendigung der Show nachgedacht, aber so gerne geholfen…

Weitermachen: Die Moderatorin könnte beispielsweise den Spieß umdrehen und in Eigenregie das Engagement als Engel fortsetzen. Was braucht man schon dazu? Eine Webseite, ein wenig PR und Freiwillige, die ihr vor Ort bei einer Familie helfen. Wenn man helfen will, braucht man keine Show, und wenn sie Aufmerksamkeit möchte, bekommt sie diese auch über eine Sendung, die allein im Internet läuft. Dies würde auch RTl2s Begründung entkräften, Verona Pooth sei zu unglaubwürdig.

Mit RTL2 an einem Strang ziehen: Sie hätte wie schon erwähnt auch jetzt noch RTL2 anbieten können, einen Teil der Gage den Gläubigern ihres Mannes zu spenden. Dadurch hätten sie und der Sender positive PR bekommen. Denn die Sendung läuft ja gut – mit ihr.

Vertrauen schaffen: Verona Pooth muss nicht ihrem Mann in den Rücken fallen oder sich dazu äußern, ob sie von den Aktivitäten ihres Mannes wusste. Doch so wie sie sich um jede konkrete Äußerung zum „Fall“ windet, wirkt sie extrem unglaubwürdig. Die Rolle der naiven Ehefrau passt nicht zum Image, das sie ansonsten verkörpert.

Lustigerweise tritt neben dieser Meldung sogar die Nachricht rund um Verona Pooths Ex-Mann Dieter Bohlen in den Hintergrund, und beide Berichte wurden in BILD direkt nebeneinander platziert. Bohlen hatte den „Superstar“ Benny nach dessen freiwilliger Aufgabe zum Weitermachen motiviert. Scheinbar brauchte Bohlen ein wenig PR, und dann macht ihm seine Ex einen Strich durch die Rechnung…

3 Reaktionen zu “Krisen-PR für Verona Pooth”

  1. Robert

    Mich als emanzipiertem Mann verwundert beim dem Rat, möglichst früh den TV-Job anzubieten, zwei Dinge:

    Erstens: Wenn die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau ein Thema ist - soll das dann nicht auch in diesem Fall ein Kriterium sein? Warum privates und beruflches verquicken?

    Zweitens: Ist es gute PR, dem Ruf nach “wirtschaftlicher Sippenhaftung” zu folgen?

  2. Melanie Huber

    Lieber Robert,

    zu Ihrer ersten Anmerkung: Ich stimme Ihnen zu, wenn es nicht um Menschen geht, die in der Öffentlichkeit stehen. Wer ohnehin Beruf und Privatleben vermischt und auch gerade dadurch Geld verdient, kann nicht plötzlich beides trennen.

    Zur zweiten Frage: Nein, aber bei PR geht es (leider) nicht immer darum, ob sie gut oder schelcht ist. Es geht vielmehr um die Wirkung, darum, am Ende irgendwie besser dazustehen.

  3. Ellen

    Hallo

    es ist ja jeder zu verstehen, der sich über die Sachlage aufregt. Tatsache ist: jeden Tag gehen etliche Firmen in die Insolvenz. Mit sehr hohen Summen. Darüber redet kaum einer, der nicht unmittelbar betroffen ist. Kaum ist die Ehefrau prominent, erwartet man, dass sich diese anders als der Otto-Normalo verhält. Für die Presse ist Frau Pooth doch ein gefundenes Fressen. Wäre sie nicht, wenn sie kein Promi wäre. Dann wäre das Thema nach 3 Tagen vom Tisch. Und bei allem Verständnis für die Gläubiger. Sieht eigentlich jemand einmal die junge Frau hinter dieser Maske, die sich in einem Fernsehinterview mühsam aufrecht hält und der man ansieht, wie mies es ihr geht? Wäre sie nicht ein solcher Profi, das würde sie wohl nicht ohne Knacks durchstehen. Aber es tut ja allen so gut, sich wie die Geier auf die Story zu stürzen. Und im übrigen sollten sich alle, die gerne Reue und Spendenfreudigkeit sehen möchten, einmal über das gesetzliche Verfahren in einem Insolvenzfall kundig machen. Warum redet auch niemand über Firmen, in denen nicht ca. 30 Personen (wie bei Maxfield), sondern erhebliche größe Anzahl an Personen (siehe z.B. Nokia Bochum) involviert sind. Das Thema ist leider nur zu schnell vom Tisch!!!!!!!

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