Unreif oder schlicht authentisch?
11. April 2008 von Melanie HuberEs gibt neues Futter für die klassischen Medien. Laut dem gerade veröffentlichten Forschungsdoppelband „Neue Schriften zur Online-Forschung Bd. 2 & 3“ und einer darin enthaltenen Studie seien deutsche Blogger unreifer und unpolitischer als ihre amerikanischen Kollegen. „Der Reifegrad lässt sich am Ausmaß der Professionalisierung des Bloggens gegenüber der Freizeittätigkeit ablesen“, schreibt diesbezüglich die Netzeitung.
Zur vermeintlichen Politikverdrossenheit deutscher Blogger habe ich mich bereits geäußert. Bleibt die Unreife. Wie kann man Reife mit der Intention in Verbindung bringen? Warum soll ein Autor, der das Bloggen als Freizeitbeschäftigung betrachtet, unreifer sein als einer, der ganz nach vorn in die Charts oder Geld mit dem Journal verdienen möchte? Ein Blogger, der täglich eine Buchrezension schreibt oder neue Gadgets vorstellt ist doch nicht reifer als einer, der über seine letzte Reise an die Nordsee oder einen lustigen Fernsehabend berichtet. Im Gegenteil. Könnte es nicht sogar sein, dass gerade der Freizeitblogger viel reifer ist? Weil er erkannt hat, dass es um Authentizität geht und die Freizeit und Persönlichkeit im Leben die wichtigsten Rollen spielen? Dass man nicht um jeden Preis, zu den sogenannten A-Bloggern gehören muss, sondern kleine Zielgruppen, enge Freunde, die einen lesen, eventuell wichtiger sind?
Ich kenne die Untersuchung leider noch nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wissenschaftler das Ergebnis so formuliert haben, wie die Medien es nun wiedergeben. Ist ja auch eine schöne Schlagzeile. Besonders fragwürdig finde ich den Schluss des Netzeitungs-Artikels zur Studie: „Auf der Konferenz Re:publica wurde einmal mehr die These vorgebracht, der Journalismus werde in nächster Zeit verschwinden. Angesichts des dokumentierten Status Quo ergibt sich daraus eine erschreckende Aussicht: Ein Leben in Deutschland ohne politische Meinungsbildung.“ Hat der anonyme Autor mal in letzter Zeit Blogs gelesen? Es ist sehr professionell und reif, mal ein paar provokante Thesen in den Raum zu werfen und Klicks zu generieren.
Auch andere Blogger haben sich kritisch zu den Ergebnissen der Studie (oder wwas daraus abgeleitet wird) geäußert. So beispielsweise der Haltungsturner, Michael Bauer im Lockbuch, Mjays Planet, der Weltherrscher, Netzpolitik und Hansjörg Schmidt.
Am 11. April 2008 um 13:46 Uhr
Wissenschaft meets Journalismus meets Blogs meets Netzeitung…
Wie ich gerade via Netzpolitik.org gesehen habe, hat sich bei der Netzeitung jemand an der Lektüre zweier wissenschaftlicher Publikationen versucht, bei der ich auch mit einem Beitrag vertreten bin. Es handelt sich dabei um den folgenden Doppelband:
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