Der schmale Grat vom Marketing zum Spam

21. Mai 2008 von Melanie Huber

Manchmal hat man es als Kommunikations-Berater nicht leicht. Vor allem, wenn die Meinungen eines Kunden stark von der eigenen Überzeugung abweichen. Wir versuchen, immer nach besten Wissen und Gewissen zu beraten. Doch manch ein Kunde hat eigen Vorstellungen. Was soll man da tun? Der eine hält eine vierseitige Pressemeldung für besonders erfolgsversprechend, der andere will unbedingt unaufgefordert Hochglanz-Pressemappen verschicken. Doch richtig kontrovers kann die Diskussion werden, wenn es um das Thema Online-Kommunikation geht.

Kein Projekt eines Unternehmens hat rein selbstlose Zwecke, es geht immer um Reputation, Marktforschung, Werbung, Suchmaschinenoptimierung – oder auch um alles zusammen. Doch was soll man machen, wenn ein Kunde alle Anwendungen und Tools nur nutzen möchte, um möglichst schnell und einfach seine Ziele zu erreichen. Auch das ist ja verständlich. Aber ist es richtig, zahllose Blogs anzulegen und mit irgendwelchen kopierten Inhalten zu füllen, um dadurch Suchmaschinenoptimierung zu betreiben? Ist es richtig, bei Twitter zahlreiche Anzeigen zu veröffentlichen und sich ansonsten nicht um die „transparente Kommunikation“ dort zu kümmern? Jeder im Web hat eigene Intentionen, diese sind mal altruistischer, mal egoistischer. Auch ein privater Twitter-Fan ist aus bestimmten Gründen aktiv. Ist er ein „echterer“ Online-Nutzer als die Firma, die nur ihre kommerziellen Absichten verfolgt? Nein. Ja. Und deshalb stellen wir auch allen Kunden alle Möglichkeiten vor, die das Web bietet. Und doch ist es deprimierend.

Wir versuchen immer, unsere Faszination für das Internet an die Kunden weiter zu geben. Wir finden Spam und durchsichtige Suchmaschinenoptimierungs-Kampagnen schlimm. Trotzdem. Am Ende entscheidet der Kunde selbst. Wir halten uns dann zurück und lassen ihn machen. Doch das ist ziemlich feige und fördert schließlich nur den Internet-Müll. Also, liebe Kunden, hören Sie gut zu. Sie können machen, was sie wollen. Aber es ist nicht unbedingt gut. Denken Sie mal darüber nach:

Ist es nicht viel schöner, wenn Ihre Website- oder Profil-Besucher mit Ihnen sprechen als mit einer fiktiven Figur?

Wäre es nicht schön, mal etwas ganz Neues auszuprobieren?

Könnte es nicht sein, dass neue Maßnahmen viel erfolgreicher sind?

Wie langfristig wirksam sind Ihre momentan „erfolgreichen“ Strategien?

Wollen sie wirklich Ihre Online-Reputation aufs Spiel setzen und eines Tages vielleicht komplett die Glaubwürdigkeit verloren haben?

Zahlreiche andere Blogger haben sich damit beschäftigt, wie Kommunikation im Internet (und nicht nur dort) erfolgreich verläuft. Hier eine kleine Auswahl:

Bernd Röthlingshöfer: Das Karlsruher Manifest zur fairen Kommunikation

Blogpiloten: Social Collaboration: eine Chance für Unternehmen?

Ideenwerkstatt: Dialoge führen statt Kommunikation managen

Comandantina Dusilova: Manieren 2.0

Unser täglich Spam: Splogger: Wie die Schmeißfliegen

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