Archiv der Kategorie ‘Gedanken‘
Zielgruppe 30 bis 45? Ich doch nicht!
Donnerstag, den 14. August 2008Seit einigen Tagen habe ich einen neuen Auto-Lieblings-Radiosender. Hier werden all die Songs gespielt, die ich laut mitsingen kann. The Doors, U2, Stones, Duran Duran. Toll. Gut, ein wenig habe ich mich schon gewundert, was für ein Sender das ist. Radio Bob leuchtet auf meinem Display auf. Noch nie gehört. Und dann lese ich jetzt doch glatt in der W&V, dass das der neue Sender für Hörer von 30 bis 45 Jahren sei. Treffer. Und doch: aus und vorbei.
Ich lass mich doch nicht auf eine Zielgruppe reduzieren. Dann lieber gleich den Oldie-Sender einschalten, da bin ich wenigstens die jüngste Hörerin. Oder das Techno-Radio Sunshine, hier kann ich noch was lernen. Aber so gnadenlos wie von Radio Bob enttarnt und gefangen zu werden, nee, das muss nicht sein. Vielleicht brenne ich mir eine CD mit dem alten Rock-Pop-wir-waren-in-den-80ern-in-der-Disko-Kram…
Wenn Journalisten bloggen, Blogger missverstehen und das auch noch öffentlich austragen
Mittwoch, den 13. August 2008Eine heiße Diskussion läuft seit einem Tag im Blog des Journalisten Peter Glaser. Und die möchte ich Ihnen auf keinen Fall vorenthalten – sofern diese Schmonzette Ihnen nicht schon anderer Stelle begegnet ist. Denn kaum ein anderes Thema heizt die Gemüter im Internet momentan so an wie der Streit zweier “seriöser” Journalisten.
Sie Story: Peter Glaser, Redakteur und Blogger der Stuttgarter Zeitung, sieht sich als Urheber des Satzes „Die Welt ist eine Google”. Ohne ihn als Quelle für diese nicht allzu abwegige Wortspielerei zu nennen, hat der FAZ-Autor Marco Dettweiler eben diesen Satz in einem Artikel verwendet. Darauf schickte ihm Glaser eine Mail mit folgendem Hinweis: „Wenn Sie mich beim nächsten Mal auch tatsächlich zitieren möchten, habe ich nichts dagegen.“ Dettweilers gepfefferte Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Statt den Streit unter sich auszumachen, stellte Glaser nun den Mailverkehr samt diverser Kommentare seinerseits online. Innerhalb kürzester Zeit schalteten sich Hunderte Leser ein und diskutieren seitdem über Sinn, Recht und Folgen des Streits.
Die Debatte: Neben denjenigen, die für einen der beiden Betroffenen Partei ergreifen, dreht sich die Diskussion stark darum, wer den größeren Reputationsschaden durch die Veröffentlichung hat. Auf dem ersten Blick scheint Dettweiler der Buhmann zu sein, der zu arrogant und scharf auf Glasers Mail reagiert habe. Andere sehen einen Knick der Reputation Glasers. Es sei arrogant auf die Urheberschaft eines solch banalen Satzes zu pochen; es wurde sogar recherchiert, dass der Satz bereits vor Glaser von anderen verwendet wurde, zum Beispiel von Blogger Nico Lumma, und die ganze Geschichte somit ohnehin eine Farce sei. Ganz besonders erregt die Gemüter, dass Glaser vermutlich ohne die Erlaubnis Dettweilers dessen E-Mail veröffentlicht hat. Dass es bei der aufgeheizten Debatte und den unfreundlichen Worten noch zum Rechtstreit kommen könnte, liegt nahe. Unterhaltsam und ein Lehrstück in Sachen Online-Kommunikation ist es allemal.
Was wir daraus lernen:
1. Stellen Sie nie ohne eindeutiges Einverständnis eine Mail oder einen Brief, die oder der an Sie persönlich gerichtet ist, ins Internet.
2. Gehen Sie entspannt mit Ihrem geistigen Eigentum um. Gerade naheliegende Äußerungen können schon von anderen verwendet worden sein. Google als Recherchequelle ist nicht das Maß aller Dinge. Und vielleicht wurde Ihr sinnreicher Satz ja bereits in einer anderen Sprache benutzt.
3. Der Ton macht die Musik. Eine eindeutig freundliche und humorvolle Mail führt vermutlich zu einer ebenso netten Antwort.
4. Lassen Sie sich nicht provozieren.
5. Wenn die Diskussion ins Rollen gekommen ist – unterbinden Sie sie nicht. Glaser verhält sich diesbezüglich richtig. Selbst Kommentare, die ihn direkt angreifen, redigiert oder löscht er nicht. Das ist ein transparenter und glaubwürdiger Austausch.
6. Der Mensch – und nicht nur der Blogger – liebt Klatsch und Tratsch. Wer eine Geschichte mit Würze online veröffentlicht, muss mit einer intensiven Diskussion darüber rechnen.
7. Blogger sind nicht blöd, und das Kollektiv ist noch viel klüger. Somit sollte man sich beim Aufstellen von Behauptungen schon sehr sicher sein, ob diese so stimmen. Die Leser werden sich auf jeden Fall an die Recherche der Fakten und Hintergründe machen und sehr wahrscheinlich die „Wahrheit“ aufdecken. Vermutlich noch viele andere Leichen drum herum aufdecken und veröffentlichen.
8. Diskutieren Sie mit. Glaser hält sich bei der Debatte in seinem Blog vornehm zurück. Damit schürt er den Disput zwar wenigstens nicht, aber es verwundert doch sehr. In einem Blog geht es nicht nur darum, einen Bericht zu veröffentlichen und Lesermeinungen einzuholen.
9. Bevor Sie einen Bericht in einem Blog kommentieren: Lesen Sie sic vorher die anderen Kommentare durch. Ansonsten kann es – wie bei den Kommentaren in Glasers Blog – zu peinlichen Wiederholungen von Aspekten oder Witzen kommen.
10. Vertrauen Sie nicht (allein) den Suchergebnissen bei Google. Momentan gibt es auf den ersten Ergebnisseiten zahlreiche Fundstellen mit negativen Äußerungen zu Marco Dettweiler. Nur weil er verhältnismäßig unangebracht reagiert hat, ist er noch lange kein schlechter Journalist.
11. Wenn Sie eine Mail eines Bloggers erhalten, sollten Sie zunächst recherchieren, welche Person tatsächlich dahinter steckt. Einen Kollegen auf das Bloggen zu reduzieren, führt unweigerlich zu Protest. Dazu sind Journalisten einfach zu eitel.
Bildschirm reinigen - von innen
Mittwoch, den 13. August 2008Ich bin ja kein Fan vom Weiterleiden lustiger oder niedlicher Inhalte. Aber das hier ist wirklich nett: Der neue Bildschirmreiniger.
PR und Blogger – eine praktische Annäherung, Teil 2
Freitag, den 18. Juli 2008Heute war es nun so weit - unsere theoretischen Vorüberlegungen, Blogger anzusprechen, in die Tat umzusetzen. Melanie Huber hat hier bereits unsere Vorgehensweise beschrieben. Insgesamt hatten wir schließlich zwölf Blogger ausgewählt, die kontaktiert werden sollten. Der Grund: sie beschäftigen sich mit Inhalten, zu denen unser Kunde Trendlink thematisch passt, wie etwa neue Unternehmen, Internet-Entwicklungen, Trends und neue Ideen. Unser Kunde hat ein Aktienportal entwickelt, das sich durch eine komplett neue Form der Suche auszeichnet.
Erreichbarkeit
Grundsätzlich unterliegt natürlich jedes Telefonat äußerlichen Einflüssen bzgl. der Erreichbarkeit. Wir haben Sommer und in vielen Bundesländern haben die Ferien bereits begonnen. Deshalb hatten wir mit einer schlechteren Erreichbarkeit als außerhalb der Urlaubszeit gerechnet. Aber die direkten Kontakte lagen bei gerade einmal einem Viertel der Gesamtkontakte. Einerseits liegt es daran, dass einige Blogs unter den Kontaktdaten keine Telefonnummern führen. Andererseits fällt auf, dass ausschließlich die Blogger telefonisch gesprochen werden konnten, die in einer Redaktion tätig sind. Es zeigt natürlich, dass viele Blogs in der Freizeit betrieben werden. Aber zudem bedeutet es, dass unsere ausgewählten Blogger wahrscheinlich alle einem Job nachgehen, bei dem sie nicht kontaktiert werden können oder wollen.
Ansprache
Erste Priorität hatte für uns der telefonische Kontakt, weil er persönlicher ist. Zudem können wir im Gespräch sofort auf Fragen und Anforderungen des Gesprächpartners eingehen. Alle Telefonate verliefen äußerst positiv. Ein besonderer Grund war dabei die Relevanz des Themas. Insofern waren wir durch unsere Vorrecherche gut vorbereitet. Ich habe kurz gefragt, ob bzgl. des Blogs Zeit und Interesse besteht, dass ich ein neues Thema vorstelle. Das ist höflich und spart allen Beteiligten Zeit. Es folgte die Kurzvorstellung und die Frage, ob das Thema von Interesse ist. Dann schlug ich weitere Informationsmaterialien vor. Meine Kontaktpersonen konnten sich das heraussuchen, was sie für sich am wichtigsten fanden. Und genau diese Informationen habe ich zugesendet per E-Mail.
Nach meiner Meinung zahlt es sich aus, niemanden mit Informationen zu bedrängen, weil das eh nur einen schlechten Eindruck hinterließe. Aktives Nachfragen, ob das Gegenüber Interesse an mehr Informationen hat, ist unabdingbar. So bekam ich sehr freundliche und ehrliche Rückmeldungen. Das führte bis zu einem Redakteur, der mich mit viel Charme und Witz auf meinen Fehler aufmerksam machte, ihn in der Mail mit “Sehr geehrter Frau …” angesprochen zu haben. Mein persönliches Fazit daraus: Tippe immer alles per Hand ein und verwende keine automatisierten oder kopierten Ansprachen, um solche Peinlichkeiten zu vermeiden.
Auch die E-Mail-Kontakte habe ich so gestaltet, dass das Thema unseres Kunden kurz in ein paar Sätzen umrissen wurde. Anschließend habe ich gefragt, ob weitere Informationen gewünscht sind. Richtige Texte und Erklärungen versenden wir erst dann, wenn der Blogger es auch wünscht und per Anruf oder Rück-Mail angefordert hat. Damit sich ein Blogger ein vernünftiges eigenes Bild machen kann, habe ich auch “Ross und Reiter” genannt. Ich hoffe aber, dass unsere Haltung zeigt, dass wir niemandem Werbung aufzwingen wollen. Vielmehr sind wir an einem Diskurs mit Bloggern interessiert, die aufgrund ihres Wissens und ihrer Erfahrung uns und unserem Kunden wirklich wertvolle Meinungen und Rückmeldungen geben können. Jetzt bin ich sehr gespannt, was uns für Nachfragen und Kontakte in den kommenden Tagen und Wochen erreichen werden.
Buchtipp für die Sommerferien
Dienstag, den 15. Juli 2008Es gibt drei Bücher, die ich Krimi-Fans unbedingt empfehlen muss. Wer skandinavische Autoren mag, wird Stieg Larsson lieben. Er ist meines Erachtens besser als Mankell & Nesser zusammen. Leider ist Larsson bereits 2004 verstorben, und so wird es bei seinen drei Büchern, die jüngst bei Heyne erscheinen sind, bleiben. Die Triologie heißt „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“, und im Mittelpunkt stehen der Journalist Mikael Blomkvist und die Computer-Spezialistin Lisbeth Salander. Beide Charaktere sind unkonventionell und vielschichtig gezeichnet; die Geschichten sind dicht, spannend und abwechslungsreich. Larsson war ein echtes Ausnahmetalent.