Archiv der Kategorie ‘Gedanken‘

PR und Blogger – eine praktische Annäherung, Teil 1

Montag, den 14. Juli 2008

Das mit der Ansprache von Bloggern durch PR-Agenturen ist ja so eine Sache. Viele Blogger arbeiten selbst in der PR-Branche, für andere ist PR schlicht ein rotes Tuch. Fakt ist, dass bei Kontaktaufnahme andere Regeln gelten als zu herkömmlichen Medienvertretern. Oder zumindest wird schneller und öffentlich kritisiert, wenn man von diversen Grundsätzen abweicht – dazu gehören:

Bloggern niemals ungefragt eine Presseinformation zuschicken.

Die Information sollte möglichst einzigartig und individuell sein.

In diversen Blogs ist bereits ausführlich über das Thema berichtet worden. Hier eine kleine Auswahl:

Sinnmacherblog: Regeln für Blogger Relations

Off the record: Blogger pitchen. 15 Regeln für das Rendezvous

DimidoBlog: Spam per Post

Best Practise Business Blog: Wie Blogger von PR-Leuten behandelt werden wollen

Hugo E. Martin: What Blogger’s Want from PR People, PR Agency’s

So viel zur Theorie. Doch wie sieht die Praxis aus? Für einen Kunden, der im August mit einem neuen Webangebot online geht, machen wir den Test. Wir werden diverse Blogger kontaktieren und hier all unsere Gedanken und Erfahrungen dokumentieren. Wie reagieren die Autoren, was interessiert sie, wird tatsächlich über unseren Kunden berichtet?

Das Projekt

Bei unserem Kunden handelt es sich um den Gründer eines Aktien-Portals mit einem völlig neuartigen Ansatz, um nach Aktien zu suchen. Und bereits an diesem Punkt stellen sich Fragen, die uns außerhalb der Blogosphäre nicht beschäftigt hätten: Sollen wir hier den Namen der Firma nennen? Wird das als „unzulässige“ Werbung gesehen? Kritisiert man uns dafür? Oder hätte eine Erwähnung zur Folge, dass Blogger die Information nicht mehr als exklusiv betrachten, weil sie ja schon hier veröffentlich wurde, und dann nicht mehr darüber berichten? – Wir werden das mit unserem Kunden diskutieren.

Die Vorbereitung

Bevor wir loslegen, müssen wir natürlich einen Verteiler erstellen. Welche Blogger könnten sich für das Portal unseres Kunden interessieren? Und über welche Weblogs ist die Chance besonders hoch, eine virale Verbreitung der Information anzustoßen? Wobei dieser Punkt eventuell bereits wieder heikel ist. Einzelne Autoren könnten sich „missbraucht“ fühlen, selbst wenn es in der PR ja darum geht, Dritte dazu zu bewegen, über etwas zu berichten.

Wir haben uns dafür entschieden, zunächst die Blogger anzusprechen, die sich mit Start ups und innovativen Web-Anwendungen beschäftigen. Die Ausbeute ist überschaubar. Rund 20 Journale haben den Fokus darauf gesetzt und berichten aktuell und umfassend. Doch das erscheint uns trotzdem noch zu viel, wir wollen ja alle persönlich ansprechen. Und so haben wir in den vergangen Wochen alle recherchierten Blogs intensiv gelesen. Sind die Berichte einigermaßen neutral, angenehm lesbar, gibt es Kommentare und Verlinkungen auf die Beiträge, ist der Umgangston respektvoll? Blogs ohne Impressum und Kontaktmöglichkeit fielen gleich raus. Wir wollen ja alle Blogger persönlich ansprechen, am besten telefonisch. Über die diversen Personen-Suchmaschinen haben wir uns dann eingehender über die Autoren informiert: beispielsweise bei Yasni, 123people, myOn-ID; aber auch bei Xing und Facebook.

Mit Hilfe von Technorati, Alexa, Blogpulse und Blog influence haben wir versucht, eine ungefähre Einschätzung der Relevanz der Blogs vorzunehmen. Und jetzt stehen genau zehn Weblogs auf unserer Liste. In der laufenden Woche wollen wir die Autoren kontaktieren. Unsere Erfahrungen werden wir hier dokumentieren.

Nachtrag: Am Freitag starten wir jetzt definitiv.

Und noch ein Nachtrag: Wir haben uns nach Rücksprache mit dem Kunden entschieden, ihn hier zu nennen. Das soll keine Werbung sein, sondern dient allein der Nachvollziehbarkeit unserer Schreibereien. Also, es geht um das Portal Trendlink. Unter www.trendlink.com kann man sich für den Betatest anmelden, in der kommenden Woche kommen dann die Zugangsdaten.

Mein erstes Xing-Treffen…

Donnerstag, den 10. Juli 2008

Ich bin kein großer Fan von Networking-Veranstaltungen. Da treffen sich Leute, die sich nicht kennen und versuchen, irgendwie ins Gespräch zu kommen, um – ja, was eigentlich? Neue Freunde zu finden, Kooperationspartner, Inspiration und Informationen, Aufträge. Jeder wird wohl seine eigene Intention haben. Oft geht es kaum über Smalltalk und Visitenkarten-Tausch hinaus, und hätte man gemeinsam Interessen, hätte man sich sicher schon über weniger organisierte Begegnungen kennengelernt. Networking-Events haben etwas von Online-Dating – man hofft, dem Schicksal ein Schnippchen schlagen zu können und effizienter Kontakte zu knüpfen.

Und trotzdem springe ich über meinen Schatten und besuche heute das erste Treffen der Kronberger Xing-Gruppe – und damit mein allererstes Xing-Treffen überhaupt. Zumindest gehe ich davon aus, dass in unserem kleinen Städtchen nicht so viele Leute kommen werden, so dass man tatsächlich eine Chance hat, sich kennenzulernen. Was ich ansonsten erwarte? Vielleicht gibt es eine Vorstellungsrunde (bitte nicht!), aber bestimmt wird jeder erzählen, was er oder sie beruflich Tolles macht – kommt man wahrscheinlich nicht drum rum. Mir reicht es, den ein oder anderen netten Menschen aus der Region kennenzulernen, mit dem man dann auf dem Marktplatz (der echte in Kronberg, nicht der bei Xing) kurz plauschen kann. Auf jeden Fall bin ich gespannt und vorsichtig optimistisch. Und: ich werde anschließend auf jeden Fall hier berichten. Für all die anderen Networking-Muffel.

Einbürgerungstest für die Blogosphäre

Donnerstag, den 10. Juli 2008

Kaum ein Tag vergeht ohne irgendeine Reportage über den geplanten Einbürgerungstest zur Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft. „Hätten Sie’s gewusst“, heißt es da meist, und es werden Fragen zur Lage von Polen und zur Nationalhymne gestellt. Die Deutschen werden vorgeführt, und es zeigt sich, wie unsinnig der Test ist. So wie viele andere Aufnahmeprüfungen – ich erinnere mich noch an den Medizinertest: Es gab sogar Leute, die einen teuren Kurs belegten, um einen Studienplatz zu ergattern. Lustigerweise sind die heute allesamt Ärzte.

Was ich eigentlich sagen will: Wenn Deutschland einen Einbürgerungstest einführt, warum dann nicht auch die Blogosphäre? Wer künftig bloggen will, muss zunächst ein paar Fragen beantworten und so unter Beweis stellen, dass er oder sie reif für diese hohe Kunst der Kommunikation ist. Da könnte sich dann auch gleich ein neues Geschäftsmodell für die draus ergeben, die heute dauernd motzen, wenn ein Blog-Neuling vermeintliche „Fehler“ begeht – Besserwisser-Schulungen für den Blogger-Eignungstest. Ob das jedoch die so häufig kritisierte Qualität von Blogs anhebt, sei dahingestellt. Von Vielfalt und Kreativität mal ganz abgesehen.

Und so könnte der Test aussehen:

Heißt es der oder das Weblog? - Eine Antwort

Was ist ein Weblog? - Eine Antwort

Was ist ein Trackback? - Eine Antwort

Braucht ein Blog ein Impressum? - Eine Antwort

Hat ein Barcamp was mit Zelten in Kneipen zu tun?- Eine Antwort

Darf man ungefragt Fotos von Arbeitskollegen veröffentlichen? - Eine Antwort

Ist es okay, kritische Kommentare zu löschen? - Eine Antwort

Muss ich jeden Tag was schreiben? - Eine Antwort

Was ist eine Blogroll? - Eine Antwort

Soll ich in diese Blogroll möglichst viele sogenannte A-Blogger aufnehmen? - Eine Antwort

Gehören Pressemitteilungen in ein Blog? - Eine Antwort

Darf ich mich als eine andere Person ausgeben? - Eine Antwort

Kann ich alles, was ich geschrieben habe, wieder löschen und damit aus dem Internet entfernen? - Eine Antwort

Was ist RSS? - Eine Antwort

Ist ein Blog ein Tagebuch? - Eine Antwort

Darf ich subjektiv schreiben? - Eine Antwort

Fallen Ihnen weitere Fragen ein? Und: Hätten Sie’s gewusst?

Mark Medlock: Von Hancock lernen

Montag, den 7. Juli 2008

Als Ausgleich für den gemeinsamen „Sex and the City“-Kinoabend hat mich mein Mann am Wochenende in „Hancock“ geschleppt. Ich war mehr als skeptisch, doch es ging. Zwar ist die Story ziemlich wirr und zusammengeschustert, doch zumindest war der Film einigermaßen unterhaltsam. Und es ging um PR. Der abgehalfterte Superheld Hancock bekommt Nachhilfe in Sachen PR und poliert so sein Image auf. Und da Mark Medlock ja auch irgendwie ein abgehalfterter Superstar ist, könnte es ihm nichts schaden, sich als kleine PR-Nachhilfe mal diesen Film anzugucken. Ich bezweifele zwar, dass die Menschheit nach einer Medlock-Auszeit (Hancock geht freiwillig ins Gefängnis und büßt für seine Schandtaten) lauthals nach dem Sänger schreit, aber ein Versuch wäre es wert. Und zumindest die anderen Tipps, die Hancock bekommt, könnten für Medlock, dessen Name lustigerweise auch noch ähnlich klingt, ganz hilfreich sein: Niemanden zu schlagen, zu beleideigen oder zu erschrecken.

Im Ernst: Medlock hat doch sicher zahleiche PR-Berater um sich. Sagen die ihm nichts anderes als, dass er zu allen Vorwürfen schweigen soll? Klar, es ist sommerlich, die Medien bauschen den “Skandal” ziemlich auf. Aber genau das wäre doch die Chance, sich neu zu positionieren und das Image aufzupeppeln.

Innovative Akquise bei Xing

Freitag, den 4. Juli 2008

Manche Leute sind echt einfallsreich. Gerade wenn es um das Aufspüren potenzieller Kunden geht. Bei Xing gibt es dafür Gruppen, Statusmeldungen und den Marketplace. Doch neu für mich ist der Weg, schlicht das Foto von Mitgliedern zu betrachten. Und das geht so: Fotografen gucken, wo sie ein ihrer Ansicht nach schlechtes Foto eines Xing-Mitglieds finden und sprechen sie dann an - nach dem Motto: “Ihr Bild ist nicht professionell und wirft ein schlechtes Licht auf Ihre Qualifikationen. Ich mache gern neue Bilder von Ihnen.” Klingt komisch? Ist aber wahr, und zum Glück nicht mir passiert, aber einer Freundin. Und die hat sich erstmal richtig aufgeregt.

Der Ansatz ist sicher nicht schlecht, doch sollte man bei solch konkretem Bezug vorsichtig sein beim Vorschlagen von Verbesserungen. Ob es nun Bilder bei Xing betrifft, die Webseite eines Unternehmens oder dessen Pressetexte. Darauf hinzuweisen, dass man etwas noch verbessern kann, ist sicherlich charmanter als die Aussage, dass man etwas schlicht schlecht macht. Und ganz ehrlich: in einer Community wie Xing möchte ich nicht hinsichtlich meiner Darstellung angesprochen werden.