Archiv der Kategorie ‘Gespräche‘

Call Center-Wahnsinn

Freitag, den 30. Mai 2008

Ich habe gerade den absoluten Call Center-Irrsinn hinter mir. Und bin kein Stück klüger. Ein Kunde von uns möchte in seinem Gasthaus einen Hotspot für die Gäste anbieten. Naiverweise dachte ich, dass es kein Problem sei, einen passenden Provider zu finden. Weit gefehlt.

Nach mühsamer Webrecherche bin ich schließlich bei der Telekom gelandet. Doch weder auf der Homepage von T-Home, T-Systems oder T-Online habe ich etwas zum Thema gefunden. Dafür eine kostenlose Rufnummer (nicht schlecht, bei AOL kostet die Minute aus dem deutschen Festnetz stolze 1,86 Euro…). Unter 0800-35522 sagte man mir, dass für Geschäftskunden die Business-Beratung unter 0800-3301300 zuständig sei. Guten Mutes rief ich dort an und wurde gebeten, mich online zu erkundigen. Ich konnte die Dame am Ende der Leitung überzeugen, dass ich auf den Webseiten nicht gefunden habe und erhielt die Rufnummer 0180-5443030. Hier sagte mir eine weitere Dame, dass es für das Thema Hotspots eine spezielle Infostelle gäbe, ich solle doch mal bei 0180-5330303 anrufen. Gut. Oder eben nicht. Denn unter dieser Nummer erreichte ich eine Dame, die mich direkt wieder auf die Webseite verwiese. „Auf welche? T-Home, T-Online, T-Systems?“ Immerhin war sie nun bereit, sich zu erkundigen, und ich wartete geduldig ab. Genau 5 Minuten und 30 Sekunden später wurde das Gespräch automatisch unterbrochen. Zurückgerufen hat mich niemand. Und auch im Web der Telekom habe ich trotz intensiver Nachforschung noch immer nichts gesehen. Und so müssen die Gäste wohl noch einige Zeit aufs Surfen im Biergarten verzichten. Und die Telekom für immer auf einen neuen Kunden.

Echte Freunde im Finanzamt?

Donnerstag, den 8. Mai 2008

Gestern fand erstmals in diesem Jahr die Sternstunde für Unternehmer statt. Ins malerische Babenhausen hatte die dortige Wirtschaftsförderung geladen. Es ging unter anderem um Marketing, Motivation und: das Finanzamt. Genauer: um das gute Verhältnis zum Finanzbeamten. Diesen Vortrag fand ich besonders spannend, denn ich gehöre zu den Leuten, die einen Riesenbogen um diese Behörde machen. Eigentlich um alle, aber egal… Mathias Paul Weber sprach in seinem Vortrag Win-Win Beziehungen mit dem Finanzamt über Möglichkeiten, aus Schwierigkeiten das Beste zu machen.

Überrascht hat mich, dass jeder Beamte wohl einen kleinen Spielraum habe und letztlich zu Gunsten oder auch zu Ungunsten des Steuerzahlers entscheiden können – beispielsweise wenn es um Aufschub geht. Wer sich dem Finanzbeamten freundlich nähere und sich bewusste sei, dass dieser nicht die Gesetze mache, sondern einfach nur einen Job ausführe, hätte viel bessere Chancen, etwas zu erreichen. Gut, das ist so wie in anderen Situationen auch. Und sein Webers Rat ist sicher richtig. Das offene Gespräch auf Augenhöhe ist immer gut. Nur ganz ehrlich: Es ist nicht so, dass ich das nicht könnte, dass ich mich nicht zusammenreißen oder auch verstellen könnte. Ich will schlichtweg nicht. Nach meiner Erfahrung gehen vor allem weibliche Finanzamt-Mitarbeiterinnen mit Frauen oft viel strenger um als mit männlichen Steuerzahlern. Sie wollen einen häufig erziehen. Und das muss nicht sein. Wer etwas verpasst oder verpatzt, weiß selbst meist am besten, woran das liegt. Und die möglichen Zuschläge sind ja schon Strafe genug. Nein, ich bin echt froh, dass es Steuerberater gibt…

Wunderliche Journalisten?

Mittwoch, den 30. April 2008

Wenn die Presse anruft, herrscht oft aufgeregte Freude. Die Aussicht auf einen tollen Bericht lässt viele Herzen höher schlagen. Umso ernüchternder entpuppen sich dann so manche Fragen und Artikel. Was läuft hier schief?

Journalisten schreiben das, was ihre Leser interessiert. Zumindest gute Autoren halten sich an diese Regel. Und dieses Leserinteresse ist nicht immer deckungsgleich mit den Wünschen der in einem Artikel im Mittelpunkt stehenden Person oder des Unternehmens. Man selbst möchte vielleicht einen ganz besonderen Aspekt platzieren – und der Redakteur ignoriert dies schlicht, schreibt womöglich über „olle Kamellen“. „Warum fragen die immer das gleiche?“ „Wer will das noch lesen?“ „Das ist doch gar nicht interessant.“ – So oder ähnlich regieren manche Befragte insgeheim. Statt sich zu freuen, dass die Medien berichten und mit ihrer Erfahrung dafür sorgen, dass möglichst spannende Geschichten erzählt werden, ist man verärgert. Zu unrecht. Lassen Sie die Medien ihre Arbeit machen und bleiben Sie gelassen. Wenn es wirklich etwas zu berichten gibt, das die Leser interessiert, werden die Journalisten darüber schreiben. Freuen Sie sich bis dahin einfach über Medienfragen und erzählen Sie mit einem entspannten Lächeln zum 1000. Mal die gleiche Geschichte. Es gibt bestimmt, Leser, die sie noch nicht kennen…

Zehn Vorteile eines Veranstaltungs-Blogs

Freitag, den 25. April 2008

Kaum ein Thema eignet sich besser, um erste Erfahrungen mit Weblogs zu sammeln, als ein Event. Und dennoch: nur wenige Unternehmen nutzen bisher dieses Kommunikationsinstrument – sei es, um ein Event vorzubereiten, zu begleiten oder um neue Zielgruppen zu erreichen. Gestern habe ich darüber einen kurzen Vortrag auf der Messe Imex gehalten. Es waren zahlreiche interessierte Zuhörer gekommen, doch alle waren sich einig, dass das Thema Web 2.0 allgemein noch kaum eine Rolle in Zusammenhang mit Veranstaltungen, Messen oder Kongressen spielt. Klar gab es das Blog zu CeBIT, zur re:publica oder dem E-Day in Klagenfurt. Doch das sind Ausnahmen. Woran mag das liegen? Die Vorbereitung einer Veranstaltung ist meist – für eine klar definierte Zeit – sehr zeit- und ressourcenaufwändig, den Organisatoren bleibt selten ein Moment, sich nebenher noch um ein Blog zu kümmern. Dabei könnte diese auch entlasten, vor allem, wenn es frühzeitig aufgesetzt wird. Ob ein Blog, das von externen Experten, den Referenten oder Besuchern vom letzten Jahr geschrieben und betreut wird – oder ein Blog mit Autoren aus den eigenen Reihen: hier liegen echte Chancen und Potenziale.

1. Durch die richtigen Fragen erfahren Sie vor der Veranstaltung, was die Besucher erwarten – von den Referenten über das Catering bis hin um konkreten Programm. Beschwerden im Nachhinein werden sich folglich verringern, und Sie können die zufriedenen Besucher bei der nächsten Veranstaltung erneut begrüßen.

2. Sie erreichen eine neue Zielgruppe, die auf klassische Werbemaßnahmen nicht oder nur eingeschränkt aufmerksam wirkt.

3. Die Bekanntheit Ihrer Veranstaltung steigt; durch Mundpropaganda im Web wird an diversen Stellen über Sie geschrieben.

4. Auch im Anschluss vermittelt das Blog einen tiefen Einblick und macht neugierig auf das nächste Event.

5. Ihre Veranstaltung bekommt ein Gesicht und bindet Interessierte mehr als ein Flyer je könnte.

6. Die Besucher fühlen sich mehr als Teil der Veranstaltung, Sie binden diese auch über das Event hinaus.

7. Wenn sie mal bei der Vorbereitung nicht weiterkommen, helfen Ihnen eventuell Ihre Blog-Leser; sie kennen möglicherweise genau denjenigen, den Sie suchen oder haben Kontakte zu dringend benötigten Dienstleistern.

8. Eine „normale“ Webseite rund um eine Veranstaltung einzurichten ist deutlich aufwändiger und kostspieliger. All die interessanten Kommunikationsmittel bietet das Blog frei Haus.

9. Selbst technisch unerfahrene oder scheue Mitarbeiter können schnell mit dem Content Management System des Blogs umgehen.

10. Es macht unglaublich Spaß, gemeinsam mit den Lesern an einem Projekt zu arbeiten und nicht im stillen Kämmerlein zu bibbern, ob die Ideen rund um das Event ankommen.

Von wegen schreibfaule Jugend…

Mittwoch, den 23. April 2008

Natürlich gibt es sie, die Jugendlichen, die jede Minute ihrer Freizeit vor dem Rechner verbringen, chatten, flirten, spielen. Doch das Internet bietet gerade für Jugendliche viel mehr, und junge Surfer nutzen sie. Ein gutes Beispiel ist die Online-Plattform Hierschreibenwir. Der Name ist Programm. Jugendliche können auf der Webseite Texte schreiben, über diese und Bücher ganz allgemein diskutieren und sich gegenseitig bei den ersten schriftstellerischen Gehversuchen helfen. Rund 3.500 Jugendliche machen bereits mit, und es werden täglich mehr. Nun ist der erste echte Roman auf Hierschreibenwir entstanden. „Alles Emma – oder was?“ ist ein klassisches Jugendbuch rund um Schule, Eltern, Freundschaft und erste Liebe. Die Autorin Gerlis Zillgens hat mit all den Mitgliedern von Hierschreibenwir an dem Buch gearbeitet, 13 jugendliche Co-Autorinnen haben so tolle Beiträge geschrieben, dass diese nun in dem Buch, das Ende April bei Rowohlt erscheint, enthalten sind. Besonders beeindruckend sind die Einstellungen der jungen Online-Nutzer. Schluss also mit den Vorurteilen!

Julia, 15: „Das Schreiben macht mir einfach Spaß. Ich möchte unbedingt Autorin werden und Emma1 war eine wundervolle Gelegenheit, um Erfahrungen zu sammeln, sich Hilfe von anderen zu holen und den eigenen Schreibstil zu entwickeln. Außerdem wurde man durch die kleinen Gewinne bei Emma1 immer richtig angespornt, noch mehr zu geben.“

Vanessa, 16: „Bei so vielen verschiedenen Köpfen kommen so viele tolle Ideen zustande, das glaubt man gar nicht! Kreativ zu sein hatte vorher auch immer einen großen Reiz für mich. Seiner Fantasie einfach freien Lauf lassen und alles niederzuschreiben, was einem so alles im Köpfchen herum spukt! Aber zusammen mit anderen macht das zehnfach so viel Spaß! Deshalb ist HSW auch einfach so ein geniales Projekt! Man kann unglaublich viel lernen, aber das mit so viel Begeisterung und vor allen Dingen auch mit anderen Jungens und Mädels, die genauso ticken wie man selbst!“

Lena, 14: „Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Mädchen in meinem Alter gibt, die schreiben, sich mit allen auszutauschen über die eigenen Texte, über gute Bücher - Das hat mir sehr viel Spaß bereitet und macht es immer noch.“

Maike, 16: „Es war schon mal genial, überhaupt Mädchen kennen zu lernen, die auch gerne schreiben. Normalerweise wird man, wenn man als Hobby ‚Lesen und selber schreiben‘ angibt, erst mal total komisch angeschaut.“

Maja, 14: „Manchmal saß ich auch schon den ganzen Nachmittag nur zu Hause herum und habe mir Notizen gemacht, damit ich später einen tollen Text schreiben konnte, obwohl ich mich auch daran erinnere, dass mir einige Ideen sogar in der Schule gekommen sind. Seit ich bei Hierschreibenwir bin, denke ich fast nur noch an das Schreiben.“

Kristina, 15: „Hätte mir nicht meine Buchhändlerin den Werbeprospekt in die Hand gedrückt, dann hätte ich nie auf diese wundervolle Seite gefunden, denn seit den vielen Monaten in der Hierschreibenwir-Community haben sich meine Texte und Geschichten enorm verbessert und das habe ich nur den fleißigen Kommentarschreiber-Autorinnen und Autoren und der regelmäßigen Übung auf meiner Lieblingsinternetseite zu verdanken!”

Cathrin, 16: „Ich schreibe bei Emma mit, weil ich einfach für mein Leben gerne schreibe und Emma so etwas wie MEIN persönlicher literarischer Partner fürs Leben ist! Okay, das klingt ziemlich…seltsam, aber ich muss wirklich sagen, dass ich mich total mit Emma identifizieren kann, ich bin genauso tollpatschig und tomatensündrom-anfällig wie sie! Zudem ist Gerlis Zillgens eine supertolle Autorin und so ist es eine wahre Ehre, mit ihr zusammen an einem Buch schreiben zu dürfen!!! Und selbstverständlich muss ich auch die vielen, vielen unglaublich netten und hilfsbereiten Mitautorinnen, ohne die der ganze Wettbewerb wahrscheinlich nur halb so viel Spaß machen würde, an dieser Stelle unbedingt erwähnen! Wir sind praktisch schon zu einer kleinen Familie zusammengewachsen, Emmas Verwandtschaft ist nämlich ganz schön groß!”

Melina, 14: „Ich liebe es, mich beim Schreiben in andere Personen und Charaktere zu versetzen und mir vorzustellen, was die Personen denken und fühlen und daraus handeln. Bei dem Emma-Projekt geht es ja, wie der Name schon sagt, um „Chaos, Küsse, Katastrophen“. Privat schreibe ich aber gerne auch über andere Themen und bin zurzeit dabei, meine Buchidee auszubauen. Ich habe die Charaktere und Handlung zusammen und werde bald anfangen zu schreiben. Klar habe ich dabei wie jeder junge Schreiber das Ziel einer Veröffentlichung vor Augen, aber auch wenn es nicht klappt: Ich habe dann ja nicht alles umsonst geschrieben, sondern dabei gelernt und komme so meinem Traum Stück für Stück näher.“

Kleine Anmerkung: Die Macher von Hierschreibenwir sind Kunden von Kilroy PR, doch ich hätte sicher auch sonst über dieses schöne Projekt berichtet.