Archiv des Tags ‘Blogger’

Neue Weblogs

Mittwoch, den 9. Juli 2008

Täglich entstehen zahlreiche neue Weblogs in Deutschland. Viele von ihnen bleiben unentdeckt. Die Zielgruppe findet sie nicht, weiß nicht, wo sie nach ihnen suchen soll, oder die Betreiber kümmern sich unzureichend um ihre Verbreitung. Hier eine kleine Auswahl mit Weblogs, die jüngst ins Leben gerufen wurden:

Videos vom Neckar: Ein Blog mit kleinen Impressionen vom Neckar und seiner Umgebung

Ausflugstipps und Bergtouren: Das Blog zur Region Hohe Tauern

Come-into-Play Weblog des E-Commerce Unternehmens trade-a-game.de: “Die trade-a-game GmbH möchte ihren Kunden und Besuchern, sowie allen begeisterten Gamern und Entertainmentfreunden eine Stimme verleihen.”

Homöopathie und Akupunktur in der Veterinärmedizin: Fort- und Weiterbildung für Tierärzte

Adrian Sutil Blog: Der Formel 1-Fahrer bloggt für seinen Sponsor Capri Sonne

Blog der Mindfactory AG: News und Infos rund um Hersteller und Produkte

Country Music Weblog: “Infos zur nationalen und internationalen Country-Music-Szene.”

Kinderhandy-Blog: Rund um Handys und Kinder

Automatick: Ein Blog rund um Autos

Nur, weil Blog drauf steht…

Montag, den 5. Mai 2008

Nach dem Saftblog hat sich jetzt ein neues Journal rund um das flüssige Obst der Öffentlichkeit präsentiert. Das Demeter-Weingut Zwölberich fokussiert sich auf Traubensaft und dafür eigens ein Weblog eingerichtet. Nur leider haben sich die Betreiber anscheinend nicht allzu sehr vorab mit Blogs beschäftigt. Abgesehen davon, dass sie es als „Tagebuch“ bezeichnen, als „der Blog“, dass es keine Links gibt und auch abgesehen davon, dass jegliche Kommentarfunktion fehlt, erinnern die Texte mehr an die eines Werbeflyers als an authentische Einblicke in eine Kelterei. Es fehlt an subjektiven Äußerungen, an Leben, an spannenden Geschichten. Selbst die Fotos sind so winzig und uninteressant, dass sie einfach keine Lust auf Mehr machen. Bitte, das ist schade, das ist vergeudet. Und dann kommen wieder die an, die behaupten Corporate Blogs seien reine PR. Mist, das Traubensaft-Blog ist wieder ein Beispiel mehr für die Miesmacher. Mein Tipp: Schnell offline schalten, ein paar Wochen lang Blogs lesen, ein neues Konzept erstellen und dann mit Spaß und Begeisterung das schreiben, was Safttrinker wirklich interessiert.

Bloggen Frauen anders?

Donnerstag, den 27. März 2008

Der Medienwissenschaftler Jan Schmidt äußert sich im heute veröffentlichten Interview mit dem Tagesspiegel zu den Unterschieden zwischen Bloggern und Bloggerinnen. Er sagt: „Frauen bloggen überproportional häufig über persönliche Erlebnisse.“ Das Blog einer Frau sei meist „eine Art Online-Tagebuch“. Männer hingegen „wollen häufig ihr Wissen mit anderen teilen und bloggen deshalb über Themen, die für eine größere Masse relevant sind“. Als Frau, die hier hoffentlich kein Tagebuch führt, muss ich dem natürlich widersprechen – beziehungsweise eine neue, ergänzende These aufstellen: Nicht das Geschlecht entscheidet über den Inhalt von Blogs, sondern die Intention des Autors.

Gerade unter den bekanntesten und beliebtesten Bloggern gibt es überdurchschnittlich viele Freiberufler und selbstständige Berater, vor allem aus dem Umfeld der Online-Kommunikation. Diese „nutzen“ ihre Weblogs natürlich auch dazu, ihr Wissen und ihre Qualifikation zu dokumentieren. Über die Themenauswahl können sie sich als Experten positionieren und möglicherweise neue Kunden akquirieren. Letztlich sind so viele der sogenannten A-Blogs nichts anderes als Corporate Blogs.

Die Studie Genderaspekte in der Existenzgründung und Selbstständigkeit zeigt auf, dass überdurchschnittlich viele Frauen (62 % vs. 38 % der Männer) die Selbstständigkeit als Zuerwerb nutzen, sich also neben um Familie und Haushalt kümmern und der Beruf eine Art Nebenjob darstellt. Unter den Vollzeit-Selbstständigen gibt es hingegen überdurchschnittlich viele Männer – 76,9 Prozent der Selbstständigen, die dies als Haupterwerb sehen, sind Männer.

Übrigens gibt es im Süden Deutschlands mehr haupterwerblich tätige selbstständige Frauen als im Norden. Jetzt wäre es natürlich spannend, zu untersuchen, ob es im Süden mehr Bloggerinnen mit massenrelevanten Journalen gibt als im Norden… Eine Stichprobe: Anke Gröner kommt aus Hamburg, Nicole Simon wohnt in Lübeck, die teilweise selbstständigen Bloggerinnen vom Hauptstadtblog sitzen auch im Norden, Anne Roth lebt ebenfalls in Berlin, Meike Richter kommt aus Hamburg, Nicole Ebber lebt in Köln und die whois-Gründerin Ulrike Reinhard hat ihren Firmensitz in Neckarsteinbach; das liegt zwar im Süden, doch es zeigt sich, dass scheinbar deutlich mehr bloggende Unternehmerinne und Freiberuflerinnen im Norden leben. Womöglich inspiriert Norddeutschland Frauen zwar weniger zur haupterwerblichen Selbstständigkeit – dafür aber zum thematischen und nicht tagebuchartigen Bloggen. Ob das bei den Männern ähnlich ist? Und wieso scheint es so wenig ambitionierte Bloggerinnen im Süden zu geben? Hat die Selbstständige im Süden weniger Zeit? Fest steht, es gibt eindeutig weniger bekannte Bloggerinnen als Blogger, und das ist schade.

Nachtrag: Bei diesem Beitrag wurde die Kommentarmöglichkeit entfernt, da er immer wieder mit Spam beschossen wurde.

Blogger dokumentieren die Unruhen in Tibet

Montag, den 17. März 2008

Die blutigen Proteste in Tibet haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Die chinesische Regierung lässt Ausländer nicht mehr nach Tibet einreisen, Touristen wird nahegelegt, das Gebiet möglichst schnell zu verlassen. Seit Sonntag sei zudem der Zugang zu Youtube in China gesperrt. Und dennoch: Aus Tibet gelangen immer mehr Berichte und Videos über das Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte ins Netz. Auf zahlreichen Seiten veröffentlichen Augenzeugen ihre Eindrücke. Hier eine kleine Auswahl der wichtigsten Dokumentationen:

Hintergründe und Kommentare bei Mutant Palm.

DOLLA hat eigens für The worst horse eine Free-Tibet-Kampagne entwickelt. Weitere Einreichungen sind erwünscht.

Yeshe Choesang schreibt für den Tibet Express und bloggt in The Secret Tibet über die Ereignisse in Tibet.

Die Students for free Tibet dokumentieren und kommentieren in Tibet will be free.

In Tibetan uprising stellen Exil-Tibeter, die heute in Indien leben, News, Bilder und Filme vor.

Phayul bietet eine Zusammenstellung der Nachrichten über Tibet aus internationalen Medien.

Curta o Rio - News - Free Tibet stellt auf der Seite zahlreiche Videos zusammen.  Der Autor stammt aus Brasilien und beobachtet die Entwicklungen in Tibet aus der Ferne.

Nachtrag: Hier ein Artikel zum Thema von der Deutschen Welle und ein Beitrag vom Deutschlandfunk.

Wo sind die Grenzen der Berichterstattung?

Montag, den 3. März 2008

Matt Drudge gehört zu den einflussreichsten Journalisten der Welt. Alles begann vor rund zehn Jahren, als der damals 31-Jährige die Affäre von Bill Clinton mit Monica Lewinsky öffentlich machte. In seinem Journal Drudge Report berichtete er über die Liaison und wurde quasi über Nacht zum Star der amerikanischen Bloggerszene. Drudge liebt es, prekäre und zugleich öffentlichkeitswirksame Themen aufzugreifen und scheut keine Kritik. Jetzt berichtete er exklusiv über Prinz Harrys Einsatz in Afghanistan und enttarnte den jungen Royal. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile, und es scheint, als habe ein Internet-Pionier mal wieder das übernommen, was an sich Aufgabe der klassischen Journalisten ist: Recherche und umfassende Information.

Doch ganz so eindeutig ist die Situation nicht. Vielen Redakteuren war seit Dezember vergangenen Jahres bekannt gewesen, dass Prinz Harry seinen Dienst in Afghanistan leistete. Und sie berichteten dennoch nicht darüber, hielten sich an eine Vereinbarung zwischen einzelnen Medien und dem britischen Verteidigungsministerium – um die Sicherheit des Prinzen nicht zu gefährden. Es wäre reine Spekulation zu behaupten, die Medien hätten sich auch ohne Absprache zurückgehalten. Doch Fakt ist, dass Matt Drudge sich die Top-Story nicht nehmen lassen hat. Nun hagelt es Vorwürfe. Ist ihm nichts heilig? Hat er auf Kosten des Prinzen Eigen-PR betrieben? Und wieso mischt ein amerikanisches Journal in britische Medienpolitik ein?

Die Empörung ist verständlich und wirft die Frage auf, ob ein Journalist über alles berichten muss und soll, was er weiß – egal ob es sich um einen Mitarbeiter klassischer Presseorgane oder einen Blogger handelt. Jeder weiß, dass man mit exklusiven, provokanten und spektakulären Geschichten Leser gewinnt – und damit sogar finanzielle Vorteile (Drudge fährt laut Telegraph einen teuren Mustang, hat eine Eigentumswohnung im Four Season in Miami, besitzt ein schickes Haus in der Biscayne Bay…). Auch hierzulande gilt: wer eine Story aufdeckt, ist der Held. Doch vielleicht sollten auch die Leser ab und an mitdenken und nicht jedem Autor huldigen, dem es an sich nur um die eigene Reputation geht. Recherche ist wichtig, und die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Information. Jedoch nicht, wenn die Berichterstattung auf Kosten (unschuldiger) Dritter erfolgt.