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Ohne Monitoring kein Reputationsmanagement
Donnerstag, den 24. April 2008Sie können es wahrscheinlich schon nicht mehr hören. Wer sich online einen guten Ruf machen möchte, muss zunächst wissen, wie dieser aktuell aussieht, was über die eigene Person, Firma, Marke oder Dienstleistung geschrieben wird. Wer Ihnen ein „spitzenmäßiges Web 2.0-Projekt“ verkauft, ohne vorab eine Momentaufnahme anzubieten, wird vermutlich am Marktbedürfnis vorbei konzipieren. Klaus Eck hat dazu zahlreiche Beiträge geschrieben, ob zum Thema „Social Media Profile: Wer bin ich online?“ oder „Wem glauben Sie wirklich?“. Und in der Karrierebibel spricht „der Schweizer Reputationsforscher Mark Eisenegger über Gefahren und Chancen von Prominenz“. Ohne Monitoring geht es nicht. Doch das sehen deutsche Unternehmen anscheinend anders.
Zur Vorbereitung auf ein Online Reputationsmanagement-Seminar habe ich willkürlich nach Unternehmen in diversen Netzwerken gesucht. Das Ergebnis ist unterhaltsam (für uns) und erschreckend (für die Unternehmen – wüssten Sie etwas davon) zugleich. Hier ein paar Impressionen, die Flickr so bietet. Die Screenshots habe ich bewusst nicht eingebunden, ich möchte mir den Rechtsstreit ersparen…
Accenture
Wer bei Flickr nach Bildern rund um das Beratungsunternehmen sucht, wird schnell fündig. Vor allem ausgelassene Party-Fotos geben mir einen schönen Einblick in die Unternehmenskultur – Popo- und Busengrabscher inklusive.
Deutsche Bank
Auch bei der Deutschen Bank geht es anscheinend heiß her - ob es sich bei den Herren tatsächlich um Mitarbeiter handelt, lässt sich auf den ersten Blick nicht feststellen. Doch zumindest steht folgendes Foto momentan auf Platz 1, wenn man bei Flickr nach “Deutsche Bank” und “Party” sucht.
Telekom
Welche Folgen das Feiern in Zusammenhang mir der Telekom hat, zeigt sich auch ganz schnell. Die Begriffe “Telekom” und “Party” führen ebenfalls zu interessanten Treffern bei Flickr. Gleich auf der ersten Seite zeigen junge Männer ihre Vorliebe für Bier.
Das sind nur einige wenige Beispiele. Positiv daran ist, dass die Unternehmen online vertreten sind. Doch wissen sie das auch? Und ist es gewollt, dass ihr Image so eng mit ausgelassenen Feiern in Verbindung gebracht wird? Sollte dies beabsichtigt sein, ist es gelungen. Ich weiß als Online-Nutzer, dass es bei den genannten Unternehmen “menschlich” zugeht. Für manch einen Geschmack eventuell zu sehr, und da sollten die Entscheider überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, sich aktiv an Portalen wie Flickr zu beteiligen. Damit selbst bei der Verknüpfung des Firmennamens mit dem Begriff “Party” glückliche Kunden auf den ersten Ergebnisseiten zu sehen sind und nicht vermeintlich angeheiterte Mitarbeiter.
Krisen-PR für Verona Pooth
Donnerstag, den 10. April 2008Mitgehangen, mitgefangen oder in diesem Fall: Verheiratet, verdächtig. Seit gestern bewegt ein Thema Medien und Menschen nach meinem Geschmack etwas zu sehr. RTL2 will die Show „Engel im Einsatz“ nicht mehr mit der Moderatorin fortsetzen. Die Korruptionsvorwürfe gegen ihren Mann Franjo Pooth hatten den Sender zu dieser Entscheidung veranlasst. Mich verwundern in diesem Zusammenhang nur zwei Dinge: Warum der Entschluss nicht schon eher gefallen ist und wie Verona Pooth reagiert.
Zum Ersten: Man kann meines Erachtens doch nicht eine Frau zu Familien in tiefster Not schicken, während der Mann des „Engels“ gerade durch ein Insolvenzverfahren um die Rückzahlung von Millionen an zahlreiche Gläubiger rumkommt – während der „Engel“ kräftig weiterverdient. So ist die Rechtslage und die ist auch gut, doch hätten gute PR-Berater Verona Pooth längst geraten, ihre Arbeit bei RTL2 selbst niederzulegen oder zumindest anzubieten, Teile der Gage an die zu geben, bei denen ihr Mann bzw. die Firma ihres Mannes Schilden hat. Stattdessen argumentiert sie, ihr Job habe nichts mit den Problemen ihres Mannes zu tun. Das stimmt nicht.
Zum Zweiten: Wie gesagt, Verona Pooth hätte die Show bereits kurz nach Bekanntgabe der Insolvenz und spätestens bei den ersten Gerüchten über den korruptionsverdacht freiwillig verlassen sollen. Alternativ hätte sie mit dem Sender sprechen können, ob es nicht möglich wäre, ihr Engagement als „Engel“ ganz konkret als Reaktion oder gar Wiedergutmachung darzustellen. Dann hätte man sogar zu einem besonders geschädigten Gläubiger gehen können, um diesem unter die Arme zu greifen.
Doch dazu ist es zu spät. Vermutlich hatten Verona Pooth PR-Berater geraten, im Nachhinein so zu reagieren, wie wir es nun erleben dürfen. Sie gibt sich verletzt, enttäuscht und mit Unverständnis. Das ist eine übliche Form, Krisen-PR zu betreiben, doch in diesem Fall nicht angebracht. Dazu ist die Reaktion von RTL2 einfach zu verständlich, der Vorwurf gegenüber Franjo Pooths zu ernst, die Beziehung des Ehepaares zu intensiv. Was hätte Verona Pooth nach der Bekanntgabe der Beendigung der Zusammenarbeit mit RTL2 tun sollen?
Verständnis zeigen: Verona Pooth hätte sich einsichtig zeigen können und erklären können, sie habe selbst auch schon über eine Beendigung der Show nachgedacht, aber so gerne geholfen…
Weitermachen: Die Moderatorin könnte beispielsweise den Spieß umdrehen und in Eigenregie das Engagement als Engel fortsetzen. Was braucht man schon dazu? Eine Webseite, ein wenig PR und Freiwillige, die ihr vor Ort bei einer Familie helfen. Wenn man helfen will, braucht man keine Show, und wenn sie Aufmerksamkeit möchte, bekommt sie diese auch über eine Sendung, die allein im Internet läuft. Dies würde auch RTl2s Begründung entkräften, Verona Pooth sei zu unglaubwürdig.
Mit RTL2 an einem Strang ziehen: Sie hätte wie schon erwähnt auch jetzt noch RTL2 anbieten können, einen Teil der Gage den Gläubigern ihres Mannes zu spenden. Dadurch hätten sie und der Sender positive PR bekommen. Denn die Sendung läuft ja gut – mit ihr.
Vertrauen schaffen: Verona Pooth muss nicht ihrem Mann in den Rücken fallen oder sich dazu äußern, ob sie von den Aktivitäten ihres Mannes wusste. Doch so wie sie sich um jede konkrete Äußerung zum „Fall“ windet, wirkt sie extrem unglaubwürdig. Die Rolle der naiven Ehefrau passt nicht zum Image, das sie ansonsten verkörpert.
Lustigerweise tritt neben dieser Meldung sogar die Nachricht rund um Verona Pooths Ex-Mann Dieter Bohlen in den Hintergrund, und beide Berichte wurden in BILD direkt nebeneinander platziert. Bohlen hatte den „Superstar“ Benny nach dessen freiwilliger Aufgabe zum Weitermachen motiviert. Scheinbar brauchte Bohlen ein wenig PR, und dann macht ihm seine Ex einen Strich durch die Rechnung…
Engagierter PR-Nachwuchs
Montag, den 18. Februar 2008Im Seminar vergangene Woche in München erzählte eine junge Frau, sie sei eigentlich Studentin, arbeite aber zwei (ganze) Tage in der PR-Abteilung einer Unternehmensberatung. Auf die Bemerkung, der anderen Teilnehmer, wie sie das zeitlich schaffe, sagte sie erstaunt: „Wieso, ich habe doch noch fünf Tage für mich.“ – Das ist eine sehr bewundernswerte Einstellung. Doch leider selten.
Die meisten PR-Berater, die ich erlebe, berichten unisono von ihrer Überlastung. Scheinbar kann man in diesem Beruf nicht genug arbeiten, und ich glaube, dass dies mit den oft nicht klar kommunizierten Zielen zu tun hat – ebenso wie mit den fehlenden Mitteln zur Erfolgskontrolle. Man weiß nie, ob man genug getan hat, genug erreicht hat. Klar werden die Clippings ausgewertet, doch darüber hinaus wissen die meisten PR-Experten selten, wo überall ihre Botschaften aufgegriffen wurden. Vor allem wenn es um die Verbreitung im Web geht. Da erstellt man beispielsweise kostenintensive Videos und weiß gar nicht, dass diese bereits in diversen Blogs oder Foren diskutiert oder gar weiterempfohlen werden. Kein Wunder, dass man dann immer mehr arbeitet und neue Maßnahmen entwickelt.
Viele PRler haben noch nie von www.technorati.com oder www.alexa.com gehört, können nicht einschätzen, ob 1.000 Views bei Youtube nun gut oder schlecht sind oder welche Relevanz eine private Produkt-Empfehlung bei Facebook hat. Doch wären die Kriterien und Mittel zur Bewertung von „Web-Clippings“ bekannter, könnten die PR-Berater viel besser und umfassender die Ergebnisse ihrer Arbeit aufzeigen – und müssten weniger arbeiten
Aber dazu muss man natürlich vorher etwas Zeit investieren… oder sich externe Hilfe holen.