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Einen guten Ruf erwerben mit Xing?

Dienstag, den 22. April 2008

Vergangene Woche habe ich hier in Kronberg ein Seminar über Online Reputationsmanagement für Personaler gegeben. Neben vielen anderen Themen kamen wir dabei immer wieder auf Xing zu sprechen. Die große Frage lautet, ob Xing tatsächlich hilft, sich einen guten Ruf aufzubauen. Alle Seminarteilnehmer sind Mitglieder des Netzwerkes, doch nur einer nutzt es intensiv für berufliche Zwecke. Letztlich wurde die Qualität der Beziehungen über Xing eher belächelt. Fest steht, dass es hilft, Kontakte zu halten und sich mit anderen auszutauschen. Doch scheinbar kann man nicht allen Mitgliedern trauen, und das verwässert den Networking-Gedanken. Neben dem offiziellen Profil haben nahezu alle Leute, mit denen ich in letzter Zeit gesprochen habe, ein zusätzliches Fake-Profil – um unerkannt zu recherchieren und Profilseiten zu besuchen. Was bedeutet das eigentlich für die Mitgliederzahlen? Stecken nur halb so viele reale Personen hinter Xing wie offiziell verkündet?

Auch das Thema Bild und Flirt wurde intensiv diskutiert. Kontaktgesuche von hübschen Frauen würden eher von Männern akzeptiert als die von anderen männlichen Mitgliedern. Und eine Bekannte hat mir erst vor ein paar Tagen erzählt, dass ein Finanzberater über Xing von einer Frau kontaktiert wurde, die sich beraten lassen wollte. Er traf sich mit ihr und erfuhr nach einem zweistündigen Beratungsgespräch, dass sie eigentlich nur an ihm interessiert wäre, weil er so gut aussieht.

Noch lustiger ist jedoch die Geschichte eines Seminarteilnehmers. Er hatte durch Zufall (jaja…) eine hübsche C-Prominente bei Xing gefunden und dieses Profil immer mal wieder Kunden gezeigt, um auf die Vielfalt der Mitglieder hinzuweisen. Irgendwann erhielt er dann ein Kontaktgesuch von der Dame, die ihm schreib, er habe ja eine interessante Vita und vielleicht könnte man sich mal gegenseitig helfen. Daraufhin besuchte er ihr Profil nur noch mit seinem Fake-Login, in dem er sich als Bauarbeiter ausgibt. Doch die C-Prominente muss zu den Sammlerinnen bei Xing gehören. Auch seiner zweiten Identität schickte sie eine Kontaktanfrage mit gleichen Worten… Das zum Wert der Kontakte.

Ein paar (ungeordnete) Gedanken zu Zoomer

Dienstag, den 19. Februar 2008

Ich habe mir gestern wie viele andere ganz neugierig das neue Nachrichten-Portal Zoomer angeschaut. Und wollte eigentlich auch gleich einen Bericht über das Holtzbrinck-Angebot schreiben. Doch dann ist mir etwas passiert, das ich gar nicht kenne. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich dachte nur:

Hmm, komische Farben, so schlammig. Erinnert auch irgendwie an den Auftritt einer Kinokette – oder irre ich mich? Lauter Bilder, wohin soll ich nur klicken? Ah, hier schreibt Ulrich Wickert. Komischer Pullover, sonst sieht er irgendwie gesünder aus. Wer ist wohl noch dabei? Wow, das sind ja viele Leute. Ich dachte, die Inhalte kämen von den Nutzern? Wie wollen die das refinanzieren? Oder gibt es wieder so niedrige Gehälter wie bei News Frankfurt und Business News? Ich zähle mal nach. Also: 28 Redakteurinnen und Redakteure, 4 Medien-Redakteure (was ist das eigentlich?), 1 Chefredakteur, 1 CTO, 6 Chefs vom Dienst, 1 Geschäftsführer, 2 Herausgeber (wieso ist Herausgeber Lorenz Maroldt als einziger nur mit Vornamen und ohne Bild gelistet?). Okay, vielleicht muss man das positiv sehen. Schön, dass hier mal in Personal investiert wird. – Vor allem, wenn man die Ergebnisse der Medienspiegel-Umfrage Onlinejournalismus 2008 betrachtet. Demnach sind die Online-Redaktionen von Tageszeitungen mit durchschnittlich zehn Redakteuren (inklusive der freien Mitarbeiter) deutlich schlechter besetzt.

Aber ich wollte mir ja das Portal angucken und nicht die Macher. Was sind „Ansichtssachen“? Sieht aus wie meine Postkartensammlung. Nee, ist eine Bildergalerie, lauter schöne Bilder, ohne thematischen Zusammenhang. Brauche ich nicht. Wo ist jetzt der user generated content? Unter „Netz Zoom“ versteckt? Nein, das sind Texte der Redaktion zu Internet-Themen – immerhin mit Kommentaren der Nutzer versehen. Zurück zur Startseite. Die News aus dem Nachrichten-Zoom führt mich zu einem AFP-Text. Okay, die Webseite ist ja noch ganz frisch, vielleicht kommen die News der Nutzer noch, später. Ich brauche eine neue Strategie. Irgendwie komme ich dem Zoomer nicht näher.

An dieser Stelle habe ich gestern abgebrochen. Die Seite spricht mich nicht an. Aber ich gebe ihr heute noch ein Chance und registriere mich.

Klar, Zoomer benötigt Stichworte, um mich mit personalisierten, spannenden Inhalten zu beliefern. Ich tippe ein, was mich interessiert: Bücher, Internet, Reisen, Frankfurt, Promis. Speichern, fertig. Bin gespannt, wie „Mein Zoomer“ aussieht. Trostlos! Eine Auflistung von fitzeligen Teasertexten, ohne Bild und Auflockerung, thematisch sortiert über Reiter. Unter Bücher finde ich: einen Jugendmalwettbewerb, eine Museumsgründung, eine Autorin, die bei einem Redakteur abgeschrieben haben soll, einen „Superriecher“, ein Lese-Gewinnspiel im Saarland, Flecken an der Decke der Aula in Ostendorf (hier führt der Link nicht zum entsprechenden Artikel, sondern auf eine bunte Übersichtsseite) . Das ist alles zum Thema „Bücher“. Die Teaser führen zu den Webseiten von Donaukurier bis Kieler Nachrichten, kein Beitrag oder Tipp eines Zoomer-Lesers befindet sich darunter, noch kann ich die Beiträge kommentieren. Auf die anderen Themengebiete habe ich keine Lust mehr. Für heute reicht’s wieder mit dem Zoomer. Vielleicht besuche ich ihn morgen wieder, es kann ja nicht sein, dass so viele Redakteure kein spannenderes Angebot hinbekommen, oder?

Und hier noch ein paar Links zu Zoomer-Besprechungen der Kollegen:

Felix Schwenzel in wirres.net

Don Alphonso in der Blogbar

Ein Vergleich mit Blick.ch in der Journalistenschredder

Ein Vergleich mit Rivva in bwl zwei null

Kritische Tön im Medienblog

Marcel Weiß ebenso kritisch in neunetz.com

Chris Kurbjuhn über die Top-Platzierungen

Und ganz begeistert der Tagesspiegel (bekanntlich zum Holtzbrinck-Konzern gehörend…)

Die Weisheit der Vielen

Montag, den 21. Januar 2008

Großartig war das Experiment angekündigt worden: Günther Jauch wollte gestern in seiner Show Die Weisheit der Vielen herausfinden, wer schlauer ist - der einzelne Experte oder die Masse. Klar habe ich erwartet, dass dies nicht streng wissenschaftlich erfolgt. Aber was dann gezeigt wurde, war wirklich unfassbar. Ein Ratespiel. Welches Rennpferd siegt, wie kalt war es gestern um 21 Uhr in 65 Metern Höhe am Kölner Dom, mit welchem der neun gezeigten Männer ist diese Frau verheiratet? - Als Expertin durfte beispielsweise Familienministerin Ursula von der Leyen drauf losraten: Wie viele Kinder wurden gestern bis 22 Uhr in Hamburger Krankenhäusern geboren?  Sonja Zietlow und Dirk Bach konnten sich als Dschungelcamp-Moderatoren ebenfalls als Experten einbringen - mit der Frage, wie viele Zähne der Alligator im Studio habe.

Doch nicht allein die fragwürdigen Experten und Aufgaben machten die Sendung zur Farce. Was soll man bitteschön mit dem Ergebnis anfangen, dass die Zuschauer auf 66 Zähne im Maul des Alligators tippten und Bach und Zietlow auf 62? Hätten sich die Zuschauer beraten können, diskutieren und ihr Wissen zusammenbringen, das wäre spannend gewesen. Dann hätte man zumindest einen kleinen Beweis der kollektiven Intelligenz. So bleibt nur ein Blick in das Web. Hier, wo wirklich Viele unterwegs sind und ihre Kenntnisse teilen, findet das Experiment Masse vs. Experte zu jeder Sekunde an den verschiedensten Stellen statt. Das Internet bietet die richtigen Tools, sich auszutauschen, zu debattieren und sich so der Wahrheit anzunähern. Vor der nächsten Wissenssendung sollten die Macher von RTL vielleicht mal ins Netz gucken und sich Anregungen holen, wie richtige Ergebnisse zustande kommen können. Hier die zu untersuchen wie die Weisheit der Vielen entsteht, das wäre spannend.

Kommentare zur Sendung gigt es auch im VisualBlog, in der FAZ, bei der Süddeutschen, beim RT Zapper und bei Stefan Niggemeier im Fernsehlexikon.