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Kenn ich nicht

Mittwoch, den 23. Juli 2008

Bisher habe ich Portale wie Lokalisten oder Wer kennt wen (WKW) immer gemieden. Die Leute, die ich kenne und aus den Augen verloren habe, kann ich auch mit Hilfe anderer Dienste finden – wenn ich das möchte. Und eine weitere Kontaktliste anzulegen, finde ich mühsam und sinnlos. Doch der Artikel die Volksnetze im Vergleich: WKW No. 1 von Robert Basic hat mich gestern neugierig gemacht. Vielleicht lässt sich das Portal ja für den einen oder anderen Kunden zur Öffentlichkeitsarbeit nutzen.

Die Anmeldung funktioniert wirklich einfach, Name, E-Mail-Adresse und ein Passwort vergeben, schon kommt der Bestätigungslink. Klick. Was ist das? Nahezu zehn WKW-Mails landen in meinem Postfach. Lauter Nachrichten von Mitgliedern. Petra hat mich eingeladen – die Voraussetzung dafür, dass ich jetzt „drin“ bin. Heidi begrüßt mich, Werner fragt, ob wir uns kennen. Astrid, Janina und Dominik haben sich in meinem Gästebuch verewigt. Dabei bin ich doch gerade erst eingetreten. Was ist hier los? Brav schaue ich mir die Profile der freundlichen Leute an. Fast alle stellen sich mit Foto vor, und auf den Profilseiten sind auch Fotos der Kontakte einer Person zu sehen – einige im Freizeitlook auf der Wiese, im Wohnzimmer, auf einem Fest. Doch vor allem die Frauen geben sich größtenteils sexy, die Bilder muten ein wenig an wie die Aufnahmen im Schaufenster manch eines Dorffotografen – große Augen, leicht geöffneter Mund, irgendetwas Wolkenähnliches im Hintergrund. Andere Damen haben sich gleich im Bikini ablichten lassen. Sollte das hier ein reines Dating-Portal?

Unter „Neues“ kann ich sehen, was die WKW-Mitglieder so schreiben. Süß. „Du kannst hier den Himmel voller Sterne seh´n und alle Deine Wünsche werden in Erfüllung geh‘n“, „Winke winke, ganz liebe Grüße“, „hab dich ganzdoll lieb mausi du fehlst mir voll“ – geziert von Blumen, Sonnen und Herzen aus lauter @, $ und -. Faszinierend. Über den Menüpunkt „Wer macht gerade was“ entsteht ein ganz anderer Eindruck: „Suche hübsche Sie für ein Abenteuer“, „warte immer noch auf jungs die mir schreiben zw. 15 und 25 am besten“, „Schon heiße Girls wach“, „eine süsse sie da die es mag sich die füsse liebkosen zu lassen“… Zweideutig ist das nicht.

Aber zurück zur Ausgangsfrage – kenn ich hier wen? Nein. Niemand aus meinem beruflichen Umfeld, keine ehemaligen Studien- oder Schulfreunde, Nachbarn, Urlaubsbekanntschaften. Dabei lebe ich in Hessen, und das Bundesland soll bei WKW im Vergleich zu anderen ganz gut vertreten sein. Einen finde ich dann doch, einen Kunden, der WKW auch zu Recherchezwecken nutzt. Vielleicht bin ich ja die Ausnahme, aber es scheint hier nicht darum zu gehen, Leute zu finden, die man kennt, sondern um neue Kontakte, um Flirt und vermutlich mehr.

Es ist schon erstaunlich, dass morgens um 11 Uhr 46.348 Leute bei WKW eingeloggt sind, bei Xing sind es 31.242. Dating und private Kontakte zu knüpfen ist anscheinend wichtiger als berufliches Networking. Ich bin nicht naiv, aber dass WKW neben all den Konkurrenz-Plattformen so gut läuft, irritiert mich doch. Oh nein, und jetzt kommt auch noch ein Gruß von einem fremden Typ mit Schnäuzer und Kätzchen vor dem nackten Oberkörper… Schnell weg hier.

Das Xing-Treffen: So war es wirklich

Freitag, den 11. Juli 2008

Kurz gesagt – es war nett. So nett, wie ein Treffen mit völlig Fremden eben sein kann. Ich bereu nicht, dabei gewesen zu sein, und werde wohl auch zum nächsten Treffen gehen. Aber von Anfang an: Ich kam etwas zu spät und entdeckte die Gruppe sofort. Sieben Leute waren gekommen, der Gruppen-Moderator hatte noch einen Termin. So war es angenehm übersichtlich, und alle unterhielten sich ungezwungen. Klar, hauptsächlich über den eigenen Job, aber später auch immer mal wieder über unser Städtchen und andere Themen. Eine Vorstellungsrunde gab es nicht. Alle waren sich einig, dass es sowas wie einen inszenierten Visitenkarten-Tausch oder Tagesordnungen bei diesen Treffen nicht geben soll. Puh, Glück gehabt.

Schön war es, Leute aus ganz anderen Berufsfeldern zu treffen und zu hören, was ihnen so widerfährt. Oder auch die Menschen mit ähnlichen Berufen zu sprechen, die beispielsweise genau die gleichen Erfahrungen mit Kunden oder der Selbstständigkeit gemacht haben wie man selbst. Und dann noch eine echte Erkenntnis: Ein Mitglied der Gruppe arbeitet bei Braun, und es ging schnell um elektrische Zahnbürsten. Und da sagte doch glatt eine Dame, sie habe immer das Problem mit dem Schmodder, der sich unten zwischen Ladestation und Zahnbürste ansammele. Ein Konstruktionsfehler? Auf jeden Fall dachte ich immer, nur mir ginge es so mit meiner elektrischen Zahnbürste, und ich putze falsch – oder so. Aber nein, ich bin nicht allein mit dem Schmodder.

Mein erstes Xing-Treffen…

Donnerstag, den 10. Juli 2008

Ich bin kein großer Fan von Networking-Veranstaltungen. Da treffen sich Leute, die sich nicht kennen und versuchen, irgendwie ins Gespräch zu kommen, um – ja, was eigentlich? Neue Freunde zu finden, Kooperationspartner, Inspiration und Informationen, Aufträge. Jeder wird wohl seine eigene Intention haben. Oft geht es kaum über Smalltalk und Visitenkarten-Tausch hinaus, und hätte man gemeinsam Interessen, hätte man sich sicher schon über weniger organisierte Begegnungen kennengelernt. Networking-Events haben etwas von Online-Dating – man hofft, dem Schicksal ein Schnippchen schlagen zu können und effizienter Kontakte zu knüpfen.

Und trotzdem springe ich über meinen Schatten und besuche heute das erste Treffen der Kronberger Xing-Gruppe – und damit mein allererstes Xing-Treffen überhaupt. Zumindest gehe ich davon aus, dass in unserem kleinen Städtchen nicht so viele Leute kommen werden, so dass man tatsächlich eine Chance hat, sich kennenzulernen. Was ich ansonsten erwarte? Vielleicht gibt es eine Vorstellungsrunde (bitte nicht!), aber bestimmt wird jeder erzählen, was er oder sie beruflich Tolles macht – kommt man wahrscheinlich nicht drum rum. Mir reicht es, den ein oder anderen netten Menschen aus der Region kennenzulernen, mit dem man dann auf dem Marktplatz (der echte in Kronberg, nicht der bei Xing) kurz plauschen kann. Auf jeden Fall bin ich gespannt und vorsichtig optimistisch. Und: ich werde anschließend auf jeden Fall hier berichten. Für all die anderen Networking-Muffel.