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Wunderliche Journalisten?

Mittwoch, den 30. April 2008

Wenn die Presse anruft, herrscht oft aufgeregte Freude. Die Aussicht auf einen tollen Bericht lässt viele Herzen höher schlagen. Umso ernüchternder entpuppen sich dann so manche Fragen und Artikel. Was läuft hier schief?

Journalisten schreiben das, was ihre Leser interessiert. Zumindest gute Autoren halten sich an diese Regel. Und dieses Leserinteresse ist nicht immer deckungsgleich mit den Wünschen der in einem Artikel im Mittelpunkt stehenden Person oder des Unternehmens. Man selbst möchte vielleicht einen ganz besonderen Aspekt platzieren – und der Redakteur ignoriert dies schlicht, schreibt womöglich über „olle Kamellen“. „Warum fragen die immer das gleiche?“ „Wer will das noch lesen?“ „Das ist doch gar nicht interessant.“ – So oder ähnlich regieren manche Befragte insgeheim. Statt sich zu freuen, dass die Medien berichten und mit ihrer Erfahrung dafür sorgen, dass möglichst spannende Geschichten erzählt werden, ist man verärgert. Zu unrecht. Lassen Sie die Medien ihre Arbeit machen und bleiben Sie gelassen. Wenn es wirklich etwas zu berichten gibt, das die Leser interessiert, werden die Journalisten darüber schreiben. Freuen Sie sich bis dahin einfach über Medienfragen und erzählen Sie mit einem entspannten Lächeln zum 1000. Mal die gleiche Geschichte. Es gibt bestimmt, Leser, die sie noch nicht kennen…

Die Stimme zählt

Mittwoch, den 16. April 2008

Gestern nach dem Sprechtraining mit einem Ur-Hessen. „Wie war’s?“ – „Super, wir sind einen großen Schritt voran gekommen.“ „Wirklich, was habt ihr geschafft?“ „Er kann jetzt Aschenbecher sagen.“ - Ja, wir freuen uns auch über kleine Erfolge!

Und so geht’s: „Sa-se-si-so….“, „scha-sche-…“, „Za-ze-zi-…“, „Cha-che-chi-…“, ptka, ptke, ptko, ptku“, „ta-te-ti-to-tu“, „da-de-di-do-du“, „pa-pe-pi-po-pu“ im Vgl. zu „ba-be-bi-bo-bu“ und „Ka-ke-ki-ko-ku“ im Vgl. zu „ga-ge-gi-so-gu“ und Mischungen wie „pa-ba-pe-be“.

Ein kleiner Tipp: Wenn Sie Ihre Stimme oder Sprache trainieren möchten, dann hilft folgende Übung. Machen Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin einen Deal. Jeden Tag dürfen Sie innerhalb von zehn Minuten ein bestimmtes Wort nicht verwenden oder falsch aussprechen. Passiert dies dennoch, müssen Sie einen Euro zahlen…

Die Statusmeldungen bei Xing

Donnerstag, den 10. April 2008

Seit einigen Wochen ist es möglich, bei Xing sogenannte Statusmeldungen zu hinterlassen. Was es damit auf sich hat, ist jedem Mitglied selbst überlassen, irgendwie. Ich habe zumindest keine Information darüber erhalten, was die Netzwerk-Betreiber damit beabsichtigen oder wozu die Meldungen dienen sollen. Oder stand dazu etwas im Newsletter? Wenn, dann habe ich es überlesen, und alle anderen möglichen Informationen durch Xing, die nicht direkt auf „meiner Startseite“ gelandet sind, nehme ich ohnehin nicht wahr. Und scheinbar geht es vielen anderen Nutzern ähnlich. Denn jeder macht mit den Statusmeldungen, was er oder sie will. Das ist ganz schön anstrengend. Nun kann ich ja nur aus meinem kleinen, feinen Netzwerk berichten, aber dort haben sich folgenden Statusmeldungs-Typen herauskristallisiert – ohne Gewähr…:

Unwissende und Ignoranten: Sie machen die Mehrzahl meiner Kontakte aus und nutzen die Statusmeldungen gar nicht. Ob aus Unwissenheit oder bewusst, von 90 Prozent meiner Bekannten und Freunde wird das Tool nicht genutzt.

Part time lover: Dazu gehöre ich. Wenn es etwas wirklich Spannendes zu berichten gibt, das ihre Kontakte tatsächlich interessieren könnte, notieren sie es. Ob es den Aufenthalt in einer Stadt betrifft, wo man zwischendurch „Kontakte“ treffen könnte, die Daten, in denen man im Urlaub ist, oder der Hilferuf nach konkreter Unterstützung – die Part time lover wollen den Kontakt zu ihren Kontakten über die Statusmeldungen intensivieren, ohne…:

Soft Jobbing: Das sind Leute, die Xing dazu nutzen, wozu die Community eigentlich da ist: Kontakte für die berufliche Karriere zu nutzen und auszubauen. Sie vermelden interessante freie Stellen, von denen sie gehört haben, sagen, ob sie gerade neue Aufträge annehmen können oder notieren Hilferufe bei aktuellen Projekten.

Hard Jobbing: Immer an den Job denken und Xing als kostenloses Anzeigenblatt oder einen RSS-Dienst zu nutzen – so agieren mehr Mitglieder als man denken würde. Wir bieten jetzt auch XY, kommen Sie zum Termin ZZA, habe an folgenden Terminen noch für Sie Zeit…

Die Verwirrten: Diese wissen wie die meisten nicht, was das mit den Statusmeldungen auf sich hat und informieren schlicht drauf los – einfach so. Was auch immer es mir bringt, zu erfahren, dass ein „Kontakt“ gerade telefoniert oder Feierabend macht, die Verwirrten lassen mich dies wissen.

Die Verirrten: Verirrte sind intensive Twitter-Nutzer, welche die Hoffnung in sich tragen, die Vorzüge des Dienstes auf Xing übertragen zu können. Sie notieren alles, was ihnen passiert und worüber sie gerade nachdenken. Doch so richtig trauen sie sich noch nicht. Denn irgendwie ist das ja doch anders bei Xing, und niemand reagiert direkt in den konkreten Kreisen. So gibt es zwar mehr und mehr Versuche der Verirrten, auch Xing zum aktiven, unmittelbaren und zielgruppenorientierten Dialog zu nutzen, aber es gelingt nicht. Denn immer sind auch Zuhörer dabei, die das Ganze nicht interessiert oder die manch eine Reaktion verpasst haben, weil sie eben nicht den Kontakt eines Kontaktes im Adressbuch hatten.

Liebe Xing-Statusmeldungs-Verantwortliche, sagen Sie uns, was wir mit den Statusmeldungen machen sollen! Lassen Sie den Austausch zu und das Mitlesen, selbst wenn eine Antwort von einem Mitglied kam, die nicht unmittelbarer Kontakt ist; lassen Sie die Anzeige der Statusmeldungen allein zu, über einen langen Zeitraum gespeichert, selektierbar nach Kontakten… So macht das alles keinen Sinn und verwirrt die Mitglieder. Ach ja, und warum kann ich einen „Status“ nicht ändern oder löschen, ohne dass meine Kontakte dies erfahren (wahrscheinlich interessiert es diese ja nicht, dass ich gerade gut gelandet bin)?

Ein Lob möchte ich noch aussprechen. Meine Lieblingsstatus-Meldung schrieb Steven – er vermeldete, dass er keine Aufträge mehr annehmen könne. Kurz, klar, neugierig machend, gut.

Krisen-PR für Verona Pooth

Donnerstag, den 10. April 2008

Mitgehangen, mitgefangen oder in diesem Fall: Verheiratet, verdächtig. Seit gestern bewegt ein Thema Medien und Menschen nach meinem Geschmack etwas zu sehr. RTL2 will die Show „Engel im Einsatz“ nicht mehr mit der Moderatorin fortsetzen. Die Korruptionsvorwürfe gegen ihren Mann Franjo Pooth hatten den Sender zu dieser Entscheidung veranlasst. Mich verwundern in diesem Zusammenhang nur zwei Dinge: Warum der Entschluss nicht schon eher gefallen ist und wie Verona Pooth reagiert.

Zum Ersten: Man kann meines Erachtens doch nicht eine Frau zu Familien in tiefster Not schicken, während der Mann des „Engels“ gerade durch ein Insolvenzverfahren um die Rückzahlung von Millionen an zahlreiche Gläubiger rumkommt – während der „Engel“ kräftig weiterverdient. So ist die Rechtslage und die ist auch gut, doch hätten gute PR-Berater Verona Pooth längst geraten, ihre Arbeit bei RTL2 selbst niederzulegen oder zumindest anzubieten, Teile der Gage an die zu geben, bei denen ihr Mann bzw. die Firma ihres Mannes Schilden hat. Stattdessen argumentiert sie, ihr Job habe nichts mit den Problemen ihres Mannes zu tun. Das stimmt nicht.

Zum Zweiten: Wie gesagt, Verona Pooth hätte die Show bereits kurz nach Bekanntgabe der Insolvenz und spätestens bei den ersten Gerüchten über den korruptionsverdacht freiwillig verlassen sollen. Alternativ hätte sie mit dem Sender sprechen können, ob es nicht möglich wäre, ihr Engagement als „Engel“ ganz konkret als Reaktion oder gar Wiedergutmachung darzustellen. Dann hätte man sogar zu einem besonders geschädigten Gläubiger gehen können, um diesem unter die Arme zu greifen.

Doch dazu ist es zu spät. Vermutlich hatten Verona Pooth PR-Berater geraten, im Nachhinein so zu reagieren, wie wir es nun erleben dürfen. Sie gibt sich verletzt, enttäuscht und mit Unverständnis. Das ist eine übliche Form, Krisen-PR zu betreiben, doch in diesem Fall nicht angebracht. Dazu ist die Reaktion von RTL2 einfach zu verständlich, der Vorwurf gegenüber Franjo Pooths zu ernst, die Beziehung des Ehepaares zu intensiv. Was hätte Verona Pooth nach der Bekanntgabe der Beendigung der Zusammenarbeit mit RTL2 tun sollen?

Verständnis zeigen: Verona Pooth hätte sich einsichtig zeigen können und erklären können, sie habe selbst auch schon über eine Beendigung der Show nachgedacht, aber so gerne geholfen…

Weitermachen: Die Moderatorin könnte beispielsweise den Spieß umdrehen und in Eigenregie das Engagement als Engel fortsetzen. Was braucht man schon dazu? Eine Webseite, ein wenig PR und Freiwillige, die ihr vor Ort bei einer Familie helfen. Wenn man helfen will, braucht man keine Show, und wenn sie Aufmerksamkeit möchte, bekommt sie diese auch über eine Sendung, die allein im Internet läuft. Dies würde auch RTl2s Begründung entkräften, Verona Pooth sei zu unglaubwürdig.

Mit RTL2 an einem Strang ziehen: Sie hätte wie schon erwähnt auch jetzt noch RTL2 anbieten können, einen Teil der Gage den Gläubigern ihres Mannes zu spenden. Dadurch hätten sie und der Sender positive PR bekommen. Denn die Sendung läuft ja gut – mit ihr.

Vertrauen schaffen: Verona Pooth muss nicht ihrem Mann in den Rücken fallen oder sich dazu äußern, ob sie von den Aktivitäten ihres Mannes wusste. Doch so wie sie sich um jede konkrete Äußerung zum „Fall“ windet, wirkt sie extrem unglaubwürdig. Die Rolle der naiven Ehefrau passt nicht zum Image, das sie ansonsten verkörpert.

Lustigerweise tritt neben dieser Meldung sogar die Nachricht rund um Verona Pooths Ex-Mann Dieter Bohlen in den Hintergrund, und beide Berichte wurden in BILD direkt nebeneinander platziert. Bohlen hatte den „Superstar“ Benny nach dessen freiwilliger Aufgabe zum Weitermachen motiviert. Scheinbar brauchte Bohlen ein wenig PR, und dann macht ihm seine Ex einen Strich durch die Rechnung…

Kleider & Co. machen Leute

Dienstag, den 8. April 2008

Gerade wenn es darum geht, eine Person mit all ihren (positiven) Eigenarten und Intentionen über die Medien bekannt und möglichst auch beliebt zu machen, beginnt die hohe Kunst der sogenannten „Personality PR“. Nicht, dass es an sich schwer wäre, eine geeignete Plattform für Individuen mit ihren Vorzügen zu finden. Nein, die Herausforderung besteht darin, diesen ihre Persönlichkeit zu lassen und gleichzeitig möglichst wenig „Flächen“ für Verwunderung und Kritik zu bieten. Hier einige Beobachtungen der vergangenen Wochen und sich daraus ergebene Tipps:

Der Wohlfühlfaktor: Wer sich nicht gut fühlt, strahlt dieses auch aus. Dies betrifft die allgemeine Stimmung, ob man gerade gestresst ist, eine unangenehme Diskussion mit dem Partner hatte oder einfach schlecht geschlafen hat: Schauspieler haben gelernt, dies zu vertuschen, ein Projektleiter, Unternehmensgründer oder Techniker muss nicht immer funktionieren. Aber er bzw. sie sollte ehrlich sein.

Wenn sich ein Termin nicht mehr absagen lässt, ist es besser, menschliche Schwächen (die an sich keine sind) zuzugeben, als mit Augenringen und unkonzentriert in ein Interview oder eine Diskussion zu gehen. Ein „Ich habe die ganze Nacht darüber nachgedacht, wie sich das Problem x läsen lässt und bin etwas übermüdet“ ist sympathischer und glaubwürdiger als der verkrampfte Versuch, ausgeschlafen zu wirken. Im „Notfall“ sollte man – sofern es sich nicht um einmalige Chance handelt – immer versuchen, einen Termin zu verschieben, wenn man sich schlicht unwohl fühlt, die Haare nicht liegen, ein fieser Pickel auf der Nase stört, eine Grippe im Anmarsch ist. Der erste Eindruck ist eben ungeheuer wichtig.

Das richtige Outfit: Die Entscheidung für ein Kleidungsstück hängt davon ab, was man erreichen möchte. Geht es darum, eine neue Position, ein höheres Amt oder neues Image zu erlangen, sollte die Kleidung zum Angestrebten passen. Ansonsten gilt: Verkleiden ist verboten. Das Outfit sollte die eigene Persönlichkeit und aktuelle Position widerspiegeln und unterstreichen – und das möglichst in allen Situationen, möglichst konsequent. Dazu muss man natürlich zunächst erkennen, was zu einem passt und wie man sich darstellen möchte. Und auch bei der Kleidung geht es darum, sich wohl zu fühlen. Doch Kleidung ist auch ein Zeichen von Respekt und Wertschätzung. Das gilt auch dann, wenn man sich in vermeintlich „lässigeren Kreisen“ bewegt. Wer immer in Kostüm und Anzug auftritt, wird wenig authentisch in Jeans und T-Shirt wirken, zumal dies schnell als Anbiederei wirken kann.

Die Accessoires: Eine große, auffällige Uhr wirkt protzig, ebenso imposanter Schmuck. Aber auch funkelnder, ungewöhnlicher Modeschmuck hat bei öffentlichen Auftritten nichts zu suchen. Hier ist ganz klar weniger mehr – außer, man möchte mit den Accessoires eine klare Aussage unterstreichen.

Markenzeichen und Logos: Auch wenn es kaum noch möglich ist, ein Hemd oder eine Hose ohne Hersteller-Logo zu erhalten: nach Möglichkeit sollte man neutrale Kleidung wählen, den Gürtel über das Markenzeichen schnallen oder das Designer-Logo auf der Bluse mit einem Tuch verdecken. Sie wollen ja für sich werben und nicht für den Hersteller Ihrer Kleidung.

Die Frisur: Es versteht sich von selbst, dass die Haare ordentlich frisiert, frisch gewaschen und sauber geschnitten sein sollten. Ansätze bei gefärbten Haaren sind ein absolutes No Go, glitzernde Spängchen und übertrieben viel Gel ebenfalls.

Weitere Tipps zu Dresscodes und Persönlichkeit bieten unter anderem folgende Blogs:

“Conserio” zu Do’s und Don’ts in der Manager-Bekleidung

“Aus Liebe zum Duft” zum Desscode für Männer und Frauen

“Die Karriere-Bibel” über die Gefahr im Anzug

Das “Herrenschuh-Blog” zu allem rund um den Schuh

Robert Wetzlmayr über Corporate Fashion