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Kann man das schreiben?
Donnerstag, den 6. März 2008An sich finden Eltern ja immer gut, was ihre Kinder so machen. Und so ist mein Vater auch ein eifriger Leser dieses Blogs. Gestern hat er sich dann erstmals vorsichtig kritisch geäußert – über meinen CeBIT-Text. Ich könne doch nicht schreiben, dass ich nur zum Feiern zu der Messe gehe. Warum ich nicht gesagt hätte, ich würde dort ganz hart arbeiten und nur „so am Rande“ auch mal feiern. Warum? Weil es nicht stimmt, weil ich mich bei Niemandem einschleimen möchte, weil das hier keine Eigenwerbung sein soll.
So wie mein Vater denken jedoch noch immer viele PR- und Marketingexperten, die sich an Weblogs versuchen. Sie stellen sich dar, wie sie oder ihre Unternehmen wirken wollen, nicht wie sie tatsächlich sind. Und das ist falsch. Ein Weblog ist die großartige Chance, einer Marke, einem Produkt oder auch einer Person (die ansonsten wenig mehr als ein Name und Lebenslauf ist) Leben einzuhauchen, Nähe zu Lesern, zu Kunden herzustellen. Dies gelingt nicht durch Lüge, Verstellung oder Werbung. Also Papa, verzeih mir, wenn ich hier hin und wieder Dinge schreibe, die nicht dem (hoffentlich) perfekten Bild von deiner Tochter entsprechen…
Politisch interessierte Blogger
Mittwoch, den 5. März 2008Blogger sind introvertiert, ungebildet und einfältig. Ihre Interessen gehen selten über Computer, Spiele und Musik hinaus. Das denken noch immer viel zu Viele, und es ist falsch. Die meisten Blogger sind überdurchschnittlich vielseitig interessiert und dokumentieren dies auch in ihren Journalen. Auch Politik spielt eine gewichtige Rolle – das sieht man schnell an den zahlreichen Kommentaren zu Andrea Ypsilantis Entscheidung, sich mit den Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin Hessens wählen zu lassen.
So nimmt Lia in Tratschen über… die SPD-Kandidatin in Schutz und stellt berechtigte Überlegungen über Lügen von Politikern an. Es könne nicht sein, dass Medien und Politiker Frau Ypsilanti unaufhörlich als Lügnerin bezeichnen. Denn der Wortbruch sei nicht ungewöhnlich in der Politik. Auch der Spiegelfechter sieht das Verhalten der Politikerin gelassen. Die Wähler hätten sich für eine Regierung links der Mitte entschieden, der Wählerwille habe in keiner anderen Konstellation Chance auf Realisierung wie mit der rot-grünen Minderheitsregierung. Es sei lediglich falsch gewesen, sich vor der Wahl kategorisch gegen eine Zusammenarbeit der Linken auszusprechen.
Michael Weis in Totgedacht hingegen ist empört über das Verhalten der SPD und bekommt sogar Magenverstimmungen. Auch in deine - meine - unsere BRD hagelt es Kritik an Frau Ypsilanti. Gewonnen sei gewonnen und sei die CDU zwar nur knapp Sieger der Hessen-Wahl aber trotzdem ein Sieger. Beim Sport gäbe es meist noch viel knappere Entscheidungen, zwischen Sieger und Zweitplatziertem liegen oft nur Sekundenbruchteile. Marc fragt: “Was ist los in Deutschland?” Er ist geschockt, dass die extremen Ansichten der Linken scheinbar salonfähig geworden sind und so viele Anhänger finden. Neuwahlen seien das einzig Richtige in Hessen - ohne Roland Koch.
Und - und - und… Blogger sind interessiert, vertreten ihre Meinung, öffentlich. Und stellen sich damit der Diskussion, auch der Kritik. Wer kann das von sich behaupten?
Wo sind die Grenzen der Berichterstattung?
Montag, den 3. März 2008Matt Drudge gehört zu den einflussreichsten Journalisten der Welt. Alles begann vor rund zehn Jahren, als der damals 31-Jährige die Affäre von Bill Clinton mit Monica Lewinsky öffentlich machte. In seinem Journal Drudge Report berichtete er über die Liaison und wurde quasi über Nacht zum Star der amerikanischen Bloggerszene. Drudge liebt es, prekäre und zugleich öffentlichkeitswirksame Themen aufzugreifen und scheut keine Kritik. Jetzt berichtete er exklusiv über Prinz Harrys Einsatz in Afghanistan und enttarnte den jungen Royal. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile, und es scheint, als habe ein Internet-Pionier mal wieder das übernommen, was an sich Aufgabe der klassischen Journalisten ist: Recherche und umfassende Information.
Doch ganz so eindeutig ist die Situation nicht. Vielen Redakteuren war seit Dezember vergangenen Jahres bekannt gewesen, dass Prinz Harry seinen Dienst in Afghanistan leistete. Und sie berichteten dennoch nicht darüber, hielten sich an eine Vereinbarung zwischen einzelnen Medien und dem britischen Verteidigungsministerium – um die Sicherheit des Prinzen nicht zu gefährden. Es wäre reine Spekulation zu behaupten, die Medien hätten sich auch ohne Absprache zurückgehalten. Doch Fakt ist, dass Matt Drudge sich die Top-Story nicht nehmen lassen hat. Nun hagelt es Vorwürfe. Ist ihm nichts heilig? Hat er auf Kosten des Prinzen Eigen-PR betrieben? Und wieso mischt ein amerikanisches Journal in britische Medienpolitik ein?
Die Empörung ist verständlich und wirft die Frage auf, ob ein Journalist über alles berichten muss und soll, was er weiß – egal ob es sich um einen Mitarbeiter klassischer Presseorgane oder einen Blogger handelt. Jeder weiß, dass man mit exklusiven, provokanten und spektakulären Geschichten Leser gewinnt – und damit sogar finanzielle Vorteile (Drudge fährt laut Telegraph einen teuren Mustang, hat eine Eigentumswohnung im Four Season in Miami, besitzt ein schickes Haus in der Biscayne Bay…). Auch hierzulande gilt: wer eine Story aufdeckt, ist der Held. Doch vielleicht sollten auch die Leser ab und an mitdenken und nicht jedem Autor huldigen, dem es an sich nur um die eigene Reputation geht. Recherche ist wichtig, und die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Information. Jedoch nicht, wenn die Berichterstattung auf Kosten (unschuldiger) Dritter erfolgt.
Weggetippt
Montag, den 25. Februar 2008Ich liebe mein IBM Thinkpad. Und es liebt mich. Andres kann ich es mir nicht erklären, dass die Buchstaben der Tastatur so langsam mit meinen Fingerspitzen verschmelzen. Das E, das H, das N – weg sind sie. Ich tippe zwar schnell, doch nicht blind. Beim ersten verschwundenen Buchstaben ging es noch, doch langsam wird die Lage kritisch. Dabei ist der Laptop erst ein halbes Jahr alt. Was mache ich in sechs Monaten? Bekleben, bemalen, reinritzen? Haben Sie einen Tipp-Tipp? Oder ist das gar ein Garantiefall?
Theorie und Realität der Bloggerei
Mittwoch, den 23. Januar 2008Auf die Frage, wie man Kollegen und Mitarbeiter zum Bloggen bekommt, kenne ich tolle Antworten. Seien Sie ein Vorbild und zeigen Sie, wie viel Spaß es macht; sprechen Sie von den Vorteilen der Reputationsbildung; lassen Sie möglichst viel Freiraum bei der Themenwahl; loben Sie, involvieren Sie in Entscheidungen rund ums Blog. Und, und, und… Soweit die Theorie. Dieses Blog beweist, dass das trotzdem nicht so einfach mit der Motivation ist. Meine Mitautorinnen haben trotz Begeisterung für’s Medium und eindeutiger Zusage noch keine Zeile geschrieben. Das ist nicht schlimm, aber lustig. Und es beweist erneut, wie wenig Blogs steuerbar sind. Außer, man bucht eine Agentur, die gegen Bezahlung klar vereinbarte Beiträge verfasst. Das kommt für uns nicht in Frage. Und so werde ich auch in Zukunft auf die kleinen Tipps zum Überzeugen von Autoren verweisen. Doch ich werde auch betonen, dass dies seine Zeit braucht.
Ein guter und ambitionierter Blogger fällt nicht vom Himmel. Freiwilligkeit ist ein Muss, Spaß am Medium die wichtigste Voraussetzung und Begeisterung entsteht nur, wenn man ganz von selbst in einer ruhigen Minute in das Tool hinein schnuppert, ein paar erste Sätze verfasst, vielleicht Feedback bekommt und dann… irgendwann süchtig wird. Und jetzt los, wann lese ich Euch endlich?