Archiv des Tags ‘Sprache’

Spracheverhunzung

Freitag, den 29. Februar 2008

Gestern im Aufzug. Zwei dynamische Berater im Gespräch. “Ja, das müssen wir machen, damit wir beim Kunden reliable dastehen. Und auch die To Dos.” Sein Kollege: “Scary.” Der andere: “Come on, eine Telko, dann sind wir fine.” Hilfe!

Neulich auf der A7

Mittwoch, den 20. Februar 2008

Es gibt Momente, in denen uns Begriffe zufliegen, die wir nie wieder vergessen. Bad Salzschlirf ist solch ein Begriff, der mich einfach nicht mehr los ließ. Einmal auf einem Autobahnschild auf der A7 entdeckt, beschäftigte mich der Ort noch lange.Ich schaute im Internet. Ich fand heraus, dass die Stadt ein Kurort ist, Salz abgebaut hat … Interessanter war für mich der Ortsname selbst. Für “Schlirf” fand ich unterschiedliche Bedeutungen von “schlürfen” bis “schlurfen”. Dennoch passt weder die eine, noch die andere so richtig zur Stadtgeschichte. Mysteriös? Wer mich in dieser Sache aufklären kann, ist herzlich willkommen.

Aber der wirkliche Begeisterungsfaktor von Bad Salzschlirf steckt für mich in der Vertonung. Die Autofahrt liegt schon ein paar Wochen zurück - bis heute krame ich schmunzelnd den Namen immer mal wieder hervor und plapper ihn leise vor mir her. Warum? Weil`s kindischen Spass macht!

Sie möchten mehr über Bad Salzschlirf wissen? Hier geht es zum Podcast über diesen faszinierenden Städtenamen.

Web 2.0

Freitag, den 25. Januar 2008

Da ich noch immer in jedem Seminar von mindestens einem Teilnehmer gefragt werde, was eigentlich das Web 2.0 sein soll, möchte ich hier noch einmal eine Definition geben. Oder besser zunächst auf diverse gute Beschreibungen verweisen, denn über den Begriff wurde schon so viel geschrieben, dass man dies wirklich nicht wiederholen muss. Eine gute und umfassende Erklärung bot Markus Kühle bereits 2006 in seinen Webthreads. Auch Wikipedia bietet viele Infos zum Thema. Und im Web2Null Sammelalbum können Sie sich über aktuelle Anwendungen und Dienste informieren.

Da jedoch gerade diejenigen von allzu tiefgehenden und technischen Definitionen abgeschreckt werden (wobei ich die oben genannten Quellen damit nicht als unverständlich bezeichnen möchte, doch manche Leute mögen’s bei ersten Berührungen mit einem Thema lieber schlicht), die sich noch nicht so gut mit der Online-Kommunikation ausgehen, hier eine sehr vereinfachte Erklärung, was es mit dem Web 2.0 auf sich hat:

Web 2.0 ist an sich nur ein Begriff für neue Anwendungen, Dienste und Inhalte im Internet, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Dabei geht es weniger um eine Zäsur, sondern eine Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist. Nach und nach wurden Lösungen geschaffen, die so einfach zu bedienen sind, dass sie eine viel größere Zielgruppe ansprechen als noch vor rund zehn Jahren. Heute ist es so einfach geworden, selbst Inhalte jeglicher Art im Internet zu publizieren, dass es zum einen immer mehr Beiträge privater Nutzer gibt und zum anderen eine größere Themenvielfalt entstanden ist. Jeder findet heute das, was ihn ganz persönlich interessiert, mag dies noch so speziell sein. Hinzu kommt, dass der Dialog, der Austausch über das Internet eine immer größere Rolle spielt. Nutzer kommentieren Beiträge, bewerten und geben Tipps. So ist das Web 2.0 die Einladung an alle, sich einzubringen, zu stöbern und zu teilen.

Ratzefummel

Dienstag, den 22. Januar 2008

In unserer Wortsammlung soll es heute um das Ratzefummel gehen, auch bekannt als Radiergummi. Das Wort ist in zweierlei Hinsicht interessant. Zum einen weil es kaum noch benutzt wird und bekannt ist, zum anderen weil auch der damit bezeichnete Gegenstand selbst an Bedeutung verloren hat. Ich habe gerade mein letztes Exemplar, einen knallbunten Fisch, entsorgt. Obwohl mein Mann dauernd neue Bleistifte anschleppt, benutze ich die nie und brauche somit auch kein Radiergummi. Wobei es wirklich schöne Bleistifte gibt, zum Beispiel die Bleistift-Verlängerer von Faber-Castell. Doch mir geht es mit Stiften so wie mit Notizbüchern. Hochmotiviert nehme ich mir regelmäßig vor, nie wieder Werbekulis und Schmierzettel mit zu einem Kundentermin zu nehmen und nur noch die eine ledergebundene Kladde und den Füller zu verwenden. Meist halte ich mich ein oder zwei Wochen an diesen Vorsatz, vergesse die Kladde, und alles ist vergessen.

Doch zurück zum Ratzefummel. Wieso Schüler in den 70ern und 80ern cool ihr Radiergummi als Ratzefummel bezeichnet haben, ist nicht geklärt. Mit “Fummeln” war und ist meist ohnehin etwas anderes gemeint… Und obwohl es manchmal sehr “fummelig” ist, etwas wegzuradieren, habe ich eine andere Theorie für die Herkunft des Wortes. Im Mittelhochdeutschen war das “f” ein “v” und das “vumen” ein “veimen”. Veim bedeutet Schaum, veimen war das Verb für abschäumen oder abfegen. Und schon sind wir beim Radiergummi, mit dem man den Bleistiftstaub wegfegt und das aus einer Art festem Schaum besteht. Nun ja, man kann sich seine Erklärungen auch herbeireden, und für diese übernehme ich keinerlei Gewähr. Fest steht: Ratzefummel ist ein schönes Wort. Es wäre schade, dies aussterben zu lassen.

Von Laufstraßen und Löffelschaum

Montag, den 14. Januar 2008

Werbung eignet sich bestens zum Aufspüren von Neologismen und Unsinn. Abgesehen davon, dass mir Barbara Schöneberger ohnehin zu laut und zu präsent ist, muss sie nun auch noch für Nescafé im TV-Spot „Schaumlöffler“ zum Kauf von Kaffee-Pads animieren. Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliche Kaffee-Pads, sondern um „Löffelschaumprodukte“. Löffelschaum für Schaumlöffler, was soll das bitte sein? Ein Löffel, der bei richtigem Löffeln Schaum schlägt? Jemand, der im Schaumbad gerne löffelt? Ein Restaurantgast, dem vor Wut über den Kellner der Schaum vorm Mund auf den Suppenlöffel tropft?

Ähnlich fragwürdig ist der Begriff „Laufstraßen“, der aktuell in einem Spot für einen Teppichreiniger fällt. Die geplagte Hausfrau ist verzweifelt ob der Laufstraße in ihrem Wohnzimmer. Bisher dachte ich, dass es sich dabei um die Fertigungsanlage in der Industrie handele; oder um eine Straße für Jogger. Vielleicht sind Parkett-Besitzer hier im Nachteil, aber ganz ehrlich, von Laufstraßen auf dem Teppich habe ich noch nie gehört.

Über meinen absoluten Favoriten der irrwitzigen Werbesprüche haben sich schon andere wie der Chaosblogger und das Aloha Weblog ausgelassen. Doch man muss sich die Werbung von Clearblue für einen Schwangerschaftstest einfach auf der Zunge zergehen lassen (oder besser nicht): „Erleben Sie die größte technische Revolution auf die ein Urinstrahl treffen kann!” Als Frau kann ich nur sagen: Pfui! Es geht um Babys, nicht gewollte oder gewollte. Wie egal kann es da sein, wohin man uriniert? Zumal sich der Test nur dadurch von anderen unterscheidet, dass ein „Schwanger“ statt einem Strich oder Kreuz erscheint. Wie revolutionär.