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Statistik auf Hessisch

Samstag, den 31. Mai 2008

Fragebogen

Das Hessische Statistische Landesamt hat mir einen Fragebogen zugeschickt. Es geht um die „wirtschaftliche Haupttätigkeit“ von Kilroy PR. Ich soll ankreuzen, welcher Haupttätigkeit wir nachgehen. Ich muss sogar, denn es bestehe „Auskunftspflicht“. Es gibt zwei vorgegebene Wahlmöglichkeiten, Tätigkeiten, denen wir laut Statistischem Landesamt vermutlich nachgehen:

Yogaschulen, Unterricht im Kartenspiel

Oder

Erbringung von sonstigen persönlichen Dienstleistungen

Unfassbar. Aber immerhin darf man auf Seite 2 eine eigene Tätigkeits-Beschreibung hinterlassen – „bitte so genau wie möglich, ähnlich wie in den auf Seite 1 aufgeführten Tätigkeitsfeldern“. Die „Erbringung von sonstigen persönlichen Dienstleistungen“ ist ja ungemein genau. Ich frage mich, wie das Amt auf diese Vorschläge kommt. Yoga habe ich noch nie gemacht, geschweige denn unterrichtet. Und das Kartenspiel? Okay, PR ist manchmal wie Poker, aber ansonsten…? Hier wird mal richtig Geld verschwendet. Lustigerweise war im Schreiben mein Mädchenname Ruprecht angegeben, nicht mal mein korrekter Nachname liegt der Behörde vor.

Themenfindung: Schadenfreude als Motiv?

Dienstag, den 11. März 2008

Was bringt klassische Journalisten, Blogger, Foren-Mitglieder dazu, ein Thema aufzugreifen? Natürlich haben Success-Stories, Skurrilitäten, Herz-Schmerz und Schrecken große Chancen auf Veröffentlichung. Doch wie alltäglichen Austausch erfreuen sich Nachrichten über Misserfolge, Pleiten, Pech und Pannen besonders großer Beliebtheit. Das ist nicht verwerflich, vielmehr menschlich. Und dennoch schade, vor allem für jene, die nach einer Schlappe der Durchbruch gelungen ist.

So kursierte vor knapp zwei Monaten die Meldung, das WAZ-Portal Der Westen habe arge Einbrüche bei den Zugriffszahlen einstecken müssen. Zahlreiche Blogger und Redakteure griffen das Thema auf, kommentierten, spekulierten über die Gründe, und Online-Chefin Katharina Borchert musste sich in diversen Interviews für den ausbleibenden Erfolg rechtfertigen. Nun hat sich das Blatt gewendet. Der Westen verzeichnete im Februar 2008 einen Zuwachs der Pageimpressions um rund 62 Prozent – und das, während die meisten reichweitenstarken Onlineseiten Einbußen hinnehmen mussten. Horizont, Kress und Turi2 gehören zu den wenigen, die diese Nachricht aufgriffen. Und so listet Google auch die überholte Spiegel-Meldung “‘Der Westen‘ kostet die WAZ Leser“ ganz weit vorn – und eben nicht einen Bericht über die Kehrtwende. Dabei wäre es doch wirklich spannend zu lesen, wie der Durchbruch gelang, künftig ausgebaut werden soll und was andere Portale davon lernen können.

Gerade im Internet, wo alles dokumentiert und nachlesbar ist, lassen sich negative Meldungen nur schwer von Erfolgsgeschichten verdrängen. Vielleicht gerade weil Schadenfreude stärker beim Leser ankommt, sollten Redakteure wie Blogger sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Ausgewogene Berichterstattung ist ein wichtiges Merkmal seriöser Berichterstattung. Wer heute ein Produkt, ein Unternehmen oder ein Online-Angebot (berechtigt) kritisiert, sollte sich hin und wieder damit befassen, ob sich nicht etwas verändert hat, die Kritik Wirkung gezeigt hat – was ja ein letztlich eine größere Befriedigung für den Autor bedeutet als einmaliges Draufdreschen. Aus den Augen, aus dem Sinn führt im Web zu einem falschen Bild.

Nachtrag: Inzwischen gibt es auch bei Basicthinking einen Beitrag zum Thema.

Der K(r)ampf mit den Pageimpressions

Montag, den 14. Januar 2008

Vor rund zwei Monaten ist das ambitionierte Portal der WAZ Der Westen an den Start gegangen - und bereits heute laufen die Diskussionen über den Rückgang der Seitenabrufe. Spiegel online verkündet gar, die Macher hätten einen “erheblichen Dämpfer” bekommen. Rund 25 Prozent weniger Seitenaufrufe have das Portal im Dezember 2007 verzeichnet als die Einzeltitel der WAZ noch im Jahr zuvor zusammen. Das ist natürlichenttäuschend, doch kein Grund für Fragen, wie sie Chefredakteurin Katharina Borchert bei turi gestellt werden. Ob sie noch “fest im Sattel” sitze, wieviele Klicks sie liefern müsse, um den Job zu behalten… Das sind Fragen, die nach gerade mal zwei Monaten nicht angemessen sind. Obendrein ist das Verfahren der IVW zur Messung von Zugriffszahlen arg umstritten, und Borchert erklärt den Rückgang zudem mit technischen Problemen. Die sind normal. Kaum ein Relaunch läuft ohne Verluste von PIs ab. Die Nutzer müssen sich erst an das neue Layout, eine neue Struktur oder neue Inahlte gewöhnen. Zudem spricht “Der Westen” völlig neue Leserinnen und Leser an als die einstigen WAZ-Auftritte. Die Leser müssen erst gefunden und an die Seite gebunden werden. Das dauert, länger als zwei Monate. Und ich persönlich habe (leider) noch nie einen Relaunch erlebt, bei dem die Technik von Anfang an so lief, wie ich mir das gewünscht hätte. Damit muss man sich - vermutlich - abfinden.

Niemand kann Borchert einen Vorwurf aufgrund der niedrigen Klickraten machen. Lediglich die Entscheidung, diese bereist jetzt zu veröffentlichen, ist zu hinterfragen. Aber vermutlich ging dies weder von der Chefredakteurin noch von anderen WAZ-Verantwortlichen aus. Ein solch engagiertes und teures Projekt ruft schlicht Neid hervor. Welcher Online-Redakteur würde es sich nicht wünschen, derart viel Geld Ressourcen zur Verfügung gestellt zu bekommen? Doch das ist die Ausnahme, und somit ein Leichtes, kritisch und auch ein wenig hähmisch zu berichten. Vielleicht auch mit der verborgenen Hoffnung, dass das mit dem Web 2.0 doch nicht ganz der richtige Weg der Medien sei. Warten wir es ab, ich wette, in einem halben Jahr sieht die Welt beim Westen schon ganz anders aus - sofern es gelingt, neue Leser zu mobilisieren und nicht zurück zu blicken.