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PR für Beta-Produkte?

Mittwoch, den 11. Juni 2008

Es gibt Unternehmen, die betreiben gar keine PR, aus Prinzip, weil es in ihrer Branche fast keine Medien gibt oder weil sie rein im B2B-Geschäft tätig sind. Das sind jedoch keine ausreichenden Gründe, diesen Kommunikationskanal zu ignorieren. Potenzielle Entscheider, die für ein Unternehmen wichtig sind, kann man auf vielfältige Weise erreichen. Es kommt meist nur darauf an, die richtige Geschichte zu entwickeln. Doch was ist mit einem Unternehmen oder Angebot, das noch ganz jung ist, das beispielsweise aus wirtschaftlichen Zwängen schon auf den Markt gegangen ist, ohne alle Probleme im Griff zu haben? Das viele Angriffsflächen bietet?

Ginge es um reine Online-Kommunikation, könnte man Interessierte gut abholen und in die Verbesserung des Angebots einbinden. Doch das ist nicht die Aufgabe der Medien. Nach meinem Gefühl sollte ein Unternehmen erst dann in Sachen PR richtig durchstarten, wenn alles weitestgehend stimmt. „Beta“ wird von klassischen Medien schlicht nicht verstanden. Und auch vom gemeinem Leser nicht , was ja letztlich viel entscheidender ist. Denn wer kauft schon ein Produkt, von dem ein unabhängiger Redakteur berichtet, dass es dies zwar gibt, aber noch nicht ganz rund ist?

Was bringen Kettenbrief?

Freitag, den 30. Mai 2008

Früher ging es um ewiges Glück, die große Liebe oder due Genesung eines schwer erkrankten Menschen. Man kam von Brieffreunden schlechte Kopien handschriftlich verfasster Aufrufe zugeschickt und sollte sie an ganz viele andere Menschen weiterleiten. Das habe ich nie gemacht. Mir geht es trotzdem prima, wie es den in den Briefen erwähnten Kranken geht, weiß ich nicht. Dann kam die Phase der Ketten-Mails. Gleicher Inhalt, gleiche Aufforderung. Meist wurden sie von Verwandten oder ahnungslosen Freunden weitergeleitet. Doch auch die haben scheinbar inzwischen erkannt, dass das Humbug ist.

Nach langer Zeit landete heute wieder eine Keten-Mail in meinem Postfach, weitergeleitet von einer sehr lieben Freundin, der man nicht böse sein kann. Es geht um die Benzinpreise. Die Empfänger werden aufgefordert, zwei große Konzerne zu boykottieren. So könne dem Anstieg der Benzinpreise entgegen gewirkt werden. Völliger Quatsch. Ich frage mich, wer solche Präsentationen in Umlauf bringt und was die Absender davon haben. Letztlich ist das Spam, der dann auch noch über vertrauenswürdige Mittelsmänner verschickt wird. Ob die Aktion vielleicht sogar von den genannten Konzernen selbst initiiert wurde? Denkbar ist ja heutzutage viel.

Der schmale Grat vom Marketing zum Spam

Mittwoch, den 21. Mai 2008

Manchmal hat man es als Kommunikations-Berater nicht leicht. Vor allem, wenn die Meinungen eines Kunden stark von der eigenen Überzeugung abweichen. Wir versuchen, immer nach besten Wissen und Gewissen zu beraten. Doch manch ein Kunde hat eigen Vorstellungen. Was soll man da tun? Der eine hält eine vierseitige Pressemeldung für besonders erfolgsversprechend, der andere will unbedingt unaufgefordert Hochglanz-Pressemappen verschicken. Doch richtig kontrovers kann die Diskussion werden, wenn es um das Thema Online-Kommunikation geht.

Kein Projekt eines Unternehmens hat rein selbstlose Zwecke, es geht immer um Reputation, Marktforschung, Werbung, Suchmaschinenoptimierung – oder auch um alles zusammen. Doch was soll man machen, wenn ein Kunde alle Anwendungen und Tools nur nutzen möchte, um möglichst schnell und einfach seine Ziele zu erreichen. Auch das ist ja verständlich. Aber ist es richtig, zahllose Blogs anzulegen und mit irgendwelchen kopierten Inhalten zu füllen, um dadurch Suchmaschinenoptimierung zu betreiben? Ist es richtig, bei Twitter zahlreiche Anzeigen zu veröffentlichen und sich ansonsten nicht um die „transparente Kommunikation“ dort zu kümmern? Jeder im Web hat eigene Intentionen, diese sind mal altruistischer, mal egoistischer. Auch ein privater Twitter-Fan ist aus bestimmten Gründen aktiv. Ist er ein „echterer“ Online-Nutzer als die Firma, die nur ihre kommerziellen Absichten verfolgt? Nein. Ja. Und deshalb stellen wir auch allen Kunden alle Möglichkeiten vor, die das Web bietet. Und doch ist es deprimierend.

Wir versuchen immer, unsere Faszination für das Internet an die Kunden weiter zu geben. Wir finden Spam und durchsichtige Suchmaschinenoptimierungs-Kampagnen schlimm. Trotzdem. Am Ende entscheidet der Kunde selbst. Wir halten uns dann zurück und lassen ihn machen. Doch das ist ziemlich feige und fördert schließlich nur den Internet-Müll. Also, liebe Kunden, hören Sie gut zu. Sie können machen, was sie wollen. Aber es ist nicht unbedingt gut. Denken Sie mal darüber nach:

Ist es nicht viel schöner, wenn Ihre Website- oder Profil-Besucher mit Ihnen sprechen als mit einer fiktiven Figur?

Wäre es nicht schön, mal etwas ganz Neues auszuprobieren?

Könnte es nicht sein, dass neue Maßnahmen viel erfolgreicher sind?

Wie langfristig wirksam sind Ihre momentan „erfolgreichen“ Strategien?

Wollen sie wirklich Ihre Online-Reputation aufs Spiel setzen und eines Tages vielleicht komplett die Glaubwürdigkeit verloren haben?

Zahlreiche andere Blogger haben sich damit beschäftigt, wie Kommunikation im Internet (und nicht nur dort) erfolgreich verläuft. Hier eine kleine Auswahl:

Bernd Röthlingshöfer: Das Karlsruher Manifest zur fairen Kommunikation

Blogpiloten: Social Collaboration: eine Chance für Unternehmen?

Ideenwerkstatt: Dialoge führen statt Kommunikation managen

Comandantina Dusilova: Manieren 2.0

Unser täglich Spam: Splogger: Wie die Schmeißfliegen

PR gegen das Vergessen

Mittwoch, den 14. Mai 2008

Es gibt Produkte und Marken, die jeder kennt und dennoch so gut wie verwendet – oder über die so gut wie nie gesprochen wird. Manchmal wundert man sich dann, dass es sie überhaupt noch gibt. Wie beispielsweise das Parfum 4711. Seit einiger Zeit wird wieder dafür geworben, nahezu modern und auffallend anders als einst. Andere Dinge begegnen einem – wenn überhaupt – bei einem sehr intensiven Einkaufsbummel. Und dabei haben sie alle etwas Besonderes an sich. Meist sind es ganz besondere Erinnerungen, die damit verknüpft sind. Schade, dass die Firmen nicht mehr daraus machen, damit diese Geschichten nicht verblassen. Hier mein Aufruf wider das Vergessen:

Maiglöckchen- und Fliederseife

Waldmeister-Bowle

Diercke Weltatlas

Elmex Gelee

Burlington Kniestrümpfe

Turnbeutel

Löslicher Eistee

Kaltschale mit Sago

Salmis

Tintenkiller

Kennen sie weitere Produkte oder Marken, die nicht aussterben dürfen? Ich freue mich auf Ihre Tipps!

Reingefallen!

Dienstag, den 6. Mai 2008

Wie kommt es eigentlich, dass Firmen, die etwas verkaufen wollen, immer mit unterdrückter Nummer anrufen? Firmen, mit denen man ohnehin einen Vertrag abgeschlossen hat. Keine Chance, sich eine Sekunde innerlich auf das Gespräch vorzubereiten, keine Chance es zu ignorieren. Stattdessen hat man plötzlich eine angriffsfreudige Dame in der Leitung, die ihre Fragen nur so rausschleudert: Welches Handy besitzen Sie? (Äh, ein ziemlich altes Gerät.) Sind Sie zufrieden mit uns? (Bis jetzt durchaus, sonst hätte ich bereits gekündigt.) Kaufen Sie eher im Web oder in der Filiale? (Bauen Sie vielleicht endlich Ihr Online-Angebot aus?) Verschicken Sie nicht auch gern SMS? (Nein, aber das müssten Sie doch sehen.) …

Wenn sich ein Anrufer schon nicht zurückverfolgen und identifizieren lässt, dann sollte er einem wenigstens die Chance lassen, zu erwähnen, dass es gerade nicht passt. Oder man schlicht keine Lust auf ein Verlaufsgespräch hat. Doch das interessiert nicht.

Ab jetzt werde ich diese Anrufe als freundliche Erinnerung daran betrachten, dass ich den Vertrag ja mal prüfen und vielleicht kündigen könnte. Ganz herzlichen Dank.