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Verlagsgeschichte hautnah
Freitag, den 14. März 2008
Buchverlage sind nicht unbedingt bekannt für ihre Innovationsfreude. Wie sich Tradition und Moderne vorbildlich vereinbaren lassen, zeigt jetzt Rowohlt mit einem virtuellen Rundgang durch das Verlagsgebäude. Der Besucher kann sich durch die einzelnen Räume bewegen und unterschiedliche Dokumente aus 100 Jahren Verlagsgeschichte entdecken. Das ist wirklich nett gemacht. Schade nur, dass man sich dort nicht mit anderen Buchfans treffen und austauschen kann.
Total durchgebimst
Donnerstag, den 13. März 2008Es ist faszinierend, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens häufig die gleichen Wörter verwenden; vor allem Begriffe, die Außenstehende kaum verstehen. Bei unserer Lieblings-Partner-Werbeagentur ist es: durchgebimst. „Der ist total durchgebimst“, heißt vermutlich etwas wie: ein wenig verrückt, aber nett und lustig, schräg, aufgeschlossen. Erst dachte ich, durchbimsen würde nur vom Chef verwendet, doch auch die Mitarbeiter finden so manch eine Idee oder Person durchgebimst. Bimsen hat an sich nur zwei Bedeutungen: Jemanden zu drillen oder schikanieren. Oder sehr angestrengt und intensiv zu lernen. Es kann natürlich sein, dass sich die Durchgebimstheit nach zu langem Lernen oder böser Schikane einstellt. Doch vermutlich dachten die Wortschöpfer eher an den Bimsstein, der hartnäckigen Schmutz entfernt. Die traditionellen Vorstellungen und geistigen Schranken sind der Schmutz, der weggeschrubbt wird; danach ist man durchgebimst. Oder ein Durchgebimster ist wie ein Bimsstein – mit porösen Stellen, die viel Freiraum für kreative Gedanken lassen.
Jungs, ihr seid echt durchgebimst.
Nischen finden und besetzen
Freitag, den 29. Februar 2008Ich weise meine Seminarteilnehmer und Kunden immer wieder darauf hin, dass es viel sinnvoller ist, Nischen zu besetzen und einzelne Zielgruppen mit unterschiedlichen Kommunikationsmaßnahmen anzusprechen. Da entdecke ich heute diese Werbung im Schaufenster des Friseurs um die Ecke.
Da fragt man sich, wer wohl hier zum Waschen, Schneiden, Legen geht, wenn gleichzeitig und Hunde kläffen oder katzen verrückt spielen. Ob die Inhaber erwarten, dass Frauchen gleich mit dem Vierbeiner in den Salon geht? - Zu meiner Schande muss ich gestehen, dort vor einiger Zeit meinen Mann hingeschickt zu haben - aus Faulheit, denn der Friseur ist ja schön nah. Und damals gab es solche Plakate noch nicht. Trotzdem sah der Arme danach ganz aufgeplustert aus. Vielleicht hatte die Friseuse schon damals davon geträumt, Pudel zu stylen.
Jobsuche und Entscheidungen treffen
Mittwoch, den 13. Februar 2008Es ist wirklich schwer, und ich bin mir unsicher, zu was ich raten soll. Der Sohn meiner (Lieblings-)Patentante hat mich um Hilfe bei seiner Bewerbung gebeten. An sich ist das kein Problem, doch ich habe ein schlechtes Gefühl bei der grundsätzlichen Berufswahl. Er hat seit Jahren recht erfolgreich Leistungssport betrieben, wir alle sahen ihn schon als neuen Star am Radsport-Himmel. Und nun will er sich bei der Gemeinde in seinem Dorf bewerben, in die Verwaltung. Soll man einem jungen Menschen raten, seine Träume zu verfolgen und daran festzuhalten? Muss man in heutigen Zeiten vernünftiger vorgehen und so eine Chance ergreifen? Ist es eine oder eher der erste Schritt bergab? Ich kann mir ihn nur schwer in einem aus meiner Sicht so langweiligen Job vorstellen. Es muss doch für Sportfans, die nicht studieren möchten, andere Möglichkeiten geben. Vielleicht würde es ihm ja auch gefallen in der Verwaltung, wer weiß.
Wer heute wie ich seiner Passion im Berufsleben folgt kann nur schwer verstehen, was es heißt, extrem wichtige Entscheidungen aus der Vernunft heraus zu fällen. Ebenso kann ich es nicht verstehen, Kommunikations-Maßnahmen zu beschließen, die nicht aufgrund absoluter Begeisterung entstehen - um so den Kreis zum eigentlichen Thema dieses Blogs zu schließen… Wer keine wahre Leidenschaft bei dem verspürt, was man tut, muss schon extrem gut schauspielern, um akzeptiert zu werden und erfolgreich werden. Ein Mensch, der den Kick beim Radrennen verspürt, kann nicht Formulare in der Gemeinde ausfüllen, das gleiche gute Gefühl wie auf dem Rad verspüren und ein Spitzen-Formular-Ausfüller werden. Und wer das Internet als Spielwiese von Freaks betrachtet, kann nicht zum Dialog motiviert werden und engagiert eine Community aufbauen.
Bin ich froh, nicht mehr 20 zu sein und mich bewerben zu müssen! - Ach ja, ich weiß, dass man über jeden Job glücklich sein sollte und es toll ist, einen Ausbildungsplatz zu finden. Aber könnte es nicht sein, dass es unserer Wirtschaft besser ginge, wenn man seine Leidenschaften mit dem Beruf verbinden könnte - statt die Stellen zu wählen, die so vernünftig klingen?
Von Laufstraßen und Löffelschaum
Montag, den 14. Januar 2008Werbung eignet sich bestens zum Aufspüren von Neologismen und Unsinn. Abgesehen davon, dass mir Barbara Schöneberger ohnehin zu laut und zu präsent ist, muss sie nun auch noch für Nescafé im TV-Spot „Schaumlöffler“ zum Kauf von Kaffee-Pads animieren. Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliche Kaffee-Pads, sondern um „Löffelschaumprodukte“. Löffelschaum für Schaumlöffler, was soll das bitte sein? Ein Löffel, der bei richtigem Löffeln Schaum schlägt? Jemand, der im Schaumbad gerne löffelt? Ein Restaurantgast, dem vor Wut über den Kellner der Schaum vorm Mund auf den Suppenlöffel tropft?
Ähnlich fragwürdig ist der Begriff „Laufstraßen“, der aktuell in einem Spot für einen Teppichreiniger fällt. Die geplagte Hausfrau ist verzweifelt ob der Laufstraße in ihrem Wohnzimmer. Bisher dachte ich, dass es sich dabei um die Fertigungsanlage in der Industrie handele; oder um eine Straße für Jogger. Vielleicht sind Parkett-Besitzer hier im Nachteil, aber ganz ehrlich, von Laufstraßen auf dem Teppich habe ich noch nie gehört.
Über meinen absoluten Favoriten der irrwitzigen Werbesprüche haben sich schon andere wie der Chaosblogger und das Aloha Weblog ausgelassen. Doch man muss sich die Werbung von Clearblue für einen Schwangerschaftstest einfach auf der Zunge zergehen lassen (oder besser nicht): „Erleben Sie die größte technische Revolution auf die ein Urinstrahl treffen kann!” Als Frau kann ich nur sagen: Pfui! Es geht um Babys, nicht gewollte oder gewollte. Wie egal kann es da sein, wohin man uriniert? Zumal sich der Test nur dadurch von anderen unterscheidet, dass ein „Schwanger“ statt einem Strich oder Kreuz erscheint. Wie revolutionär.