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Nur, weil Blog drauf steht…

Montag, den 5. Mai 2008

Nach dem Saftblog hat sich jetzt ein neues Journal rund um das flüssige Obst der Öffentlichkeit präsentiert. Das Demeter-Weingut Zwölberich fokussiert sich auf Traubensaft und dafür eigens ein Weblog eingerichtet. Nur leider haben sich die Betreiber anscheinend nicht allzu sehr vorab mit Blogs beschäftigt. Abgesehen davon, dass sie es als „Tagebuch“ bezeichnen, als „der Blog“, dass es keine Links gibt und auch abgesehen davon, dass jegliche Kommentarfunktion fehlt, erinnern die Texte mehr an die eines Werbeflyers als an authentische Einblicke in eine Kelterei. Es fehlt an subjektiven Äußerungen, an Leben, an spannenden Geschichten. Selbst die Fotos sind so winzig und uninteressant, dass sie einfach keine Lust auf Mehr machen. Bitte, das ist schade, das ist vergeudet. Und dann kommen wieder die an, die behaupten Corporate Blogs seien reine PR. Mist, das Traubensaft-Blog ist wieder ein Beispiel mehr für die Miesmacher. Mein Tipp: Schnell offline schalten, ein paar Wochen lang Blogs lesen, ein neues Konzept erstellen und dann mit Spaß und Begeisterung das schreiben, was Safttrinker wirklich interessiert.

Linktipp: Interview mit Wolfgang Zeglovits

Samstag, den 26. April 2008

“Die Presse” veröffentlicht heute ein Interview mit Wolfgang Zeglovits. Der Kommunikationsexperte beantwortet hier Fragen rund um die “Phänomene” Youtube, StudiVZ & Co. Das Schöne an seinen Antworten: Sie sind weder sensationsheischend noch provokant. So sagt er beispielsweise auf die Frage, ob das Web 2.0 die Privatsphäre auflöse: “Schon zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurden Prominente vom Boulevard öffentlich bloßgestellt. Die heutige Problematik ist eher die, dass sich diese Mechanismen nicht mehr auf Prominente konzentrieren, sondern jeder davon betroffen sein kann.”

Ganz im Gegensatz dazu ein anderer Bericht in der gleichen Ausgabe der Zeitung. Unter der Überschrift “Web 2.0: Das Netz der Jugendlichen” werden durch Aussagen wie: “Wer kein eigenes Profil, keine eigene Site hat, existiert (fast) nicht” Vorurteile bestätigt und Kopfschütteln auf Knopfdruck herbeigeführt.

Zehn Vorteile eines Veranstaltungs-Blogs

Freitag, den 25. April 2008

Kaum ein Thema eignet sich besser, um erste Erfahrungen mit Weblogs zu sammeln, als ein Event. Und dennoch: nur wenige Unternehmen nutzen bisher dieses Kommunikationsinstrument – sei es, um ein Event vorzubereiten, zu begleiten oder um neue Zielgruppen zu erreichen. Gestern habe ich darüber einen kurzen Vortrag auf der Messe Imex gehalten. Es waren zahlreiche interessierte Zuhörer gekommen, doch alle waren sich einig, dass das Thema Web 2.0 allgemein noch kaum eine Rolle in Zusammenhang mit Veranstaltungen, Messen oder Kongressen spielt. Klar gab es das Blog zu CeBIT, zur re:publica oder dem E-Day in Klagenfurt. Doch das sind Ausnahmen. Woran mag das liegen? Die Vorbereitung einer Veranstaltung ist meist – für eine klar definierte Zeit – sehr zeit- und ressourcenaufwändig, den Organisatoren bleibt selten ein Moment, sich nebenher noch um ein Blog zu kümmern. Dabei könnte diese auch entlasten, vor allem, wenn es frühzeitig aufgesetzt wird. Ob ein Blog, das von externen Experten, den Referenten oder Besuchern vom letzten Jahr geschrieben und betreut wird – oder ein Blog mit Autoren aus den eigenen Reihen: hier liegen echte Chancen und Potenziale.

1. Durch die richtigen Fragen erfahren Sie vor der Veranstaltung, was die Besucher erwarten – von den Referenten über das Catering bis hin um konkreten Programm. Beschwerden im Nachhinein werden sich folglich verringern, und Sie können die zufriedenen Besucher bei der nächsten Veranstaltung erneut begrüßen.

2. Sie erreichen eine neue Zielgruppe, die auf klassische Werbemaßnahmen nicht oder nur eingeschränkt aufmerksam wirkt.

3. Die Bekanntheit Ihrer Veranstaltung steigt; durch Mundpropaganda im Web wird an diversen Stellen über Sie geschrieben.

4. Auch im Anschluss vermittelt das Blog einen tiefen Einblick und macht neugierig auf das nächste Event.

5. Ihre Veranstaltung bekommt ein Gesicht und bindet Interessierte mehr als ein Flyer je könnte.

6. Die Besucher fühlen sich mehr als Teil der Veranstaltung, Sie binden diese auch über das Event hinaus.

7. Wenn sie mal bei der Vorbereitung nicht weiterkommen, helfen Ihnen eventuell Ihre Blog-Leser; sie kennen möglicherweise genau denjenigen, den Sie suchen oder haben Kontakte zu dringend benötigten Dienstleistern.

8. Eine „normale“ Webseite rund um eine Veranstaltung einzurichten ist deutlich aufwändiger und kostspieliger. All die interessanten Kommunikationsmittel bietet das Blog frei Haus.

9. Selbst technisch unerfahrene oder scheue Mitarbeiter können schnell mit dem Content Management System des Blogs umgehen.

10. Es macht unglaublich Spaß, gemeinsam mit den Lesern an einem Projekt zu arbeiten und nicht im stillen Kämmerlein zu bibbern, ob die Ideen rund um das Event ankommen.

Ohne Monitoring kein Reputationsmanagement

Donnerstag, den 24. April 2008

Sie können es wahrscheinlich schon nicht mehr hören. Wer sich online einen guten Ruf machen möchte, muss zunächst wissen, wie dieser aktuell aussieht, was über die eigene Person, Firma, Marke oder Dienstleistung geschrieben wird. Wer Ihnen ein „spitzenmäßiges Web 2.0-Projekt“ verkauft, ohne vorab eine Momentaufnahme anzubieten, wird vermutlich am Marktbedürfnis vorbei konzipieren. Klaus Eck hat dazu zahlreiche Beiträge geschrieben, ob zum Thema „Social Media Profile: Wer bin ich online?“ oder „Wem glauben Sie wirklich?“. Und in der Karrierebibel spricht „der Schweizer Reputationsforscher Mark Eisenegger über Gefahren und Chancen von Prominenz“. Ohne Monitoring geht es nicht. Doch das sehen deutsche Unternehmen anscheinend anders.

Zur Vorbereitung auf ein Online Reputationsmanagement-Seminar habe ich willkürlich nach Unternehmen in diversen Netzwerken gesucht. Das Ergebnis ist unterhaltsam (für uns) und erschreckend (für die Unternehmen – wüssten Sie etwas davon) zugleich. Hier ein paar Impressionen, die Flickr so bietet. Die Screenshots habe ich bewusst nicht eingebunden, ich möchte mir den Rechtsstreit ersparen…

Accenture

Wer bei Flickr nach Bildern rund um das Beratungsunternehmen sucht, wird schnell fündig. Vor allem ausgelassene Party-Fotos geben mir einen schönen Einblick in die Unternehmenskultur – Popo- und Busengrabscher inklusive.

Deutsche Bank

Auch bei der Deutschen Bank geht es anscheinend heiß her - ob es sich bei den Herren tatsächlich um Mitarbeiter handelt, lässt sich auf den ersten Blick nicht feststellen. Doch zumindest steht folgendes Foto momentan auf Platz 1, wenn man bei Flickr nach “Deutsche Bank” und “Party” sucht.

Telekom

Welche Folgen das Feiern in Zusammenhang mir der Telekom hat, zeigt sich auch ganz schnell. Die Begriffe “Telekom” und “Party” führen ebenfalls zu interessanten Treffern bei Flickr. Gleich auf der ersten Seite zeigen junge Männer ihre Vorliebe für Bier.

Das sind nur einige wenige Beispiele. Positiv daran ist, dass die Unternehmen online vertreten sind. Doch wissen sie das auch? Und ist es gewollt, dass ihr Image so eng mit ausgelassenen Feiern in Verbindung gebracht wird? Sollte dies beabsichtigt sein, ist es gelungen. Ich weiß als Online-Nutzer, dass es bei den genannten Unternehmen “menschlich” zugeht. Für manch einen Geschmack eventuell zu sehr, und da sollten die Entscheider überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, sich aktiv an Portalen wie Flickr zu beteiligen. Damit selbst bei der Verknüpfung des Firmennamens mit dem Begriff “Party” glückliche Kunden auf den ersten Ergebnisseiten zu sehen sind und nicht vermeintlich angeheiterte Mitarbeiter.

Von wegen schreibfaule Jugend…

Mittwoch, den 23. April 2008

Natürlich gibt es sie, die Jugendlichen, die jede Minute ihrer Freizeit vor dem Rechner verbringen, chatten, flirten, spielen. Doch das Internet bietet gerade für Jugendliche viel mehr, und junge Surfer nutzen sie. Ein gutes Beispiel ist die Online-Plattform Hierschreibenwir. Der Name ist Programm. Jugendliche können auf der Webseite Texte schreiben, über diese und Bücher ganz allgemein diskutieren und sich gegenseitig bei den ersten schriftstellerischen Gehversuchen helfen. Rund 3.500 Jugendliche machen bereits mit, und es werden täglich mehr. Nun ist der erste echte Roman auf Hierschreibenwir entstanden. „Alles Emma – oder was?“ ist ein klassisches Jugendbuch rund um Schule, Eltern, Freundschaft und erste Liebe. Die Autorin Gerlis Zillgens hat mit all den Mitgliedern von Hierschreibenwir an dem Buch gearbeitet, 13 jugendliche Co-Autorinnen haben so tolle Beiträge geschrieben, dass diese nun in dem Buch, das Ende April bei Rowohlt erscheint, enthalten sind. Besonders beeindruckend sind die Einstellungen der jungen Online-Nutzer. Schluss also mit den Vorurteilen!

Julia, 15: „Das Schreiben macht mir einfach Spaß. Ich möchte unbedingt Autorin werden und Emma1 war eine wundervolle Gelegenheit, um Erfahrungen zu sammeln, sich Hilfe von anderen zu holen und den eigenen Schreibstil zu entwickeln. Außerdem wurde man durch die kleinen Gewinne bei Emma1 immer richtig angespornt, noch mehr zu geben.“

Vanessa, 16: „Bei so vielen verschiedenen Köpfen kommen so viele tolle Ideen zustande, das glaubt man gar nicht! Kreativ zu sein hatte vorher auch immer einen großen Reiz für mich. Seiner Fantasie einfach freien Lauf lassen und alles niederzuschreiben, was einem so alles im Köpfchen herum spukt! Aber zusammen mit anderen macht das zehnfach so viel Spaß! Deshalb ist HSW auch einfach so ein geniales Projekt! Man kann unglaublich viel lernen, aber das mit so viel Begeisterung und vor allen Dingen auch mit anderen Jungens und Mädels, die genauso ticken wie man selbst!“

Lena, 14: „Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Mädchen in meinem Alter gibt, die schreiben, sich mit allen auszutauschen über die eigenen Texte, über gute Bücher - Das hat mir sehr viel Spaß bereitet und macht es immer noch.“

Maike, 16: „Es war schon mal genial, überhaupt Mädchen kennen zu lernen, die auch gerne schreiben. Normalerweise wird man, wenn man als Hobby ‚Lesen und selber schreiben‘ angibt, erst mal total komisch angeschaut.“

Maja, 14: „Manchmal saß ich auch schon den ganzen Nachmittag nur zu Hause herum und habe mir Notizen gemacht, damit ich später einen tollen Text schreiben konnte, obwohl ich mich auch daran erinnere, dass mir einige Ideen sogar in der Schule gekommen sind. Seit ich bei Hierschreibenwir bin, denke ich fast nur noch an das Schreiben.“

Kristina, 15: „Hätte mir nicht meine Buchhändlerin den Werbeprospekt in die Hand gedrückt, dann hätte ich nie auf diese wundervolle Seite gefunden, denn seit den vielen Monaten in der Hierschreibenwir-Community haben sich meine Texte und Geschichten enorm verbessert und das habe ich nur den fleißigen Kommentarschreiber-Autorinnen und Autoren und der regelmäßigen Übung auf meiner Lieblingsinternetseite zu verdanken!”

Cathrin, 16: „Ich schreibe bei Emma mit, weil ich einfach für mein Leben gerne schreibe und Emma so etwas wie MEIN persönlicher literarischer Partner fürs Leben ist! Okay, das klingt ziemlich…seltsam, aber ich muss wirklich sagen, dass ich mich total mit Emma identifizieren kann, ich bin genauso tollpatschig und tomatensündrom-anfällig wie sie! Zudem ist Gerlis Zillgens eine supertolle Autorin und so ist es eine wahre Ehre, mit ihr zusammen an einem Buch schreiben zu dürfen!!! Und selbstverständlich muss ich auch die vielen, vielen unglaublich netten und hilfsbereiten Mitautorinnen, ohne die der ganze Wettbewerb wahrscheinlich nur halb so viel Spaß machen würde, an dieser Stelle unbedingt erwähnen! Wir sind praktisch schon zu einer kleinen Familie zusammengewachsen, Emmas Verwandtschaft ist nämlich ganz schön groß!”

Melina, 14: „Ich liebe es, mich beim Schreiben in andere Personen und Charaktere zu versetzen und mir vorzustellen, was die Personen denken und fühlen und daraus handeln. Bei dem Emma-Projekt geht es ja, wie der Name schon sagt, um „Chaos, Küsse, Katastrophen“. Privat schreibe ich aber gerne auch über andere Themen und bin zurzeit dabei, meine Buchidee auszubauen. Ich habe die Charaktere und Handlung zusammen und werde bald anfangen zu schreiben. Klar habe ich dabei wie jeder junge Schreiber das Ziel einer Veröffentlichung vor Augen, aber auch wenn es nicht klappt: Ich habe dann ja nicht alles umsonst geschrieben, sondern dabei gelernt und komme so meinem Traum Stück für Stück näher.“

Kleine Anmerkung: Die Macher von Hierschreibenwir sind Kunden von Kilroy PR, doch ich hätte sicher auch sonst über dieses schöne Projekt berichtet.